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20.01.2010

15:00 Uhr

Claude Béglé

Umgepustet: Ein Windmacher tritt ab

VonTorsten Riecke

Der Manager gab sich als großer Modernisierer der Schweizer Post. Nach vielen Fehlern und Kritik knickt er jetzt entnervt ein. Béglé selbst begründet seinen Rücktritt mit der "öffentlichen Diffamierung" seiner Person. Das Schauspiel bei der Schweizer Post ist ein Lehrstück für alle, die den Staat jetzt in eine Unternehmerrolle hineindrängen wollen.

Claude Béglé: Der Verwaltungsratchef der Schweizer Post räumt seinen Posten. Reuters

Claude Béglé: Der Verwaltungsratchef der Schweizer Post räumt seinen Posten.

ZÜRICH. Der Rücktritt kommt nicht unerwartet: Seit Wochen tobt an der Spitze der Schweizer Post ein erbitterter Machtkampf, der eher an die Ränkespiele in internationalen Großkonzernen als an die Betulichkeit eines eidgenössischen Staatsunternehmens erinnert. Im Mittelpunkt des Dramas steht mit Claude Béglé ein Mann, der schon wie der sichere Sieger aussah, jetzt aber als Verwaltungsratspräsident über seine eigenen Fehler gestolpert ist. "Die Luft für Béglé wird dünner", hatte Ständerat Rolf Büttiker schon vor ein paar Tagen gewarnt. Am Ende ist dem Windmacher die Luft ausgegangen. Béglé begründet seinen Abtritt mit der "öffentlichen Diffamierung" seiner Person.

Auf den ersten Blick handelt es sich um die typische Geschichte eines rastlosen Modernisierers, der es mit allen aufnehmen wollte: den verkrusteten Strukturen in einem Staatsbetrieb, den Bremsern in der Politik und einer feindlich gesinnten Öffentlichkeit, die herausragende Köpfe lieber rollen als reüssieren sieht.

Man könnte die Story jedoch genauso gut als den atemberaubenden Aufstieg eines Blenders erzählen, der es sich durch übertriebenen Ehrgeiz mit allen verdorben hat und jetzt einsam vor den Trümmern seiner bunten Karriere steht. Egal, ob man die Geschichte nun linksherum oder rechtsherum schreibt: Das Schauspiel bei der Schweizer Post ist auch ein Lehrstück für alle, die den Staat jetzt in eine Unternehmerrolle hineindrängen wollen und dabei vergessen, dass es in vielen Staatsbetrieben noch mehr drunter und drüber geht als in der Privatwirtschaft.

Doch der Reihe nach. Eine Woche vor Weihnachten nahm der verbissen geführte Infight bei der Post ein abruptes Ende. Der Verwaltungsrat schasste Vorstandschef Michael Kunz und stärkte seinen internen Gegenspieler, den erst im April 2009 zum Präsidenten des Gremiums aufgerückten Béglé. Nachfolger von Kunz wurde der 62-jährige Postfinance-Chef Jürg Bucher, der jedoch als Übergangskandidat gilt. Der monatelange Streit zwischen dem technokratischen Behördenvertreter Kunz und dem umtriebigen Modernisierer Béglé schien damit entschieden, dessen Expansionsplänen im Ausland stand scheinbar nichts mehr entgegen. Nach seinem Sieg im Dezember forderte Béglé: "Wir müssen durch Fusionen, Übernahmen und Allianzen wachsen."

Denn die Schweizer Post steckt in einer ähnlichen Situation wie die meisten staatlichen Briefträger: Das traditionelle Briefgeschäft im Inland schmilzt unter dem Druck privater Konkurrenten. Anders als die Konkurrenz aus den Niederlanden oder Deutschland machen sich die Eidgenossen jedoch erst jetzt langsam Gedanken darüber, wie die Post der Zukunft aussehen soll. Zwar hat man sich im Parlament darauf geeinigt, dass die Post in eine AG umgewandelt werden soll, von einem Rückzug des Staates will in Bern jedoch niemand etwas wissen.

Béglé suchte das Heil vor allem im Ausland. Er träumte davon, die Post zu einem internationalen Multi zu machen. Bislang erwirtschaften die Eidgenossen jedoch erst 18 Prozent ihres Jahresumsatzes von knapp neun Mrd. Franken jenseits der Berge. Der Beitrag zum Betriebsgewinn beschränkt sich gar auf mickrige vier Prozent.

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