Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.09.2012

10:10 Uhr

Continental

Elmar Degenhart gelingt das Comeback

VonMark Christian Schneider

Continental schafft die zweite Rückkehr in den Dax. Zunächst galt der Conti-Chef als Fremdkörper im Unternehmen, als Gesandter des Großaktionärs. Doch er hat schnell eine große Akzeptanz errungen.

Der Vorstandsvorsitzende der Continental AG, Elmar Degenhart. dapd

Der Vorstandsvorsitzende der Continental AG, Elmar Degenhart.

HamburgDonnerstagvormittag ist es endlich so weit. Elmar Degenhart wird in der Frankfurter Börse den offiziellen Aufstieg seines Unternehmens in den Dax feiern, die Königsklasse der deutschen Aktienwerte. Degenharts Auftritt wird wie immer sein: freundlich und selbstbewusst, aber nicht triumphal. Die Stimme eher leise, mit dem Singsang seiner badischen Heimat.

Dabei dürfte er sich laute Töne durchaus erlauben. Die 141 Jahre alte Continental AG aus Hannover schreibt Wirtschaftsgeschichte: Conti gelingt als erstem Unternehmen die zweifache Rückkehr in den Dax. Den Topindex musste der Reifenhersteller und Autozulieferer zuletzt 2008 nach der Übernahme durch das Familienunternehmen Schaeffler verlassen - Streubesitz und Marktkapitalisierung genügten nicht mehr den Anforderungen der Börse.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

Dabei fühlt sich Conti im Dax zu Hause. Als der Index 1988 entstand, waren die Niedersachsen Gründungsmitglied. 1996 musste Conti das erste Mal für sieben Jahre die Börsen-Bundesliga wegen zu geringer Marktkapitalisierung verlassen.

Nun ist der Konzern zurück. Elmar Degenharts Stärke ist die Kraft der Integration. Der Chef von 170 000 Mitarbeitern in 46 Ländern will seine Beschäftigten mitnehmen, sie überzeugen. "Er tut viel für die Seele des Unternehmens", heißt es im Vorstand. Die Strategie ging auf, Conti hat im ersten Halbjahr 16,5 Milliarden Euro umgesetzt, 32 Milliarden Euro sollen es im Gesamtjahr werden.

Stolz waren seine Vorgänger in der Konzernzentrale, als sie 2007 für mehr als elf Milliarden Euro den Konkurrenten VDO von Siemens übernahmen. Continental wähnte sich ein gutes Stück vorangekommen auf dem Weg vom Reifenmischer zum modernen, elektroniklastigen Autozulieferer.

Der Abstand zum weit größeren Marktführer Bosch aus Stuttgart war geschrumpft. Doch der damalige Vorstandschef Manfred Wennemer zahlte einen hohen Preis für den Deal, der Aktienkurs sackte ab. Schaeffler nutzte die Schwäche, beteiligte sich heimlich. Der Rest ist Geschichte: Wennemer musste im August 2008 gehen, Nachfolger Karl-Thomas Neumann dankte nach einem weiteren Jahr ebenfalls ab.

Damit schlug vor drei Jahren die Stunde von Degenhart. Als er im August 2009 in Hannover antrat, beäugten die leidgeprüften Mitarbeiter ihn kritisch als Gesandten des Großaktionärs Schaeffler, dessen Autosparte er zuvor geführt hatte. Wennemer sprach ihm gar die Eignung ab.

Doch der promovierte Luft- und Raumfahrtechniker traf den richtigen Ton - und überzeugte selbst die Skeptiker. Degenhart kam zugute, dass er Continental kannte. Von 1998 bis 2003 leitete er Contis elektronische Bremssysteme. "Elmar Degenhart hat schnell hohe Akzeptanz gefunden, sowohl intern als auch bei Kunden und Investoren", stellte Chefaufseher Wolfgang Reitzle bald fest. Degenhart brachte die Niedersachsen zurück auf Wachstumskurs, zahlte den Anlegern wieder eine Dividende, vermittelte den Mitarbeitern eine neue Kultur - geprägt von "Vertrauen, Freiheit, Gewinnermentalität und Verbundenheit". Und führte Conti in den Dax.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

24.09.2012, 15:45 Uhr

Interessanter Werdegang von Continental, vor allem, da es kein Unternehmen jemals geschafft hat 2 Mal zurückzukehren. Somit hat die Fusion mit Schaeffler doch noch ein Happy End gefunden, da ja Schaeffler auch tatkräftig mitgeholfen hat Continental wieder an die Spitze zu bringen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×