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27.04.2015

17:54 Uhr

Club Med wird 65

Der Neustart des All-Inclusive-Erfinders

VonChristoph Schlautmann

Zwei Kommunisten gründeten vor 65 Jahren den Club Med. Aus dem Feriendorf wurde eine große Resortkette. Im Frühjahr legten Chinesen 900 Millionen Euro auf den Tisch – jetzt soll der Angriff im Reich der Mitte folgen.

Club Med will nach dem Eigentümerwechsel den chinesischen Markt erobern. Reuters

Touristen in Qingdao im Osten Chinas

Club Med will nach dem Eigentümerwechsel den chinesischen Markt erobern.

DüsseldorfAm Anfang stand ein kommunistisches Experiment. Ob arm, ob reich, dick oder dünn – jeden hießen Gérard Blitz und Gilbert Trigano am Strand des mallorquinischen Städtchens Alcúdia willkommen. Gemeinsam baute man auf dem sandigen Boden Zelte auf, nagelte Holzhütten zusammen – mit stets dem einen Ziel: die Standesschranken zu überwinden und so viel Spaß zu haben wie möglich.

2500 Urlauber kamen im ersten Jahr, der Club Méditerranée wurde zum Erfolg. Man schrieb das Jahr 1950, der große Krieg war erst fünf Jahre aus. Ganz Europa suchte nach neuen Gesellschaftsentwürfen, fernab von Faschismus, Bolschewismus und Kapitalismus.

Die beste Reise-Finanzierung

Vorbereitung

Im Sonnenschein frühstücken, am Strand liegen, mit dem Leihwagen das Land erkunden: Das macht Spaß – und frisst viel Geld. In welcher Form man im Urlaub präpariert sein sollte und wo Tücken der Zahlungsmittel liegen.

Bargeld

Münzen und Scheine gehören als Grundausstattung in jede Geldbörse. Wer in ein Land außerhalb der Euro-Zone reist, tut gut daran, einen kleinen Betrag der Fremdwährung bereits in der Heimat umzutauschen. Allerdings sollten sich Urlauber dafür bei ihrer Bank oder beim Auswärtigen Amt informieren, ob sie die Fremdwährung auch in das Land einführen dürfen, wie die Verbraucherzentrale (VZ) Nordrhein-Westfalen warnt.

Beim Geldumtausch lohnt sich der Vergleich: Banken seien gegenüber Wechselstuben oder Hotels meist die günstigere Alternative, meint das Europäische Verbraucherzentrum. Als Kostentreiber beim Geldwechseln könnten sich zusätzliche Wechselgebühren entpuppen. Unterwegs sollte das eingesteckte Bargeld auf die Mitreisenden aufgeteilt werden, das verringert das Verlustrisiko. Der Rest des Geldes gehört in einen Safe.

Girokarte

Die Bankkundenkarte mit Maestro- oder V-Pay-Zeichen ist im Euro-Raum ein bequemes Zahlungsmittel. Mit ihr können Kunden innerhalb der Währungsunion in vielen Läden und Restaurants bezahlen, ohne dass Zusatzgebühren anfallen. Für das Abheben am Geldautomaten werden aber oft Gebühren fällig. Das Abheben einer größeren Summe statt mehrerer kleiner spart hier in der Regel Geld. Vor dem Urlaub sollten sich Kunden bei ihrer Bank erkundigen, wie viel Geld sie an einem Tag abheben dürfen, denn der Rahmen für die Nutzung von Geldautomaten ist im Ausland mitunter kleiner als Zuhause.

In vielen Ländern außerhalb Europas können Automaten die Karten mit V-Pay-Zeichen nicht lesen. Daher sollten sich Urlauber vor der Reise bei ihrer Bank erkundigen, ob V-Pay-Karten im Zielland überhaupt akzeptiert werden, rät das Auswärtige Amt. Geht die Karte verloren, muss sie der Urlauber sofort sperren lassen. Die Telefonnummer, unter der die Sperrung veranlasst werden kann, sollte notiert oder im Handy gespeichert werden.

Kreditkarte

Kreditkarten sind auf Reisen ein bequemes Zahlungsmittel: Mit ihnen lässt sich bezahlen und am Geldautomat Bares abheben, das allerdings meistens gegen Gebühr. Wer außerhalb des Euro-Raums mit seiner Kreditkarte bezahlt, muss in der Regel ebenfalls für jeden Vorgang ein Entgelt entrichten. Vor Reiseantritt sollten sich Urlauber über den Verfügungsrahmen ihrer Karte informieren: Wer große Posten wie Hotel und Mietwagen mit Kreditkarte zahlen will, sollte sicher sein, dass dafür der Verfügungsrahmen ausreicht.

Reiseschecks

Reiseschecks, auch Travellerschecks genannt, können zum Bezahlen wie auch zum Umtausch in Bargeld genutzt werden und gelten als recht sicheres Zahlungsmittel, wie die VZ bewertet. Beim Ankauf muss der Kunde jeden Scheck unterschreiben. Eine zweite Unterschrift wird bei Einlösung fällig, zudem muss der Kunde dabei ein Ausweisdokument vorlegen. Verlorene Reiseschecks können gegen Gebühr ersetzt werden. Verbraucher sollten aber unbedingt ihre Quittung vom Scheckankauf getrennt von den Schecks aufbewahren, damit sie bei Verlust nachweisen können, dass sie die Papiere wirklich erstanden haben.

Das Bezahlen mit Reiseschecks ist mit zahlreichen Gebühren verbunden: Schon beim Ankauf wird Extra-Geld fällig, beim Einlösen fällt oft ein weiteres Entgelt an. Und wer nach dem Urlaub nicht genutzte Travellerschecks zurückgeben will, muss ebenfalls mit Zusatzkosten rechnen.

Mischen

Urlauber sollten nicht auf ein einziges Zahlungsmittel setzen, sondern verschiedene mischen, raten Verbraucherschützer. Wichtig ist dabei, die Zahlungsmittel nicht alle an einem Ort aufzubewahren, damit sie nicht alle auf einen Schlag abhanden kommen können.

Von den einstigen Träumen der beiden Feriendorfgründern – des belgischen Wasserballspielers Blitz, der als Jude den Krieg im Widerstand überlebt hatte, und des algerischstämmigen Juden Trigano, der wie Blitz für den Kommunismus schwärmte – ist am 65. Firmengeburtstag kaum noch etwas übrig. Der inzwischen in „Club Med“ umgetaufte Konzern sorgte in den vergangenen zwei Jahren eher für Schlagzeilen, weil er zum Spielball von Börse und Finanzinvestoren wurde.

Was als kommunistisches Experiment begann, wurde spätestens seit dem Frühjahr 2013 zum Lehrstück in Kapitalismus. Inzwischen steht fest: Schon bald wird nicht mehr französisches „savoire vivre“ die 66 Feriendörfer von Club Med regieren, sondern ein Konglomerat aus China.

Fosun International, groß geworden mit Gewinnen aus dem Pharma- und Bergwerksgeschäft, sicherte sich per Bietergefecht 93 Prozent der Aktien und steuert auf einen Squeeze-out zu, um sich Club Med komplett einzuverleiben. Ein Abschied der längst zum Luxusanbieter mutierten Ferienresort-Kette von der Börse rückt damit in greifbare Nähe – nach 49 Jahren auf dem Parkett.

Angestoßen hatte dies der Vorstandschef selbst. Henri Giscard d’Estaing, Sohn des einstigen französischen Staatspräsidenten und seit bald 13 Jahren an der Führungsspitze von Club Med, rief die Chinesen Anfang 2013 um Hilfe.

Schon beim Amtsantritt des heute 58-Jährigen galt Club Med, einst Erfinder des All-Inclusive-Urlaubs, als schwerer Sanierungsfall. Wettbewerber wie die Tui-Tochter Robinson Club oder die Neckermann-Gründung Aldiana setzten den Franzosen zu, bei denen die Urlauber zunehmend ausblieben.

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