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11.03.2004

07:00 Uhr

Chef von T-Systems hat jetzt auch Toll Collect am Hals

Auf dem Feuerstuhl

VonThomas Nonnast (Handelsblatt)

Der Neubeginn fand ohne ihn statt: Als Bundeskanzler Gerhard Schröder zusammen mit Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke und Jürgen Schrempp, dem Herrscher über Daimler-Chrysler, in der Nacht der Hamburg-Wahl die Einigung mit dem Maut-Betreiber Toll Collect verkündet, da ist der Mann, der künftig die Hauptlast der Verantwortung tragen wird, nicht mit dabei. Auch gestern, bei der Vorstellung der Telekom-Bilanz, hat Rickes derzeit wichtigster Mann anderes zu tun.

HB FRANKFURT. Das ist typisch Konrad Reiss, ein Mann, der eher aus dem Hintergrund wirkt, und es damit trotzdem weit nach oben gebracht hat. Um den neuen Job dürfte ihn freilich kaum einer beneiden: Noch diese Woche soll Reiss Peter Mihatsch als Aufsichtsratschef der Skandalfirma Toll Collect ablösen.

Dass Konrad Reiss nun auf dem derzeit wohl heißesten Stuhl der deutschen Wirtschaft Platz nimmt, hat zunächst einen schlichten Grund: Die Telekom-Sparte T-Systems hat ohnehin schon den Löwenanteil der Integrationsarbeit geleistet und jetzt dafür auch formal die volle Verantwortung erhalten. Und so landet das Projekt folgerichtig in Reiss’ Verantwortung.

Andererseits reizt dieses Spiel mit hohem Einsatz den 46 Jahre alten Manager. Denn gelingt ihm das Kunststück, die Maut doch noch zum guten Ende zu führen, dürfte Reiss nicht nur bei seinem Chef Ricke hoch im Kurs stehen; auch bei Daimler wird der gebürtige Schwabe dann einen Stein im Brett haben. Das Worst-Case-Szenario ist ebenso eindeutig. Sollte es Toll Collect auch unter Reiss nicht schaffen, bis 2005 ans Laufen zu kommen, gehen selbst Vertraute davon aus, „dass sein Kopf rollen wird“.

Doch der Schwabe, dessen Leidenschaft fürs Segeln inzwischen auch im Internetauftritt seines Hauses eine Entsprechung findet, ist kein Hasardeur, der den Aufstieg, den er in den vergangenen Monaten erlebt hat, leichtfertig aufs Spiel setzen würde. Erstens kennt er das Projekt gut. Zweitens kennt er die Entscheider. Drittens handelt er mit Bedacht. Es ist ihm also zuzutrauen, die „Weichen richtig zu stellen und dann schnell zu handeln“, wie Reiss sein Rezept für den Umbau von T-Systems selbst charakterisiert hat.

Dort ist es dem als selbstbewusst geltenden Strategen gelungen, den IT-Dienstleister, ursprünglich Verkaufskandidat im Konzerngefüge, innerhalb weniger Monate auf Kurs zu bringen. Im dritten Quartal 2003 stuften die Analysten von Goldman Sachs T-Systems gar als „herausragendes Segment“ im Konzern ein.

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