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Special

Special: Cum-Ex

16.03.2016

15:00 Uhr

Carsten Maschmeyer

TV-Löwe als Unschuldslamm

VonSönke Iwersen

AWD-Gründer Carsten Maschmeyer investierte nicht nur seine Millionen in Cum-Ex-Fonds. Er überzeugte auch seine Frau, seine Ex-Frau und Freunde. Heute sagt Maschmeyer, er habe von der Machart der Geschäfte nichts gewusst.

Carsten Maschmeyer steckte mehr Geld in die dubiosen Steuer-Deals als fast jeder andere. Von ihrer Machart will er nichts gewusst haben. dpa

TV-Löwe als Unschuldslamm

Carsten Maschmeyer steckte mehr Geld in die dubiosen Steuer-Deals als fast jeder andere. Von ihrer Machart will er nichts gewusst haben.

Einst war Carsten Maschmeyer mit Eric Sarasin persönlich eng befreundet. Seit vielen Jahren schon hatten der AWD-Chef und der Familienerbe aus der traditionsreichen Schweizer Privatbank nicht nur geschäftlich Kontakt. Sie besuchten zusammen Kunstmessen und Champions-League-Spiele, auch ihre Gattinnen kannten sich. Und doch stockte nach einer Weile das Geschäftliche zwischen den beiden.

Carsten Maschmeyer langweilte sich bei den Angeboten, die ihm sein Freund machte. Das sei gar nicht böse gemeint, sagte der Versicherungsmilliardär. Aber Eric solle ihn doch mit diesen Geschäften ohne richtige Rendite nicht mehr belästigen. Maschmeyers Bitte: Ruf mich erst wieder an, wenn Du mal was richtig Geiles hast.

2010 war es so weit. Ein Geschäft, das so geil war, dass es kaum wahr sein konnte: Null Prozent Risiko, zwölf Prozent Rendite. Und das alles in wenigen Monaten. Maschmeyer schlug ein.

Die ersten Deals ließen nichts zu wünschen übrig. Sarasin machte aus Maschmeyers fünf Millionen Euro Einlage 6,2 Millionen Euro, danach aus zehn Millionen immerhin 10,9 Millionen. Maschmeyer fand das Geschäft so geil, dass er seine Frau, seine Ex-Frau, seine Söhne und noch ein paar gute Freunde, darunter Fußball-Trainer Mirko Slomka, ins Boot holte. Gemeinsam legten sie 55 Millionen Euro an.

Und dann kenterte das Boot. Erst ließen die Renditezahlungen auf sich warten, schließlich meldete der Schweizer Bankier Totalschaden. Von den 40 Millionen Euro, die Maschmeyer in das Geschäft gesteckt hatte, war nur noch ein Bruchteil übrig. Der Rest hing im Finanzamt fest. Rückfluss ungewiss.

Eric Sarasin

Geld-Mann in der Grauzone

Eric Sarasin war der letzte Vertreter der traditionsreichen Schweizer Bankiersfamilie J. Safra Sarasin. Die Geschäfte zu Lasten der deutschen Steuerzahler beendeten seine Karriere. Inzwischen ist er Kronzeuge.

Maschmeyer ging auf die Barrikaden. Er schimpfte, er drohte, er klagte. Nichts, aber auch gar nichts, habe er von der Machart der Geschäfte gewusst, gab er später den Behörden an. Gewinne auf Kosten der Steuerzahler? Würde er doch nie machen. Außerdem sei er ja in Finanzdingen völlig unerfahren gewesen, als ihm sein Freund Eric diese unheilvollen Deals angeboten habe.

Aber sein Geld, das wollte er schon zurück. Und weil Maschmeyer ein Mann ist, dem auch Eric Sarasin schwer etwas abschlagen kann, konnte Maschmeyer seinen Verlust zwar nicht verhindern aber doch auf 5,4 Millionen Euro stark begrenzen. Freunde werden die beiden wohl trotzdem nicht wieder.

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