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Special

Special: Cum-Ex

16.03.2016

15:00 Uhr

Thomas Koblenzer

Gutachter im Grenzbereich

VonSönke Iwersen

Thomas Koblenzer aus Düsseldorf gilt als kreativer Steuergestalter, der die Gesetze gern offensiv auslegt. Eines seiner Cum-Ex-Gutachten schrieb er für Drogeriekönig Erwin Müller. Dem fehlen heute 50 Millionen Euro.

Der Steueranwalt sieht sich als führender Cum-Ex-Experte. Was nicht bedeutet, dass seine Gutachten auch gelesen werden. Universität Siegen

Thomas Koblenzer

Der Steueranwalt sieht sich als führender Cum-Ex-Experte. Was nicht bedeutet, dass seine Gutachten auch gelesen werden.

Er ist ein Mann, der hart am Wind segelt, sagt ein früherer Kollege über Thomas Koblenzer. Der Anwalt, der seine Kanzlei an der schicken Düsseldorfer Königsallee führt, ist spezialisiert auf das deutsche Steuerrecht. Nur wenige Gehminuten von Prachtläden wie Luis Vuitton und Prada entfernt, plant Koblenzer seine „Strukturen“, wie er sie nennt. Sich selbst nennt er Steueroptimierer. Koblenzer ist ein viel gefragter Mann.

Umso seltsamer scheint deshalb das, was Koblenzer angeblich in der Sache Cum-Ex widerfuhr. Auch hier ist er natürlich Experte. Die Idee, dass eine Kapitalertragssteuer einmal abgeführt, aber mehrfach vom Finanzamt erstattet wird, hält er nicht für illegal, sondern für einfallsreich. Er selbst bürgte mehrfach mit seiner Expertise dafür, ob diese Idee in einer bestimmten „Struktur“ richtig umgesetzt wurde oder nicht.

Am 25. März 2010 schrieb Koblenzer ein Gutachten für Erwin Müller, den Ulmer Drogeriekönig und Milliardär. Soviel ist sicher, weil dieses Gutachten inzwischen unter anderem bei der Staatsanwaltschaft Köln liegt. „Steuerliches Gutachten im Auftrag von Herrn Erwin Müller“ steht auf dem Titel. Darunter steht: „Vorgelegt von Dr. Thomas Koblenzer.“

Auf rund 70 Seiten führte Koblenzer dann aus, warum ein privates Investment von Erwin Müller in einen Cum-Ex-Fonds steuerrechtlich untadelig war. Kapitel fünf trug die Überschrift: „Kein Missbrauch rechtlicher Gestaltungsmöglichkeiten.“ Seitenlang erklärte Koblenzer, warum es rechtlich nicht zu beanstanden war, wenn die an einer Struktur Beteiligten mehrere Anträge auf Steuererstattung stellten, auch wenn nur einer von ihnen die Steuer wirklich abführte.

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Doch so wichtig das Gutachten, auf dem sein Name steht, auch war, gelesen hat er es nicht, sagt der Drogeriekönig heute. Für ihn ist das wesentlich. Einerseits will Müller sich selbst nicht dem Vorwurf des Steuerbetrugs aussetzen, andererseits klagt Müller gegen seine Bank J. Safra Sarasin, von der er behauptet, sie habe ihm die Steuersparmodelle angedreht, ohne ihn über deren Machart und Risiken aufzuklären. Müller will die Millionen, die er mit dem Cum-Ex-Deal verlor, nun von der Bank zurück.

Koblenzer äußert sich dazu nicht. Für ihn ist nicht wichtig, ob ein Mandant seine Gutachten liest, sondern dass er sie bezahlt. Koblenzer hat seine Meinung zu Cum-Ex-Geschäften auch bis heute nicht geändert. „Es gab eine Gesetzeslücke, die allen bekannt war“, erklärte der Steueranwalt später. Dass diejenigen, die diese Lücken ausnutzen, nun nachträglich kriminalisiert würden, das sei der eigentliche Skandal in der Sache Cum-Ex, sagte Koblenzer. Diese Aussage wollte er als generelle Feststellung verstanden wissen, nicht als Kommentar zu Erwin Müller. Über Mandanten spreche er nicht.

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