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08.12.2016

06:45 Uhr

Compliance-Risiko auf dem Schreibtisch

Mit diesen Geschenken riskieren Sie Ihren Job

VonCarina Kontio

Jedes Jahr landen wieder die Weihnachtsgeschenke der Geschäftspartner auf dem Tisch. Und man selbst will sich vielleicht auch bei Kunden für die gute Zusammenarbeit bedanken. Was ist in Ordnung, was geht zu weit?

Wer wegen eines Geschenkes vom Geschäftspartner seinen Job nicht verlieren möchte, sollte die Compliance-Regeln seines Unternehmens beachten.

Weihnachten

Wer wegen eines Geschenkes vom Geschäftspartner seinen Job nicht verlieren möchte, sollte die Compliance-Regeln seines Unternehmens beachten.

KölnDas ungewöhnlichste Weihnachtsgeschenk in meinem Arbeitsleben kam von der Firma Hengstenberg. Ein kleines Paket mit würzigem Sauerkraut und Rotkohl mit fruchtigen Apfelstückchen. Im Beutel. Drei Jahre lang hintereinander und stets mit einem persönlichen und freundlichen Adventsgruß vom Chef. Geschrieben habe ich über die Firma nie (außer jetzt hier). Und irgendwann kam, was kommen musste: Die pikante Lieferung, die ich eigentlich immer an meine Mutter weitergereicht habe, traf nicht mehr ein.

Doch so harmlos geht es nicht immer zu. Gerade im Arbeitsleben können Präsente für den Beschenkten richtig gefährlich werden. Was ist beim Thema Geschenke in Ordnung, was geht zu weit?

Sebastian Müller, Arbeitsrechtler des Berufsverbandes „Die Führungskräfte“ (DFK), kennt sich aus und weiß, wie Sie sich gefahrlos im Arbeitsleben beschenken können. Ein Thema, dass sich in der Praxis immer wieder stellt. Schließlich kann strafrechtlich eine Bestechlichkeit im Raume stehen, wenn man beispielsweise die Vergabe eines Auftrags von einem Geschenk abhängig macht.

Zum anderen ist arbeitsrechtlich sogar eine verhaltensbedingte Kündigung denkbar, wenn Schmiergelder oder Geschenke angenommen werden. Dabei muss der Arbeitgeber noch nicht mal einen Schaden erleiden – trotzdem kann je nach Fall sogar eine fristlose Kündigung die Folge sein. Wo verläuft also die Grenze?

Welche Mitarbeiter geliebt und welche gehasst werden

Wer kommt ins Fadenkreuz?

Was müssen Sie tun, um auf die Abschussliste zu geraten? Welche Mitarbeiter sind Lieblingsopfer von Mobbing? Martin Wehrle identifiziert die verschiedenen Typen. Die Vorstellung in aller Kürze...

Der Besserwisser

Besserwisser haben zwei Fehler: Erstens sind sie anderer Meinung als der Chef. Und zweitens sagen sie das auch noch öffentlich. Sie kratzen an der Autorität des Chefs und brauchen sich nicht wundern, wenn dieser sie zum Abschluss freigibt.

Der Rivale

Wenn ein Mitarbeiter alles hat, was eine Führungsposition braucht und sich zur Opposition aufbauen, muss sich der Chef Gedanken machen. Erstrecht wenn sie natürliche Autorität, Ehrgeiz und Fachwissen mitbringen. Es kann oft nur einen geben - und der Chef sitzt am längeren Hebel.

Der Miesmacher

Wenn Mitarbeiter Pessimismus verbreiten und schlechte Laune und nur Probleme sehen, wo andere Herausforderungen vermuten - dann sind sie Miesmacher und ebenfalls im Visier des Chefs. Wer die Seifenblasen der Motivation zerbläst, muss mit Mobbing-Attacken rechnen.

Die Schlafmütze

Wer tief im Brunnen der Frustration festsitzt und in Sitzungen apathisch aufs Ende wartet - der zieht auch gern die Wut des Chefs auf sich. Die Schlafmütze zeichnet sich dadurch aus, dass sie bei anfallender Arbeit selten zuständig ist und mit den dicken Däumchen der Routine auf die Frühverrentung wartet.

Das Alpha-Tier

Gefördert werden vom Chef dagegen Mitarbeiter-Typen wie das Alpha-Tier: Er ist ein geborener Führer wie der Rivale, allerdings fordert er den Vorgesetzten nicht zum Kampf auf. So schafft er es, vom Chef als Stellvertreter akzeptiert zu werden - auch ohne offizielle Ernennung. Das Team akzeptiert ihn als Leitwolf.

Der Oberexperte

Der Oberexperte ist quasi der Staatssekretär des Chefs, der, der die fachlichen Mängel ausgleicht. Er bereitet die Entscheidungen im Hintergrund vor und stärkt nach außen den Rücken.

Die graue Eminenz

Manchmal gibt es Urgesteine in einer Anteilung, die allerdings immer noch hellwach dabei sind und voller Tatkraft stecken. Der "alte Hase" steht dabei nicht im Verdacht, ehrgeizig auf den Chefsessel zu schielen.

Der Vorzeigestar

Das Talent, der Vorzeigestar, dessen Heldentaten die gesamte Firma aufschauen lassen. Der Chef ist stolz auf sein bestes Pferd im Stall, zumindest wenn es keinen Grund zum Zweifel an der Treue gibt.

Der treue Paladin

Der verlängerte Arm des Chefs - vor allem für kleinere Aufgaben. Kein schlechtes Wort über den Chef kommt über seine Lippen, aber für höhere Aufgaben eignet er sich auch nicht.

„Man muss sich grundsätzlich immer die Frage stellen, ob man von dem Geschenk in der Geschäftsbeziehung etwas abhängig macht, also ob das Beschenktwerden Entscheidungen beeinflusst oder beeinflussen soll“, erklärt Müller. Für den Rechtsanwalt ist das der entscheidende Punkt: „Die ehrliche Antwort muss in jedem Fall nein lauten. Alles andere birgt letztendlich ein Eingeständnis für ein Verhalten, dass gesetzlich gerade ausgeschlossen und sanktioniert werden soll.“

Besonders unter Führungskräften ist es oft kompliziert. Die Geschenke sind zum Teil keine Kleinigkeit mehr, wenn der Beschenkte in herausgehobener Position tätig ist. Hier hat die Rechtsprechung sich aber klar positioniert. Im Jahr 2009 bestätigte das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz beispielswiese gar eine fristlose Kündigung wegen einer geschenkten Fußballkarte im Wert von 250 Euro (Az.: 9 Sa 572/08).

Das Gericht urteilte, dass „der gewährte Vorteil die Gefahr begründe, dass sich der Arbeitnehmer wegen der Geschenke so beeinflussen lässt, dass er gegen die Interessen des Arbeitgebers handeln würde“. Rechtsanwalt Müller: „Entscheidend war hier, dass das Geschenk von einem Geschäftspartner kam und das Unternehmen so nicht mehr sicher sein konnte, dass der Arbeitnehmer wirklich nur im Interesse des Unternehmens entscheiden würde.“

Kommentare (1)

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Frau Annette Bollmohr

08.12.2016, 16:14 Uhr

„Man muss sich grundsätzlich immer die Frage stellen, ob man von dem Geschenk in der Geschäftsbeziehung etwas abhängig macht, also ob das Beschenktwerden Entscheidungen beeinflusst oder beeinflussen soll“

Beeinflussen soll es immer. Oder glaubt irgendjemand ernsthaft, dass die alljährlichen Präsenteorgien zur Vorweihnachtszeit auch im Geschäftsleben deshalb stattfinden, weil man sich so sympathisch findet?

Wir sind schon verdammt gut darin, uns gegenseitig etwas vorzumachen. Und uns selbst auch.

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