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04.04.2011

22:28 Uhr

Chefwechsel bei Google

Larry Page übernimmt wieder Führungsposten

Von heute an muss sich Google-Mitgründer Larry Page als Konzernchef beweisen. Er will den Konzernriesen wieder so beweglich wie ein Start-Up machen. Die Konkurrenz zwingt ihn dazu.

Machtwechsel an der Konzernspitze: Heute übernimmt Google-Mitgründer Larry Page die Konzernleitung von Eric Schmidt. Quelle: Reuters

Machtwechsel an der Konzernspitze: Heute übernimmt Google-Mitgründer Larry Page die Konzernleitung von Eric Schmidt.

San Francisco/New YorkZurück in die Zukunft: Bei Google beginnt übernimmt Mitgründer Larry Page wieder als Chef. Vor zehn Jahren war Page schon einmal Google-Chef. Doch er und sein Mitgründer Sergey Brin - der sich künftig vor allem um neue  Produkte kümmern soll - waren damals in den Augen ihrer Investoren nur zwei Endzwanziger mit einer Zauberformel, die das Internet ordnete, und mussten sich einen „richtigen“ Firmenchef suchen.

Als Google-Übervater Eric Schmidt seinen Rückzug als Vorstandschef bekannt gab, erklärte er, eine „tägliche Aufsicht durch einen Erwachsenen“ sei nicht mehr nötig und Page so weit, sein Amt zu übernehmen. Er wird das von heute an beweisen müssen.

Page hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Der Internet-Riese mit seinen rund 25 000 Mitarbeitern soll wieder wendiger werden und mehr wie das kleine Start-Up-Unternehmen agieren, das Google einst war. Wenn der 38-Jährige Page die Verantwortung für sein Lebenswerk übernimmt, muss er sich einer Menge Probleme stellen.

Google verteilt seine Kräfte auf unüberschaubar viele Bereiche, neue Rivalen wie Facebook bohren sich in das Geschäft mit Online-Werbung. Wettbewerbshütern ist die Marktmacht der dominierenden Internet-Suchmaschine ein Dorn im Auge, Politiker geißeln den Konzern gern als „Datenkrake“. Googles Ruf leidet, das Geschäftsgebaren wird als rücksichtslos charakterisiert. Wettbewerbsbehörden ermitteln nach Klagen von Konkurrenten, gegen Android laufen Klagen wegen Patentverletzungen, ein New Yorker Richter stoppte Googles Buchprojekt.

Vor diesen Problemen wird sich Page weder wegducken, noch sie mit Daten lösen können. Doch Page, der nette, introvertierte Milliardär von nebenan, hat einen Vorteil: Er steht für das gute Google. Das Motto „Tue nichts Böses“ bringt niemand so überzeugend rüber wie er.

Beobachter im Silicon Valley gehen davon aus, dass der 38-jährige, in Michigan geborene Page nun klare Produktstrategien stärker verankern wird. Denn das Prinzip aus Studentenzeiten, nach dem Innovationen bei Google von unten kommen, verliert in einem Konzern mit über 24.000 Mitarbeitern an Effektivität.

Wie das gehen soll, hat Google schon gezeigt: 2005 kauften Page und Mitgründer Sergey Brin das Start-up Android. Ende 2010 war das Ziel erreicht: Android war im vierten Quartal erstmals Marktführer bei Smartphone-Betriebssystemen in den USA, hatte die Konkurrenten Blackberry und Apple deklassiert.

Der strategische Mobil-Coup mit dem Charakter einer Blaupause trägt die Handschrift eines Mannes mit klaren Zielvorstellungen und der Präzision eines technikverliebten „Nerds“. Page gilt als das technologische Gehirn hinter Google, als jemand, der alle Probleme mit Daten löst. Diese Liebe zur Technik liegt in der Familie: Die Mutter ist Programmiererin, der Vater IT-Professor, der ältere Bruder gründete ein Web-Unternehmen.

Larry Page war der Unsichtbare im Führungstrio neben Eric Schmidt und Sergey Brin. Während sein Vorgänger Schmidt mit Medien und Anlegern kommunizierte und Brin bei Produkteinführungen auftauchte, mied Page öffentliche Auftritte. Trat er doch einmal auf, formulierte er freundlich und trocken. In der Riege der schillernden High-Tech-Entertainer ist er der Biedermann.

Erste Akzente setzte Page bereits in den vergangenen Wochen. So habe er Führungskräfte überzeugt, jeden Nachmittag gemeinsam in einem öffentlichen Bereich auf dem kalifornischen Firmengelände von Google zu arbeiten, damit Beschäftigte sie direkt ansprechen können, berichtete das Wall Street Journal. Produkt- und Software-Manager forderte er demnach per E-Mail auf, ihm in maximal 60 Wörtern zu erklären, woran sie gerade arbeiten. Insider gingen davon aus, dass Page mehr Struktur in die vielen Projekte bringen wolle, die in Google herumwuchern, manche schließen, manche zurückstufen.  

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