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30.03.2012

11:38 Uhr

Chefwechsel

Zeitenwende bei Bosch

VonCarsten Herz

Bosch rüstet sich mit einem Chefwechsel für den wohl epochalsten Umbruch seiner Geschichte. Vorstandschef Franz Fehrenbach wechselt in den Aufsichtsrat. Eine große Überraschung gibt es bei der Wahl seines Nachfolgers.

Bosch-Chef Franz Fehrenbach wechselt wie geplant in den Aufsichtsrat ap

Bosch-Chef Franz Fehrenbach wechselt wie geplant in den Aufsichtsrat

Es ist ein einziger, kurzer Satz. Doch er wiegt tonnenschwer für den weltgrößten Autozulieferer Bosch auf der Stuttgarter Schillerhöhe. „Zum neuen Vorsitzenden der Bosch-Geschäftsführung wurde mit Wirkung vom 01. Juli 2012 Dr. rer. nat. Volkmar Denner (55) ernannt“, heißt es lapidar im dritten Absatz einer Pressemitteilung, die der Konzern am Freitagvormittag verschickt. Der stille Gigant aus dem Schwabenland hat damit nicht nur die wichtige Toppersonalie geklärt, wer Vorstandschef Franz Fehrenbach auf dem Chefsessel nachfolgen wird. Der Konzern, der bisher vor allem vom Geschäft mit dem Verbrennungsmotor lebt, hat in der Konzernzentrale mit dem weitem Blick auf die baumbestandenen Hügel des Stuttgarter Umlands auch eine wichtige grundlegende Richtungsentscheidung getroffen.

Denn an die Spitze der verschwiegenen und ruhmreichen Firma, die erst im vergangenen Jahr ihr 125-jähriges Jubiläum feierte, rückt nicht wie erwartet der einflussreiche Chef der wichtigen Autosparte, Bernd Bohr. Sondern ein 55-Jähriger Forschungs-Chef, der neben der Vorausentwicklung auch für Technik-Koordination, Multimedia und Autoelektronik zuständig ist. Der Schwabe aus Uhingen wird zum 1. Juli Fehrenbach ablösen, der in den Aufsichtsrat wechselt. Denner ist seit 1986 beim weltweit größten Automobilzulieferer tätig und hat jahrelang für Bosch elektronische Motorsteuerungen entwickelt und die wichtige Halbleitersparte mit aufgebaut.

Allianzen der Autobauer

Daimler/ Chrysler

In der Vergangenheit hatte vor allem die Achterbahnfahrt von Daimler und Chrysler lange für Schlagzeilen gesorgt. 1998 gaben die Daimler-Benz AG und Chrysler Corporation die Fusion zur DaimlerChrysler AG bekannt. Der damalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp übernahm Chrysler für knapp 40 Milliarden Dollar. Doch das US-Unternehmen entpuppte sich als milliardenschwerer Sanierungsfall. 2007 wurde das Ende der Allianz besiegelt. Chrysler wird nun vom italienischen Autobauer Fiat kontrolliert.

BMW/ Rover

Auch BMW musste für die Übernahme der britischen Rover Lehrgeld zahlen. Der damalige Vorstandschef Bernd Pischetsrieder fädelte 1994 die Fusion ein. BMW zahlte zwei Milliarden DM und steckte erhebliche Summen in die Entwicklung neuer Modelle. Als diese sich nicht verkaufen ließen, stieg BMW 2000 wieder aus.

Renault/ Nissan

Segensreich für beide Partner war dagegen die Liaison des Renault-Konzerns mit dem japanischen Autobauer Nissan. 1999 wurde die französische Nummer zwei größter Anteilseigner bei Nissan und machte aus dem angeschlagenen Hersteller ein ertragreiches Unternehmen.

Renault-Nissan/ Daimler

Renault-Nissan verbündete sich 2010 zudem mit Daimler. Renault und Nissan halten 3,1 Prozent an Daimler und die Schwaben wiederum halten 3,1 Prozent an Renault und 3,1 Prozent an Nissan. Die zwei Seiten versorgen sich gegenseitig mit Antrieben und Antriebsteilen.

Volkswagen/ Porsche

Volkswagen konnte erst nach einem erbitterten Übernahme- Machtkampf mit Porsche das Rennen für sich entscheiden. Zwar ist eine geplante Fusion wegen milliardenschwerer Schadensersatzklagen geplatzt. VW will aber nun die Porsche AG - in der das Autogeschäft gebündelt ist - schrittweise übernehmen. Derzeit hält VW 49,9 Prozent Volkswagen baut sein Imperium mit Milliardeninvestitionen massiv aus.

Volkswagen/ Suzuki

Im Dezember 2009 beteiligte sich der VW-Konzern für 1,7 Milliarden Euro mit knapp 20 Prozent an Japans viertgrößtem Autobauer Suzuki. Mittlerweiler gibt es allerdings reichlich Ärger. Suzuki Motor will seine Kooperation mit Volkswagen nach Vorwürfen des gegenseitigen Vertragsbruchs beenden und den eigenen Anteil von rund 20 Prozent von VW zurückkaufen. Doch die Deutschen stellen sich quer. Im November haben die Japaner deswegen ein Schiedsgericht angerufen.

Für den Traditionskonzern Bosch ist der Machtwechsel eine tiefgreifende Zäsur – und ein Bruch mit den bisherigen Usancen. Denn zuvor galten die machtvollen Chefs der Autosparte als natürliche Nachfolger auf den Spitzenplatz beim weltgrößten Autokonzern. Die letzten zwei Bosch-Chefs, Fehrenbach und sein Vorgänger Hermann Scholl, waren noch aus dem traditionell wichtigsten Geschäftszweig Automobil auf den Chefsessel von Bosch gerückt.

Denner steht dagegen für das neue Bosch. Management von Daten, Geschäftsmodelle im Internet, die sich daraus entwickeln, und Sicherheit vor Hackern sind die Themen, die er im Konzern beherrscht wie keiner sonst. Mit der Berufung des ruhigen, promovierten Physikers rüstet sich Bosch nun für den vielleicht epochalsten Umbruch seiner Geschichte: den vom führenden Automobilzulieferer hin zu einem grünen, zu einem vernetzten Konzern.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

30.03.2012, 13:52 Uhr

Bosch und das Internet der Dinge!? Hat da jemand zuviel Benzin eingeatmet? Mit der gleichen Überlegung hätte man auch MAN-Roland zum zukünftigen Marktführer im Bereich digitalen Publizierens beschreiben können. Fast alle (mir bekannten) Versuche von Bosch neue Märkte zu erschliessen sind ja wohl grandios Gescheitert -- man denke nur an die Medizintechnik -- und jetzt wollen sie auch noch mit IBM, Apple, Google und Microsoft gleichzeitig aufnehmen.
Naja zumindest haben wir jetzt dank FDP ein gefühl dafür bekommen wie man in Deutschland insolvent geht ...

LukasF

30.03.2012, 14:54 Uhr

Bosch startete mit einem Magnetzünder.

Elektrowerkzeuge (Weltmarktführer)
Haushaltsgeräte (Europamarktführer)
Communication Center
MEMS - Sensoren (stecken übrigens in jedem iPhone)
Security Systems
Verpackungstechnik (Weltmarktführer)
Software Solutions
Werkstattkette (Weltgrößte Franchise-Werktstattkette)
eBikes

waren/sind alle neue Märkte, und alle waren/sind erfolgreich. Und der Healthcare Bereich ist übrigens durchaus erfolgreich. Bosch wurde nicht einfach so zu einem der vorbildlichsten Unternehmen der Welt. Und bei einem Umsatz von 50 Milliarden in der Realwirtschaft kann man ja wohl kaum behaupten, dass Bosch falsch investiert hätte ;)

Geist_ist_Geil

31.03.2012, 03:09 Uhr

Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal ... halten!

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