Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

Special

Special: Cum-Ex

16.03.2016

15:00 Uhr

Erwin Müller

Großinvestor mit Erinnerungslücken

Erwin Müller ist ein erfolgreicher Unternehmer, seine Drogeriemärkte haben ihn reich gemacht. Steuern zahlt er nicht so gern. Deshalb versteckte er sein Geld in der Schweiz. Und bei Cum-Ex-Geschäften war er auch dabei.

Der gelernte Frisör hat sich mit Cum-Ex-Geschäften verzockt. Nun verklagt er die Bank J. Safra Sarasin auf Schadensersatz. Imago

Erwin Müller

Der gelernte Frisör hat sich mit Cum-Ex-Geschäften verzockt. Nun verklagt er die Bank J. Safra Sarasin auf Schadensersatz.

Erwin Müller verdiente sein Vermögen mit Seife und Zahnpasta, aber der Drogeriekönig aus Ulm war auch weniger bodenständigen Finanzgeschäften nicht abgeneigt. So spekulierte Müller gegen den Schweizer Franken – und setzte dabei ausgerechnet auf die Türkische Lira. Das ging schief. Müllers Familienunternehmen müsste zwischenzeitlich Rückstellungen von mehr als 200 Millionen Euro bilden.

Wenn Müller seine Finanzen aufmöbeln wollte, arbeitete er gern mit der Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin zusammen. Mit ihr startete er seinen Übernahmeangriff auf den Parfümerie-Händler Douglas, und es war auch ein Konto bei Sarasin, auf dem Müller sein nicht versteuertes Geld vor dem deutschen Fiskus versteckte. Weil das Konto entdeckt wurde und Müller nur eine unvollständige Selbstanzeige machte, ermittelt seit einiger Zeit die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen ihn.


2010 machte Müller mit seinen Vertrauensleuten in der Schweiz ein weiteres Geschäft. Er investierte 50 Millionen Euro in einen Cum-Ex-Fonds, bei dem die Gewinne aus der deutschen Steuerkasse flossen. Als der erste Deal eine zweistellige Rendite abwarf, nahm Müller weitere 50 Millionen Euro für in die Hand. Dann floppte die Anlage. Statt einer Rendite von zwölf Prozent stand Müller vor einem Verlust von 90 Prozent.

Der Drogeriekönig gab sich als Opfer. Weder habe er gewusst, dass die Gewinne bei Cum-Ex-Geschäften auf Kosten des Fiskus gingen, noch habe er das Gutachten des Steueranwalts Thomas Koblenzer gelesen, das dieser extra für ihn geschrieben hatte. Auf sein Geld jedenfalls wollte Müller nicht verzichten. Und so klagte er gegen die Bank, bei der er vor ein paar Jahren noch sein Schwarzgeld versteckte. Der Fall liegt beim Landgericht Ulm.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×