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13.11.2012

07:40 Uhr

Chef der Windows-Sparte geht

Überraschender Wechsel bei Microsoft

Paukenschlag bei Microsoft: Nur wenige Tage nach dem Erscheinen von Windows 8 verlässt der zuständige Manager Steven Sinofsky das Unternehmen. Offenbar war sein Verhältnis zu anderen Führungskräften schwierig.

Steven Sinofsky leitete bei Mircosoft die Entwicklung von Windows 8 und dem neuen Tablets Microsoft Surface. Reuters

Steven Sinofsky leitete bei Mircosoft die Entwicklung von Windows 8 und dem neuen Tablets Microsoft Surface.

Seattle/RedmondÜberraschender Wechsel in der Microsoft-Chefetage: Nur wenige Wochen nach dem Start des neuen Betriebssystems Windows 8 verlässt der zuständige Manager Steven Sinofsky den Software-Konzern. Nachfolgerin an der Spitze des Windows-Bereichs wird Julie Larson-Green, wie Microsoft in der Nacht zum Dienstag mitteilte. Die Software-Entwicklerin war unter anderem für das neue Design des Windows-Betriebssystems mit den großen Kacheln auf der Oberfläche verantwortlich.

Der 47-jährige Sinofsky war der Chefarchitekt der neuen Version von Microsofts wichtigstem Produkt und hatte seine Vision für eine radikale Erneuerung durchgesetzt. Er wurde auch immer wieder als Anwärter auf den Chefposten im Konzern gehandelt. Einem Bericht der Finanznachrichtenagentur Bloomberg zufolge gab es allerdings Probleme in seinem Verhältnis zu anderen Managern, inklusive Konzernchef Steve Ballmer. Der Microsoft-Chef wolle die nächste Version mit einem erneuerten Team angehen, hieß es.

Diese Neuerungen bietet Windows 8

Kachel-Design

Windows 8 sieht schon auf den ersten Blick anders aus: Microsoft übernimmt aus seinem mobilen Betriebssystem das Kachel-Design. Zu sehen sind nun rechteckige Flächen, in denen Nutzer zum Beispiel Programme sortieren können. Und in den sogenannten Live-Kacheln werden Inhalte in Echtzeit aktualisiert – ob der Wetterbericht aus dem Netz oder die Mitteilung über neu eingetroffene E-Mails. Die bekannte Taskleiste samt dem mit Windows 95 eingeführten Startknopf verschwindet dagegen. Einen Desktop gibt es allerdings immer noch, der über eine Kachel aufgerufen wird.

Bedienung per Fingerzeig

Microsoft hat Windows 8 für die Nutzung per Touchscreen angepasst. Anwender können mit den Fingern navigieren, wenn ihr Rechner einen berührungsempfindlichen Bildschirm hat, aber auch klassisch mit Maus und Tastatur. Dass beides in einem Gerät vereint sein kann, zeigen etliche neue Modelle, die Tablet-Computer und Notebook in einem sind.

Ein eigener App Store

Apple lässt grüßen: Microsoft hat für sein neues System den Windows Store eingerichtet. Über die Plattform können Entwickler Apps verbreiten, die für Touchscreens optimiert sind. Auch Spiele werden angeboten. Diese Anwendungen laufen auf allen Geräten, ob mit Windows 8 oder dem abgespeckten Windows RT für Geräte mit stromsparenden ARM-Prozessoren.

Cloud-Dienste

Schon beim Start wird es deutlich: Microsoft integriert seine Cloud-Angebote nahtlos in das neue Betriebssystem. Nutzer können sich künftig mit ihren Daten vom Online-Dienst Windows Live am Rechner einloggen. Damit haben sie direkten Zugriff beispielsweise auf den Online-Speicher Skydrive, außerdem lassen sich die persönlichen Einstellungen und der Browser-Verlauf zwischen verschiedenen Rechnern synchronisieren.

Vorinstallierter Virenscanner

Microsoft hat große Teile seines Software-Pakets Security Essentials in Windows 8 integriert. Der Wächter soll vor Viren und Trojanern schützen.

Neue Prozessoren

Mit Windows 8 unterstützt Microsoft erstmals nicht nur die traditionellen x86-Chips von Intel und AMD, die in PCs laufen: Die Software-Variante Windows RT läuft auch mit stromsparenden Prozessoren mit ARM-Architektur. Diese kommen in Tablet-Computern zum Einsatz, etwa dem iPad, künftig aber auch im Surface RT, den Microsoft selbst auf den Markt bringt. So kann das Unternehmen in einem wichtigen Segment Fuß fassen. Allerdings können Nutzer auf RT-Rechnern nicht mehr ihre klassische Windows-Software installieren, nur Apps aus dem Windows Store.

Zudem wird die Verantwortlichkeit in dem Bereich aufgeteilt: Die für Finanzen und Marketing zuständige Tami Reller kümmert sich künftig auch um die geschäftliche Seite von Windows, während Software und Hardware in der Hand von Larson-Green liegen.

Windows 8 soll für Microsoft zu einem großen Neuanfang werden. Die Software läuft in ähnlicher Form auf klassischen PCs, Tablets und Smartphones. Damit will Microsoft gegen die Schwäche im mobilen Bereich ankämpfen. Dort dominieren Apple mit seinen iPhones und iPad-Tablets sowie Hersteller von Geräten mit dem Google-Betriebssystem Android. Unter Sinofskys Regie brachte Microsoft mit dem Start von Windows 8 Ende Oktober auch das erste eigene Tablet Surface auf den Markt.

Unterdessen bekommt Microsoft die Schwäche des PC-Marktes direkt zu spüren, weil weniger Windows- und Office-Software verkauft wird. Im dritten Quartal sanken die PC-Verkäufe im Jahresvergleich weltweit um mehr als acht Prozent und in Deutschland sogar um fast ein Fünftel. Verbraucher greifen derzeit lieber zu Smartphones und Tablets, Unternehmen halten sich mit der Erneuerung ihrer Geräte zurück. Microsoft hofft auf neue Impulse durch Windows 8 und dafür entwickelte Kombi-Geräte. Im vergangenen Quartal gab es deutliche Rückgänge bei Umsatz und Gewinn.

Larson-Green stand schon bei der Vorstellung von Windows 8 prominent auf der Bühne. Sie ist seit 1993 bei Microsoft und hatte das Design des Browsers Internet Explorer und der wichtigen Office-Büroprogramme mitgeprägt. Unter anderem gilt sie als Erfinderin des Funktions-Bands („Ribbon“) statt der vorherigen Kästchen-Menüs in neueren Office-Versionen.

Sinofsky, der 23 Jahre bei Microsoft verbrachte und ebenfalls lange an der Office-Software arbeitete, übernahm die Führung des Windows-Bereich im Jahr 2006. Er konnte nach der viel kritisierten Version Windows Vista den erfolgreicheren Nachfolger Windows 7 präsentieren. Windows 8 sollte sein großer Wurf werden. Nach Informationen des „Wall Street Journal“ und des Blogs „The Verge“ wurde jedoch sein schroffer und unkooperativer Management-Stil zum Problem. Erst wenige Wochen zuvor verlor ein anderer hoch angesehener Software-Manager nach ähnlicher Kritik seinen Jobs: Apple trennte sich von Scott Forstall, dem Chefarchitekten seines Betriebssystems iOS für iPhone und iPad.


Kommentare (5)

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flyingfridge

13.11.2012, 08:58 Uhr

Er musste für den laut Forbes schlechtesten CEO der USA arbeiten (http://www.forbes.com/sites/adamhartung/2012/05/12/oops-5-ceos-that-should-have-already-been-fired-cisco-ge-walmart-sears-microsoft/3/).
Da hat er ihm mit Windows 8 halt noch ein faules Ei ins Nest gelegt und ist abgehauen. Kann ich nachvollziehen.

thomin

13.11.2012, 09:16 Uhr

Für jeden der Windows 8 einmal gesehen hat ist der Abgang alles andere als ein Rätsel.

Eurologe

13.11.2012, 09:35 Uhr

Julie Larson-Green ist die Designerin von Ribbons und Kacheln und des Internet Explorers. Kein gutes Omen!

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