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06.04.2011

09:04 Uhr

Cesare Geronzi

Gipfelstürmer will die Macht bei Generali

VonKatharina Kort

„Ich brauche keine Kompetenzen. Ich brauche nur ein Telefon.“ Cesare Geronzi, Spitzenmanager der italienischen Versicherungsbranche, mag klare Worte. Heute stellt er sich dem Verwaltungsrat beim Versicherer Generali.

Cesare Geronzi. Quelle: ap

Cesare Geronzi.

MailandDer Vorname ist Programm: Cesare Geronzi, 76, Präsident des größten italienischen Versicherers Generali will die Macht – immer. Jüngstes Beispiel: ein iPad. Geronzi kann es kaum fassen, als sein Antrag abgelehnt wird: Ein Tablet-PC gehöre nicht zur Ausstattung des Präsidentenamts, heißt es. Er beschwert sich direkt beim Vorstandschef Giovanni Perissinotto. „Für den Präsidenten gibt es kein iPad? Wir sind doch die Generali!“ soll er getönt haben. Die Antwort Perissinottos ist knapp und bestimmt: „Genau, wir sind die Generali: Und das sind die Regeln.“

Eine kleine Episode, die viel aussagt über den Mann, der sich heute dem Verwaltungsrat stellen muss. Mehr als ein Drittel der Mitglieder hat die Sondersitzung beantragt, um endlich zu erfahren, wohin die Nummer drei der europäischen Versicherer steuert. Stärkere Konzentration auf Italien, so wie es Geronzi will – oder Beibehaltung der internationalen Ausrichtung, für die Perissinotto steht. Es rumort bei Generali. Und der Grund ist Geronzi.

Jahrzehntelange Laufbahn

Doch wer ist der 76-jährige Römer, von dem niemand so recht weiß, wie er es so weit nach oben geschafft hat? „Er hat gute Beziehungen zu allen Mächtigen“, heißt es in Italiens Finanzszene – als rechtfertige das allein seinen hochdotierten Posten an der Generali-Spitze. Er selbst soll einmal gesagt haben: „Ich brauche keine Kompetenzen. Ich brauche nur ein Telefon.“

Mit diesem System hat er seine jahrzehntelange Laufbahn aufgebaut. Geronzi begann seine Karriere 1961 bei der Zentralbank, bevor er 20 Jahre später in die Welt der Geschäftsbanken wechselte. Indem er die richtigen Unternehmen und Institute finanzierte, wurde er zu einer wichtigen Figur im römischen Machtgefüge. Noch heute steht er dem ehemaligen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti nahe. Auch mit dem 2005 nach Skandalen zurückgetretenen Zentralbankchef Antonio Fazio pflegte er als Capitalia-Präsident beste Kontakte: Unter anderem hatte er Fazio und dessen Ehefrau zur Pilgerreise im Privatjet nach Lourdes und Santiago di Compostella eingeladen.

Auch zu Premier Berlusconi hat er einen guten Draht. Mit ihm teilt er das Problem mit der Staatsanwaltschaft. Insgesamt laufen noch drei Verfahren gegen Geronzi. Die anderen endeten ergebnislos. In der Zwischenzeit erklomm er immer weitere Höhen: 2007 das Präsidentenamt bei Mediobanca und 2010 die Krönung bei Generali. Heute wird sich herausstellen, wie weit seine Macht noch reicht.

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