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04.04.2011

11:29 Uhr

Coaching-Branche

Wie Manager ihren idealen Trainer finden

VonThorsten Giersch

Einen Coach für jede Lebenslage zu haben gilt inzwischen eher als chic denn als peinlich. Doch viele Coaches taugen nichts, sagen Fachleute. Erfolgsautor Erik Lindner hat die Geheimnisse der Branche erforscht.

Joachim Löw ist Deutschlands bekanntester Trainer. Für Manager ist es schwieriger, einen geeigneten Coach zu finden, der einem weiterhilft. Quelle: Reuters

Joachim Löw ist Deutschlands bekanntester Trainer. Für Manager ist es schwieriger, einen geeigneten Coach zu finden, der einem weiterhilft.

Hilfe ist erwünscht. Kaum ein Bereich wächst dermaßen stark wie die Coaching-Branche. Wenn ein Manager heute erklärt, er habe einen Coach, dann hat er es geschafft. Früher sagte er besser nichts, denn es wäre ein Ausdruck von Schwäche gewesen. Doch was steckt hinter diesen Trainern? Was ist Geldverschwendung, was hilft wirklich?

Erik Lindner hat hinter die Kulissen der Branche geschaut und stellt in seinem Buch "Coaching-Wahn. Wie wir uns hemmungslos optimieren lassen" die wichtigsten Fragen. Lindner ist Experte für Unternehmensgeschichte und hat mit "Die Herren der Container" und der Biografie über Wolfgang Grupp Bestseller geschrieben.

Multi-Millionen-Geschäft mit Perspektive
Wie üblich zeichnet sich Linderns Schreibstil durch eine brutale Ehrlichkeit aus. Das wesentliche Problem vieler Coaches sei ihr "Glaube an die eigene Großartigkeit" und der "ausgeprägte Narzissmus". Womöglich rührt das schlicht daher, dass die Qualität ihrer Arbeit so schwer objektiv zu messen ist. Was hilft, sind Verweise von Unternehmen, die mit der Arbeit sehr zufrieden waren. Und gerade für Anfänger natürlich Zeugnisse. Aber das nützt alles nur bedingt, um aus dem Teich der ungefähr 30.000 bis 40.000 Coaches die besten Fische zu angeln. Diese Zahl ist eine grobe Schätzung. Eine umfangreiche Studie hat herausgefunden, dass von ihnen nur rund 8000 wirklich professionell arbeiten.

Klar ist aber die positive Tendenz: Die Branche wächst, auch wenn es im Krisenjahr 2009 eine kleine Delle gab. Inzwischen sollen sie Coaching-Ausgaben in Deutschland auf 280 Millionen Euro belaufen. Neue Trends gibt es reichlich: "Mit dem Coaching ist es wie am Nordssestrand, wo von der Flut ständig was Neues angeschwemmt wird", schreibt Lindner.

Von Promi-Trainern bis zum Coaching-Prekariat

Wer Coach werden will, muss laut Lindner rund 20.000 Euro in seine Ausbildung investieren. Über den Verdienst gibt es höchst unterschiedliche Angaben: Die besten Coaches würden Tagessätze von 2500 Euro bis hin zu 10.000 Euro erreichen. Aber das sind krasse Ausnahmen. Der durchschnittliche Tagessatz liegt laut Coaching-Branche bei 1000 bis 2000 Euro, laut Unternehmen bei 500 bis 1500 Euro. Lindern glaubt eher letzterem Wert.

Als Richtschnur gilt, dass ein Coach nur dann kostendeckend arbeiten kann, wenn er mehr als 150 Euro pro Stunde einnimmt, schreibt Lindner. Das schaffe längst nicht jeder: "Schon jetzt existiert ein großer Kreis unzureichend beschäftigter Coaches." Das führe auch zu dem wachsenden Problem der niedrigen Qualität. Lindner spricht von einem ausufernden Coaching-Prekariat".

Eine Lösung für das Problem sieht Lindner vorerst nicht. Zulassungsbeschränkungen seien unpraktikabel. Der Autor setzt darauf, dass der finanzielle Druck die Branchengröße regulieren wird. Das Metier werde "speziell und überbesetzt" bleiben.

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