Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.11.2014

13:46 Uhr

Chefs und Karriere

Die Rache der Bewerber

VonCarina Kontio

ExklusivChefs, die während des Vorstellungsgespräch auf ihrem Handy tippen, telefonieren oder ein Eis essen – etliche Firmen leisten sich Haarsträubendes im Umgang mit Bewerbern. Dabei schaden sie sich selbst.

Viele Chefs benehmen sich Bewerbern gegenüber im Vorstellungsgespräch desinteressiert und unhöflich. Das bleibt  nicht ohne Folgen. Getty Images

Viele Chefs benehmen sich Bewerbern gegenüber im Vorstellungsgespräch desinteressiert und unhöflich. Das bleibt nicht ohne Folgen.

DüsseldorfSie sind Geschäftsführer oder Personaler? Dann sollten Sie niemals in einem Vorstellungsgespräch mit einem Bewerber gemütlich ein Eis essen, dabei gelangweilt auf dem Smartphone tippen und nebenbei noch unpassende Kommentare abgeben. Das kann sich nämlich böse rächen – erst recht, wenn Sie sich bei dem Kandidaten nach dem Gespräch nie wieder melden. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Berliner Software-Anbieters Softgarden unter 1.500 Bewerbern.

Was ein Bewerber im Bewerbungsverfahren erlebt, prägt demnach nicht nur seine Sicht auf den Arbeitgeber, sondern auch auf das Unternehmen insgesamt. Wer im Umgang mit Kandidaten pampig und desinteressiert ist, vergrault nicht nur den Bewerber, sondern schneidet sich damit auch ins eigene Fleisch. Denn es sind auch die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens betroffen, wenn der Umgang mit den Kandidaten mangelhaft ist. Die Bewerber differenzieren nämlich in ihrem Kopf nicht zwischen Unternehmens- und Arbeitgebermarke.

So entlarven Sie schummelnde Bewerber

Hintergrund

Immer wieder schummeln Bewerber kleine Lügen in ihre Bewerbungen. Für Personaler ist das ärgerlich. Wer Fehlerbesetzungen vermeiden will, sollte auf die kleinsten Unstimmigkeiten achten. Fünf Tipps.

Datumsangaben

Wenn ein Bewerber in seinem Lebenslauf teilweise Monats- und Jahresdaten, bei anderen hingegen nur ungenaue Angaben macht, ist Vorsicht geboten. Das kann ein Hinweis auf kaschierte Lücken in der Vita sein. Solche Glättungen lassen sich meist durch den akribischen Abgleich von tabellarischem Lebenslauf und Zeugnisdaten aufdecken.

Vollständigkeit

Sind Unterlagen unvollständig, fehlt zum Beispiel der tabellarische Lebenslauf oder ein wichtiges Zeugnis, sollten Personal dies unbedingt nachfordern. Auch so kann ein Bewerber versuchen, sich um Belege für seine bisherigen Tätigkeiten zu drücken.

Dokumentenverifizierung

Hinweise auf Schummeln können sich auch in Dokumenten finden – zum Beispiel, wenn Papier, Schriftart und -größte nicht einheitlich sind oder das anfänglich auftauchende Wasserzeichen auf einigen Zeugnisseiten plötzlich fehlt. Dann liegt möglicherweise eine Manipulation vor.

Titel

Am einfachsten funktioniert eine Überprüfung im Internet. Personen-Suchmaschinen wie Yasni – nicht unbedingt allgemeine Suchmaschinen wie Google – offenbaren, wenn sich ein Bewerber mit dem Titel eines Namensvetters schmückt. In der Online-Datenbank der Kultusministerkonferenz dagegen lässt sich recherchieren, welche Hochschulabschlüsse ausländischer Bildungsstätten in Deutschland anerkannt sind und hierzulande geführt werden dürfen. Stammen Doktor- oder Professorentitel von Institutionen, die nicht gelistet sind, ist Vorsicht angebracht.

Referenzen

Auffällig ist, wenn es in unterschiedlichen Referenzschreiben, die einer Bewerbung beiliegen, sehr ähnliche Formulierungen gibt. Wird der Bewerber um Kontaktdaten für eine mündliche Überprüfung der Referenzen gebeten, zieht ein Kandidat, der bei Verantwortung und Funktion an vorherigen Stellen zu dick aufgetragen hat, vermutlich seine Bewerbung zurück.

So stimmen 88 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass ihre Erlebnisse bei der Jobsuche ihre Sicht auf Arbeitgeber beeinflussen und für 74 Prozent gilt das auch für das Unternehmen insgesamt und seine Produkte. Schlechte Bewerbungsprozesse beeinflussen aber auch ganz konkret das Verhalten von Bewerbern in ihrer Rolle als Konsumenten: Immerhin 11 Prozent der Teilnehmer kaufen nach negativen Erfahrungen mit der Bewerbung erst einmal keine Produkte des Unternehmens mehr.
Doch damit nicht genug. Machen Bewerber negative Erfahrungen bei der Bewerbung, wird nicht nur die Arbeitgebermarke beschädigt und der Zugang zu möglichen Talenten erschwert (43 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass in diesem Fall „das Unternehmen als Arbeitgeber erst einmal für ein paar Jahre gestorben ist“). Ein Bewerber, der sich schlecht behandelt fühlt, wird darüber hinaus auch sehr schnell zu einem negativen Multiplikator. So raten 49 Prozent der Teilnehmer Bekannten und Freunden von einer Bewerbung ab. Wer will schon dafür verantwortlich sein, dass sich der beste Freund nicht wohl in seinem neuen Job fühlt.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

26.11.2014, 16:34 Uhr

In der Tat schlichtweg unhöflich und selbstdisqualifizierend, wenn es Personaler an Aufmerksamkeit fehlen lassen.

Da wäre es besser, sich anderswo zu bewerben.

Herr Rolf Wallsteiner

26.11.2014, 17:21 Uhr

Manche Personaler lassen bei Ihrem Benehmen sehr zu wünschen übrig ! Stimmt leider ! Ferner fehlt es oft an der Qualifikation des Gespächspartners im Umgang mit Bewerbern. Eine gängige Unart ist der Umgang mit Bewerbungsunterlagen, die ja kaum noch retourniert werden und wenn überhaupt in einem sehr "aussagefähigen" Zustand. Dabei herrscht ja angeblich ein Fachkräfte- mangel, auch bei uns Ingenieuren. Die Zeiten werden sich auch wieder ändern, manche Branche kann Stellen nicht besetzen oder bieten schon "tolle" Vergünstigungen an. Bei vielen Unternehmen fehlt es einfach an interner Kultur und Anstand, auch ein trauriges Zeichen unserer Gesellschaft.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×