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29.08.2014

20:06 Uhr

Christiane Stenger im Interview

„Unser Gehirn ist neugierig, aber auch faul“

VonLisa Hegemann

Gerade auf der Arbeit lassen wir uns gerne ablenken. Buchautorin Christiane Stenger erklärt im Interview mit Handelsblatt Online, warum – und wie wir unser Gehirn beim Prokrastinieren austricksen können.

Wir vermeiden harte Arbeit gerne – auch, weil unser Gehirn lieber faul ist.

Wir vermeiden harte Arbeit gerne – auch, weil unser Gehirn lieber faul ist.

DüsseldorfE-Mails checken, Nachrichten lesen, ins soziale Netzwerk klicken: Gerade auf der Arbeit lassen wir uns nur allzu gerne ablenken. Christiane Stenger, ihrerzeit jüngste Abiturientin des Landes und jetzt Fernsehmoderatorin bei ZDF Neo, kennt das selbst. In ihrem Buch „Lassen Sie Ihr Gehirn nicht unbeaufsichtigt“ hat sie die Ursachen und Probleme analysiert – und Techniken entwickelt, die einem selbst wieder mehr Zeit und Konzentration bringen sollen. Handelsblatt Online hat mit der Autorin über besseres Zeitmanagement, positiven Stress und Multitasking gesprochen.

Frau Stenger, Sie schreiben in Ihrem Buch, der Informationsüberfluss im Internet werfe uns gedanklich zurück. Müssen wir nun alle offline gehen?
Nein, auf gar keinen Fall. Es ist nur wichtig, sich bewusst zu machen, welches Ablenkungspotential das Internet hat.

Wie zum Beispiel?
Beim Schreiben des Buches habe ich mich oft dabei erwischt, dass ich schnell etwas im Internet recherchieren wollte und eine Stunde später den 17. spannenden Artikel gelesen hatte. Das ist zwar interessant, hält aber definitiv von der Arbeit ab.

Aber das Internet braucht man doch auch für die Arbeit.
Klar. Wenn ich mich vom reizvollen Angebot des Internets weder ablenken lasse noch mich gestresst fühle, dann ist es natürlich super. Aber wenn ich merke, dass ich mich nicht mehr so gut konzentrieren kann, dann ist es sinnvoll, mein Verhalten zu überdenken und zu ändern.

Christiane Stenger ist Autorin des Buches „Lassen Sie Ihr Gehirn nicht unbeaufsichtigt“. Johannes Löffler

Christiane Stenger ist Autorin des Buches „Lassen Sie Ihr Gehirn nicht unbeaufsichtigt“.

Was schlagen Sie vor?
Man sollte darauf achten, ob man in den Pausen wirklich Nachrichtenseiten oder soziale Netzwerke besuchen will oder sich nicht doch lieber mal in Ruhe einen Tee macht. Unser Gehirn kann nicht permanent zur Hochform auflaufen. Es braucht zwischendurch Pausen, um alle Eindrücke und Informationen zu verarbeiten. Wenn ich das Gehirn den ganzen Tag nur zuballere, dann fehlen diese Ruhezeiten.

Sollte der Arbeitgeber Facebook und Twitter dann nicht ganz abschalten, um seine Mitarbeiter nicht in Versuchung zu bringen?
Das könnte eine Möglichkeit sein. Besser ist es aber, wenn ich, also der Mitarbeiter, mir selber mal ein paar Tage Auszeit von den sozialen Netzwerken verordne. Es geht hier vor allem darum, dass ich mich selbst in dieser Zeit beobachte und vielleicht bemerke, dass ich viel disziplinierter und konzentrierter bin, wenn ich nicht alle zehn Minuten auf Facebook klicke.

Tipps gegen die Informationsflut

Nachrichtenseiten reduzieren

Entwickeln Sie feste Routinen, um in der Nachrichtenflut nicht unterzugehen, indem Sie sich zum Beispiel auf ausgewählte Nachrichtenseiten beschränken und diese auch nur zu bestimmten Zeiten am Tag checken.

Strukturen schaffen

Schaffen Sie effektive Arbeitsstrukturen: Beginnen Sie Ihren Tag mit dem Setzen von Prioritäten, je nach Typ auch kurz vor Feierabend für den folgenden Arbeitstag oder kurz vor Arbeitsbeginn am Morgen, und schaffen Sie sich Zeiten, in denen Sie offline sind – zumindest ab und zu.

Aufgaben bündeln

Bünden Sie Ihre Aufgaben wie zum Beispiel die Beantwortung von E-Mails, und machen Sie das nur zwei- oder dreimal am Tag.

Ordner anlegen

Legen Sie Ordner für Ihre Mails an, wenn Sie es nicht schon tun, um schnell einen Überblick zu gewinnen.

Newsletter abbestellen

Bestellen Sie irrelevante Newsletter ab.

Pausen einplanen

Machen Sie nach etwa 90 Minuten eine kurze Pause.

Bücher lesen

Lesen Sie mehr Bücher. Das ist sehr, sehr gut für Ihr Gehirn.

Quelle

Christiane Stenger, „Lassen Sie Ihr Hirn nicht unbeaufsichtigt! – Gebrauchsanweisung für Ihren Kopf“, 252 Seiten, EAN 9783593500126, ISBN 978-3-593-50012-6

Warum dann nicht ganz ausschalten?
Ganz abblocken würde ich die sozialen Netzwerke nicht. Manchmal kommt man nicht weiter oder steckt in einer kleinen Denkblockade. Da kann zielloses im-Internet-rumklicken – ein Abschweifen vom Thema – sogar zu ganz neuen Gedanken und Ideen führen.

Aber ich sage ja nicht: Ich mache jetzt eine Pause und klicke 15 Minuten im Internet rum.
Nein, meistens zumindest. Oft wird es mir gar nicht bewusst. Aber wie gesagt, manchmal kann eine solche Ablenkung auch sinnvoll sein. Doch eine optimale Pause sieht anders aus.

Kommentare (1)

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Herr Tenzin Konchuk

29.08.2014, 20:35 Uhr

Ich wünsche der Dame dann bei der Auflösung des Dualismusses
dass sie dabei auch immer ihr Gehirn beobachtet dann wird dass sicherlich zu einem Kontrollfreak Erlebniss erster Klasse. Immer wieder faszinierend zu Erkennen wie sehr die Begrifflichkeit Shunyata von Menschen aufgegriffen wird die immer mehr von immer weniger verstehen. Da hat die Frau ein Buch geschrieben ist jung und sieht hübsch aus und schon wird versucht ein Hype aus ihr zu machen.
Na ja wenn es schön macht.

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