Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.05.2016

15:38 Uhr

Claim Management

Die Schiris vom Bau

VonMartin Tofern

Wenn auf dem Bau etwas schiefgeht, stellen Vertragspartner häufig finanzielle Forderungen. Ob diese berechtigt sind oder nicht, das prüft in der Regel ein Claim Manager, eine Art Schiedsrichter für Nachforderungen.

Wenn es zu Abweichungen bei den vereinbarten Terminen, den Kosten oder zu erbringenden Leistungen auf einer Baustelle kommt, schlichtet ein sogenannter Claim Manager zwischen den jeweiligen Parteien.

Zoff auf der Baustelle

Wenn es zu Abweichungen bei den vereinbarten Terminen, den Kosten oder zu erbringenden Leistungen auf einer Baustelle kommt, schlichtet ein sogenannter Claim Manager zwischen den jeweiligen Parteien.

DüsseldorfJürgen H. Hahn liebt Verträge. Die können gar nicht lang genug sein. Je komplizierter ein Bau- oder Projektvorhaben, desto engagierter kniet sich Hahn in die Sache. Dabei hat er das nie studiert: „Ich bin kein Jurist, sondern Ingenieur für Elektrotechnik, habe aber Zusatzausbildungen in internationalem Vertrags- und Baurecht. Ich bin nicht als Berater geboren, sondern war viele Jahre im weltweiten industriellen Projektgeschäft als Projektleiter und Claim Manager tätig“, sagt Hahn, Leiter Beratung der Firma 11:55 PM Consultants.

Und was bedeutet nun dieser Begriff Claim Management? Das lässt sich an einem ganz einfachen Beispiel erläutern. Da will etwa jemand sein Haus außen streichen und anschließend den Garten neu gestalten lassen. Also bestellt er den Maler für Freitag und den Gärtner für Montag. Nun braucht der Maler aber viel länger als geplant, zum Beispiel weil er an einigen Stellen den Putz ausbessern muss, und schafft es bis zum Abend nicht, das ganze Haus anzustreichen. Also lässt er sein Gerüst stehen und verspricht, am Montagmorgen weiterzumachen.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

Am selben Morgen steht aber auch der Gärtner auf der Matte, er soll ja den Garten aufhübschen. Wegen des Gerüsts kann er nicht anfangen und muss warten. Seinen Stundensatz will er natürlich trotzdem haben. Aber wer muss den bezahlen? Der Auftraggeber oder der Maler? Wer hat hier eine berechtigte Forderung, zu englisch „Claim“ (= Claim)?

Im richtigen Leben sind die Fälle und Projekte natürlich um einiges komplexer und komplizierter, sodass es schon solcher Fachleute wie Jürgen Hahn bedarf, um die Forderungen der Projektpartner genau zu prüfen. Meistens geht es, wie in dem Beispiel, um Abweichungen bei den vereinbarten Terminen, den Kosten oder zu erbringenden Leistungen. Viele Streitereien resultieren häufig auch aus der Tatsache, dass die Verträge und Dokumentationen zu ungenau und lückenhaft sind. „Ingenieure schreiben während der Projektabwicklung nicht die richtigen Briefe. Es wird technisch dokumentiert, aber kaum kaufmännisch und juristisch“, sagt Hahn.

Und anschließend kochen die Emotionen bei den Beteiligten hoch: „Ein Claim ist ein kaufmännisches und ein juristisches Thema, aber gleichzeitig ein hochemotionales“, erklärt Hahn weiter. Zwischen den Zeilen kann man herauslesen, dass er da schon so Einiges erlebt hat. „An den Projekten unserer Kunden sind oft mehrere tausend Personen beteiligt. Schlechte Koordination führt zu Störungen des Bauablaufs und damit zu Claims.“

Gegründet wurde die Beratung 11:55 PM Consultants im Jahr 2002. Damals war das Nachtragsmanagement auf dem Bau schon gang und gäbe, nicht aber im industriellen Projektgeschäft beim Großanlagen- oder Sondermaschinenbau wie etwa Kraftwerksdiesel. Hier wurde Claim Management als „kundenvergraulend“ verschmäht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×