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21.01.2011

11:00 Uhr

Christine Hohmann-Dennhardt

Daimler holt Verfassungsrichterin

VonCarsten Herz , Martin Buchenau

Dass der neue Daimler-Vorstandsposten von einer Frau übernommen werden würde, hatte sich bereits abgezeichnet. Dass es sich dabei um eine bald 60-jährige Verfassungsrichterin handelt, ist überraschend und eine für den Konzern ungewöhnliche Linie.

Bundesverfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt. Quelle: dpa

Bundesverfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt.

Ein großes Geheimnis hat Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche nicht darum gemacht, dass er sich eine Frau für den neuen Vorstandsposten des Autoherstellers wünscht. "Reine Gentlemanclubs sind in ehrgeizigen Unternehmen ein Auslaufmodell", dozierte er im November auf einem Kongress in Berlin. Jetzt hat der Vorstandschef seinen Worten auch Taten folgen lassen. Die Daimler-Spitze hat sich nach Informationen aus dem Konzernumfeld für die 59-jährige Verfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt als neues Vorstandsmitglied für Recht und Integrität entschieden. Die Juristin soll noch im ersten Quartal berufen werden, bestätigte eine Person, die mit der Situation vertraut ist, einen Bericht des "Manager Magazins".

Eine Top-Personalie mit Sprengkraft. Denn Hohmann-Dennhardts Amtszeit in Karlsruhe läuft erst Ende dieses Monats ab. Außerdem wird die Juristin, die für die SPD schon in Hessen im Kabinett saß, dieses Jahr 60 Jahre alt - normalerweise gehen Daimler-Vorstände in diesem Alter in den Ruhestand.

Niemand bei Daimler wollte sich daher zu der Personalie näher äußern. "Personalspekulationen, die wir nicht kommentieren", fertigte eine Daimler-Sprecherin gestern Anfragen ab. Tatsächlich gibt es für den Daimler-Aufsichtsrat noch keine Beschlussvorlage, ist die Besetzung des Vorstandspostens bisher nur im engsten Kreis besprochen. Doch noch im ersten Quartal sollen die Kontrolleure Fakten schaffen. Der Männerclub des Autoherstellers hat damit künftig eine Miss Daimler in seiner Mitte.

Für Zetsche fast ein Déjà-vu. Schon vor zwei Jahren wollte er den Posten des Personalchefs mit einer Frau besetzen. Margret Suckale, als Frau im Vorstand der Bahn bekannt geworden, setzte sich im Aufsichtsrat jedoch nicht durch. Doch diesmal ist die Zeit reif für eine Vorstandsfrau. In der Bundespolitik wird bereits über eine Frauenquote diskutiert. Bisher haben nur wenige deutsche Großkonzerne eine Frau im Vorstand. Siemens gehört mit Barbara Krux zu den Ausnahmen.

Daimler hat für die Stuttgarter indes schon lange die Parole 20/20 ausgegeben: Bis zum Jahr 2020 sollen 20 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt werden. Die Führung der Kleinwagenmarke Smart und die Leitung der weltweiten Konzernsicherheit gab Zetsche schon in weibliche Hände.

Die 59-Jährige Juristin Hohmann-Dennhardt soll sich nun im Konzern speziell um Compliance und Integrität kümmern. Der Posten wird auch auf Druck der US-Börsenaufsicht SEC eingerichtet, die Daimler wegen einer Schmiergeldaffäre erst vergangenes Jahr eine hohe Strafe aufgebrummt hatte.

Arbeit für die SPD-Politikerin gibt es bereits: Diese Woche durchsuchten Kartellwächter die Lkw-Sparte des Konzerns wegen des Verdachts der Preisabsprache.

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