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Special

Special: Cum-Ex

16.03.2016

15:00 Uhr

Rafael Roth

Immobilienmogul mit Renditehunger

Mit Immobilien verdiente der Unternehmer Rafael Roth ein großes Vermögen. 2006 schlug ihm die Hypo-Vereinsbank aus München ein Steuersparmodell vor. Von den Auswirkungen hat er sich der Berliner nicht mehr erholt.

Sein Sohn Joram glaubt bis heute, dass dieses Geschäft seinem Vater das Leben kostete. Körperlich fit und wach im Geiste wie kein Zweiter, anders haben Freunde und Angehörige nie erlebt. Selbst als Rafael Roth 2008 seinen 75. Geburtstag feierte, machte er Scherze und schmiedete Pläne. Ein Buch wollte er noch schreiben, die Geschäfte liefen blendend. Rafael Roth genoss sichtlich den Ruf, den er sich in 50 Jahren harter Arbeit erworben hatte. Und dann machte ein Deal all das zunichte.

Es war dieses eine Geschäft, dass er nie hätte abschließen dürfen, das Rafael Roth seine Lebensfreude raubte, glaubt sein Sohn. Im April 2006, hoch oben über den Dächern von Berlin, traf Roth im 22. Stock in seiner Wohnung am Kurfürstendamm Finanzexperten aus München. Die Männer kamen von der Hypo-Vereinsbank, und hatten Roth etwas mitgebracht, das sie als super-exklusive Investment-Idee anpriesen. „Ultra High Net Worth“ heiße diese Güteklasse. Roth könne damit bei den „Really Big Boys“ mitspielen, sagten die Münchener.

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Roth fand das interessant. Zwar war er ja eigentlich schon ein ziemlich großer Junge, aber das, was die Hypo-Vereinsbank ihm da vorstellte, klang doch ungewöhnlich. Zweistellige Renditen innerhalb weniger Monate. Und kein Risiko dabei. Alles geprüft und abgesegnet von angesehenen Juristen. Die Hypo-Vereinsbank wollte Roth sogar das Geld leihen, um aus einem großen Geschäft noch ein viel größeres zu machen. Der Unternehmer schlug ein. In den folgenden drei Jahren handelte die Bank mit der Vollmacht von Roth Aktien im Wert von mehr als 15 Milliarden Euro. Sein Gewinn: 25 Millionen Euro.

Vom Mäzen zum Steuersünder

Dachte er jedenfalls. Aber 2009 begann eine Betriebsprüfung im Hause Roth, und 2011 „aktualisierte“ das Finanzamt Wiesbaden II plötzlich die alten Steuerbescheide. Die Behörde forderte 113 Millionen Euro zurück – zuzüglich zehn Millionen Euro Zinsen.

Roth war außer sich. Was sollte das? Es begann eine Spurensuche, die Roth nie zu Ende brachte. Erst im Nachhinein, so sagt sein Sohn, habe Roth erfahren, was es mit Geschäften auf sich hatte, die ihm die Hypo-Vereinsbank als so ungemein verheißungsvoll vorgestellt hatte. Dass es Cum-Ex-Deals waren, bei denen die Gewinne aus der Steuerkasse flossen. Und dass sein Einsatz futsch war, wenn das Finanzamt das Spiel durchschaute.


Niemals hätte sich sein Vater auf solche Geschäfte eingelassen, wenn er denn davon gewusst hätte, sagt sein Sohn. Dass er 2013 im Alter von 79 Jahren plötzlich als Steuersünder in der Zeitung stand, nachdem er sich jahrzehntelang einen Namen als Mäzen gemacht hatte, habe er nicht verwunden.

Im September 2013 starb Rafael Roth. Seinen juristischen Kampf gegen die Hypo-Vereinsbank, die Roth und seine Geschäftspartner auf 120 Millionen Euro Schadenersatz verklagte, führte dann sein Sohn weiter. 2014 endete der Streit in einem Vergleich. Die Bank verzichtete auf den allergrößten Teil ihrer Forderungen.

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