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18.03.2016

15:41 Uhr

Chinesen stechen Marriott aus

Stäbchen im Sheraton

Anbang ist der Gewinner im Bieterrennen um Starwood. Der Betreiber der Sheraton Hotels wird damit chinesisch. Die Pekinger Finanzgruppe setzt mit dem Deal ihren rasanten Aufstieg fort. Wer hinter Anbang steckt.

Anbang erhält für 13 Milliarden Dollar den Zuschlag. AP

Sheraton-Hotel in Fort Lauderdale

Anbang erhält für 13 Milliarden Dollar den Zuschlag.

New York/PekingIm Bieterrennen um den Betreiber der Sheraton Hotels hat eine Investorengruppe den US-Konkurrenten Marriott ausgestochen. Die Hotelgesellschaft Starwood teilte am Freitag mit, sie nehme die verbesserte Offerte der Interessentengruppe um den chinesischen Versicherer Anbang an.

Sie hatten ihr Bar-Angebot zuletzt um zwei auf 78 Dollar pro ausstehender Aktie aufgestockt. Die Offerte ist damit 13,16 Milliarden Dollar schwer. Marriott hatte nur 12,2 Milliarden Dollar geboten. Eigentlich hatten Marriott und Starwood bereits im November eine Fusion vereinbart, die Mitte 2016 vollzogen werden sollte. Marriott bekräftigte am Freitag die Auffassung, dass der geplante Zusammenschluss im besten Interesse der Unternehmen und der Aktionäre sei. Man werde nun sorgfältig Alternativen abwägen. Starwood müsste Marriott 400 Millionen Dollar zahlen, wenn die Fusion scheitert.

Zu der von Anbang geführten Investorengruppe gehören die privaten Beteiligungsfonds JC Flowers und Primavera. Die Starwood-Aktie legte nach Bekanntwerden des Zuschlags für Anbang um mehr als fünf Prozent zu.

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Die Anbang-Gruppe fällt in der chinesischen Wirtschaft auf. Der Finanzdienstleister ist noch relativ jung, in privaten Händen und macht aus seinem Ehrgeiz keinen Hehl. Auf der Einkaufsliste der Anbang Insurance Group standen in den vergangenen Jahren Versicherer in Belgien, den Niederlanden, den USA und Nordkorea sowie Hotels – das altehrwürdige Waldorf Astoria in New York und die US-Kette Strategic Hotels & Resorts. Das Ziel ist also ganz klar globales Wachstum.

Man wolle zu den zehn erfolgreichsten Finanzgruppen der Welt gehören, verkündet Anbang auf seiner Website. Damit schlägt die Gruppe einen für China ungewöhnlichen Weg ein, konzentrierten sich die größeren und älteren Unternehmen dort doch bisher stets auf den Heimatmarkt. Inzwischen haben die Regulierungsbehörden ihre Vorgaben gelockert und damit den chinesischen Finanzdienstleistern die Chance gegeben, produktiver und wettbewerbsfähiger zu werden – auch international.

Der Aufstieg von Anbang wird dem Vorstandsvorsitzenden Wu Xiaohui zugeschrieben, der Medienberichten zufolge seine Karriere mit einer Autovermietung startete, bevor er 2004 Anbang gründete. Er zeigt sich nur selten in der Öffentlichkeit und spricht nicht gern mit Journalisten.

Alles begann mit einer einzigen Niederlassung in Peking. Der größte Anteilseigner von Anbang war mit 20 Prozent der staatliche Automobilhersteller Shanghai Automotive Industries (SAIC). Im folgenden Jahr übernahm der staatliche Ölkonzern Sinopec ebenfalls einen Anteil von 20 Prozent.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Seitdem hat das Unternehmen gewaltig expandiert und betreut heute mit rund 30000 Mitarbeitern etwa 35 Millionen Kunden. Anbang ist aktiv im Geschäft mit Lebensversicherungen, Bankdienstleistungen, Vermögensverwaltung und Vermittlungsdienstleistungen. Das dürfte die in China regierende Kommunistische Partei mit Freuden sehen, hat sie doch die chinesischen Unternehmen ermutigt, im Ausland aktiver zu werden und die Abhängigkeit vom Heimatmarkt zu reduzieren.

Die chinesische Wirtschaftspresse vergleicht Wu schon mit Warren Buffett. Hintergrund ist die Strategie des legendären amerikanischen Milliardärs, die Geldflüsse aus dem Versicherungsgeschäft für den Einstieg in andere Branchen zu nutzen. Womöglich ist es aber nicht nur eine clevere Strategie, die Wu so weit gebracht hat.

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