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22.05.2012

07:16 Uhr

Compliance

Kontrolle schafft Vertrauen

VonPatrick Kalbhenn

Compliance, also das gesetzeskonforme Handeln, ist gerade im internationalen Geschäft unverzichtbar. Klare Richtlinien helfen Unternehmen dabei, das Vertrauen von Kunden und Geschäftspartnern zu gewinnen. Dennoch zögern vor allem Mittelständler, verlässliche Regeln aufzustellen. Sie riskieren damit hohe Geldstrafen und nachhaltige Image-Schäden.

Grafik: Birgit Jansen, bürgie Illustration & Grafik, www.buergie.de Birgit Jansen

Grafik: Birgit Jansen, bürgie Illustration & Grafik, www.buergie.de

KölnBei Peiker Acustic hat Sicherheit höchste Priorität. Mitarbeiter und Lieferanten des Anbieters von Kommunikationstechnik werden seit kurzem regelmäßig über Terrordatenbanken geprüft, das Logistikzentrum ist nun videoüberwacht und wird durch Zäune abgeschirmt. Auch die Zugangskontrollen wurden verschärft - es herrscht Ausweispflicht. Fast eine Viertelmillion Euro hat Peiker dafür allein im vergangenen Jahr ausgegeben. Für den Autozulieferer mit gut 130 Millionen Euro Umsatz und knapp 700 Mitarbeitern ist das eine Menge Geld.

Doch dank der Investition in die Sicherheit besitzt der Mittelständler aus dem hessischen Friedrichsdorf bei Frankfurt nun das AEO-F-Zertifikat der Europäischen Union. Dieses bestätigt, dass Peiker wirksame Compliance-Strukturen aufgebaut hat. Der Autozulieferer darf deshalb an einem vereinfachten Zollverfahren teilnehmen - das spart Zeit und Geld beim internationalen Versand der Produkte. Doch für das Unternehmen habe das Zertifikat noch eine weitere Bedeutung, sagt Geschäftsführer Andreas Peiker: „Die Kontrollen helfen, Vertrauen beim Kunden zu schaffen.“

Das denken Unternehmer über Vertrauen

Bayer: Wolfgang Plischke

Vertrauen ist ein sehr hohes Gut. Es entsteht durch wiederkehrende positive Erfahrungen. Es muss daher als Person oder Institution kontinuierlich verdient und neu bestätigt werden. Reden und Handeln müssen im Einklang sein.

(Wolfgang Plischke, Vorstand)

Deutsche Bank: Josef Ackermann

Wir können langfristig nur erfolgreich sein und bleiben, wenn die Menschen uns Vertrauen entgegenbringen. (Josef Ackermann, CEO)

Fresenius: Ulf M. Schneider

Vertrauen ist gerade im Gesundheitsbereich von größter Bedeutung, und das Vertrauen in die hohe Qualität unserer Produkte und Dienstleistungen ist die Grundlage für unser stabiles, nachhaltiges Wachstum. Wir legen großen Wert auf langfristige Verlässlichkeit und arbeiten in dem Bewusstsein, uns morgen an dem messen zu lassen, was wir heute ankündigen oder tun. Das prägt auch den Umgang mit unseren Mitarbeitern, die Kommunikation mit unseren Kapitalgebern und das Verhältnis zu anderen Partnern des Unternehmens. (Ulf M. Schneider, CEO)

K+S: Thomas Nöcker

In der Rohstoffindustrie bzw. im Bergbau ist unser Denken und Handeln sehr langfristig ausgerichtet. Vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen mit unseren Kunden und Lieferanten sind daher von großer Bedeutung. Fairness und Respekt im Umgang miteinander sind wichtige Voraussetzungen, damit Vertrauen entstehen und erhalten werden kann. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zahlen sich dann vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen meist aus. (Thomas Nöcker, Personalvorstand)

Munich Re: Nikolaus von Bomhard

Im Grunde ist es für Banken und Versicherungen ganz einfach: Versprich nicht mehr, als du halten kannst und sorge dafür, dass sich dieses Versprechen auch in extremen Szenarien einhalten lässt. (Nikolaus von Bomhard, CEO. Aus einem Interview mit dem Manager Magazin)

MAN: Jörg Schwitalla

Vertrauen zwischen Wirtschaftspartnern entsteht nicht von allein, daran muss man arbeiten und etwas investieren: Einfühlungsvermögen und Offenheit ebenso wie Fairness und Respekt. (Jörg Schwitalla, Personalvorstand)

Siemens: Brigitte Ederer

Vertrauen ist schwer zu gewinnen und schnell verspielt. Vertrauen muss man sich verdienen durch Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Verantwortungsbewusstsein. Besonders in der Wirtschaft geht ohne Vertrauen nichts.

(Brigitte Ederer, Personalvorstand)

Wer wie Peiker im Ausland Geschäfte macht, kann auf Compliance-Systeme kaum noch verzichten. Genau festgelegte Standards für verantwortungsvolles Wirtschaften sind inzwischen eine Basis für den Erfolg. „Vertrauen und Kontrolle haben auf internationalen Märkten eine vollkommen andere Bedeutung bekommen“, sagt Franz Leisch, Compliance-Experte der Wirtschaftskanzlei Baker&McKenzie. Viele Unternehmen hätten dies aber noch nicht erkannt. „Immer wieder kommen Manager erst dann zu uns, wenn es konkrete Fälle gibt und sie im Ausland mit der Aufarbeitung überfordert sind. Erst dann merken sie, dass sie Compliance-Strukturen schaffen müssen.“

Worauf Compliance-Beauftragte achten sollten

Vertrag aufsetzen

Wer man zum Compliance-Officer bestellt wird sollte diese Funktionsübertragung unbedingt schriftlich festhalten. Befugnisse, Verantwortungsbereiche, Budget und Mitarbeiter sind wichtige Punkte, die unmissverständlich vereinbart und formuliert werden sollten.

Mitdenken

Führungskräfte dürfen nicht blind allen Anweisungen folgen. Jeder Verursachungsbeitrag ist deshalb genau zu untersuchen, wenn es zur Haftungsfrage kommen sollte. Musste sich der Führungskraft das nicht regelkonforme Verhalten aufdrängen?

Objektivität

Bei Zweifelsfragen keine internen Juristen oder Experten beauftragen. Gerichte könnten später Eigeninteressen vermuten, so dass die Gutachten nichts mehr wert sind. Im schlimmsten Fall wird dem Compliance-Verantwortlichen vorgeworfen, nicht die notwendige Objektivität behalten zu haben.

Verhältnismäßigkeit

Bei jeder angedachten Maßnahme muss der Compliance-Beauftragte die Verhältnismäßigkeit überprüfen. Das gilt vor allem bei Überwachung von Mitarbeitern.

Pflichtprüfung

Führungskräfte müssen in jedem Fall aktiv werden, wenn tatsächliche Anhaltspunkte, die nachvollziehbar den Verdacht begründen, dass eine Straftat begangen wurde oder wird vorliegen. Compliance-Beauftragte müssen ihr Vorgehen immer dokumentieren!

Haftung

Folgende Punkte müssen überprüft werden, damit der Compliance-Verantwortliche haftbar wird: Wurde die Verantwortlichkeit überhaupt delegiert? Wurde die Verantwortlichkeit wirksam delegiert? Verfügt der Verantwortliche über die erforderlichen Fachkenntnisse? Verfügt der Verantwortliche über die erforderlichen Kompetenzen und Befugnisse? Kann er unabhängige Aufklärung mit den erforderlichen Mitteln bieten?

Zwar ist die Zahl der Unternehmen mit eigenen Compliance-Programmen gestiegen – laut einer gerade veröffentlichten Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) binnen zwei Jahren um neun Prozent. Doch die Erhebung zeigt auch: Fast die Hälfte der Betriebe mit mehr als 500 Beschäftigten arbeitet noch immer völlig ohne entsprechende Standards und Richtlinien. Ein Fehler: „Compliance erhält zunehmend einen Marktwert“, sagt Steffen Salvenmoser, Partner im Bereich Forensic Services von PwC.

Kommentare (1)

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brbhandelsblatt

23.05.2012, 23:48 Uhr

Wie soll Kontrolle Vertrauen schaffen?
Als ehemaliger DDR-Bürger weiß man wohin Kontrolle führt, es schafft ein Klima von Angst und Unterwürfigkeit.

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