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Special

Special: Cum-Ex

26.09.2016

14:59 Uhr

Clemens J. Vedder

Der Vermittler

Clemens J. Vedder begann seine Karriere als Einkäufer bei Hertie, später nahm er legendären Einfluss auf die Commerzbank. Als der Milliardär Rafael Roth in die Mühlen der Steuerbehörden geriet, sprang ihm sein Freund Vedder zur Seite.

Clemens J. Vedder hat als Investor große Räder gedreht. Nun feiert er viele Erfolge als Mediator - auch in Sachen Cum-Ex. picture alliance

Clemens J. Vedder hat als Investor große Räder gedreht. Nun feiert er viele Erfolge als Mediator - auch in Sachen Cum-Ex.

Geld hat er eigentlich genug. Wenn Clemens J. Vedder nach seinem Beruf gefragt wird, antwortet der Mann schon seit 15 Jahren: „Ich bin Privatier mit abgeschlossener Vermögensbildung.“ Das amüsiert Vedder. Was nicht heißt, er hätte in all dieser Zeit nicht erhebliche Anstrengungen unternommen, sein Vermögen zu vermehren.

Was stand nicht alles auf Vedders Einkaufsliste. Die Baumarktkette Praktiker, die Modemarke Wunderkind, die Kaufhauskette Kaufhof. Auch wenn Vedder die Deals nicht finalisierte, gelang ihm in der Regel der Absprung im richtigen Moment – sprich mit ordentlichem Gewinn. Der Investor mochte in solchen Momenten an seine Lieblingsband denken. „You can’t always get what you want“, sangen die Rolling Stones schon 1969. „But if you try sometimes, you might find. You get what you need.“

Vedder hat, was er braucht. Verdiente er doch mit Kauf und Weiterverkauf respektive mit Beteiligungen an der Verbrauchermarktkette AVA, der Metro AG und der Horten AG schon Unsummen, und mit derselben Methode mit der Supermarktkette Spar noch mehr.

Vedder machte kein Abitur, aber mit 19 wurde er bei Hertie zum jüngsten Einkäufer im gesamten Konzern. Mit 26 machte er sich selbstständig. Anfangs mit Immobilien – zwischenzeitlich gehörten ihm 10.000 Wohnungen. Dann vermehrte er als Vermögensverwalter nicht nur das eigene Geld, sondern auch das seiner Kunden.

Vedder schwirrt ständig durch die Weltgeschichte. Rund 25 Jahre hielt er sich aufgrund seiner Asthma-Erkrankung in warmen Regionen auf, vor allem in Florida. Neben den Rolling Stones liebt er die Fotografie und die Kennedys. Er ist als Aktionär an zwei Galerien in Berlin und einem Museum mit der weltweit größten privaten Sammlung zur Familiengeschichte der US-Präsidentenfamilie beteiligt.

Präsident wird Vedder sicher nicht mehr. Stattdessen bezeichnet er sich gern als Weißer Ritter. Sieht sich ein Unternehmen von einem unliebsamen Investor attackiert, ruft es oft nach Herrn Vedder. „Umstrukturierung von Transaktionen“ nennt sich dieser Teil seiner Expertise. Vedder hilft gern.

So war es auch in Sachen Cum-Ex. Als sein Freund Rafael Roth 2011 eine Steuernachforderung von mehr als 100 Millionen Euro in der Post hatte, sprang Vedder ihm zur Seite. Nicht mit Geld. Als Consiliator, wie er das nennt. Roth hatte Streit mit dem Finanzamt, Streit mit seiner Bank, Streit mit ehemaligen Beratern und Anwälten. Als der Milliardär mitten im Großkonflikt verstarb, machte Vedder weiter. Mit Erfolg.

Mehr als 120 Millionen Euro hatte die Hypo-Vereinsbank 2011 von ihrem einstigen Kunden Rafael Roth verlangt. Im Spätsommer 2014 war ihre Forderung auf einen Bruchteil davon geschrumpft. Und Vedder sorgte dafür, dass alle Parteien einem Deal zustimmten - inklusive der beteiligten Steuerberater und Anwälte.

Vedders Methode ist die Vereinfachung. Marschieren die Kontrahenten oft mit ganzen Heerschaaren von Anwälten auf, plädiert er für die Verkleinerung der Teams auf eine Mindestgröße. Schicht um Schicht müsse man solche komplizierten Probleme lösen, sagt Vedder. Systematisch eben. Bevor er sich einschaltete, tobte der Streit zwischen Roth und seiner Bank schon Jahre. Mit Vedder war er nach zwei Monaten beendet.

In seiner ersten Reaktion erwähnte Roths Sohn Joram die Verdienste des Vermittlers. „Ohne Herrn Vedder wäre dieser Deal nie zustande gekommen“, sagte Roth Junior. „Auch wenn die Sache noch so verfahren war, er hat eine Lösung gefunden. Dafür gilt ihm mein höchster Dank und Respekt.“ Auch Roths Anwälte waren angetan von Vedders Arbeit und bescheinigten ihm, dass sie durch ihn viel gelernt hätten.

Die Botschaft kam nicht nur bei Vedder an. Nachdem der Mediator seinen Freund posthum aus der Steuermisere gepaukt hatte, meldeten sich zahlreiche andere Betroffene bei Vedder. Privatinvestoren, aber auch Banken. Über Namen spricht Vedder nicht. Gelegentlich nimmt er für seine Dienste Geld. Auch wenn seine Vermögensbildung schon abgeschlossen ist.

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