Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.11.2013

17:59 Uhr

Curanum-Mutter

Korian wird Europas größter Altenheimbetreiber

Der französische Altenheimbetreiber Korian wird nach einem Milliarden-Deal der Marktführer auf dem europäischen Markt. Die Übernahme des Konzern Medica steht kurz bevor. Die Aktionäre reagieren unerwartet.

Bewohner eines Altenheimes: Der größte Betreiber von Seniorenheimen ist künftig Korian. dpa

Bewohner eines Altenheimes: Der größte Betreiber von Seniorenheimen ist künftig Korian.

ParisDer französische Mutterkonzern des deutschen Altenheimbetreibers Curanum kauft für 1,1 Milliarden Euro einen heimischen Konkurrenten und steigt so zum Marktführer in Europa auf. Die Übernahme von Medica durch die Curanum-Mutter Korian solle über einen Aktientausch vollzogen werden, teilten die beiden Unternehmen am Montag mit. Für die Fusion zahlt Korian gegenüber dem Medica-Schlusskurs vom Freitag einen Aufpreis von 15 Prozent.

Der fusionierte Konzern kommt auf 600 Einrichtungen mit fast 40.000 Mitarbeitern. Er wird Marktführer in Frankreich, Deutschland und Belgien und die Nummer zwei in Italien. Der bisherige französische Branchenprimus Orpea wird gemessen am Umsatz auf den zweiten Rang verdrängt.

Wie ausländische Gesundheitssysteme organisiert sind

Ausgangspunkt Deutschland

Auch andere Gesundheitssysteme sind nicht perfekt, aber oft sind Risikomanagement oder Patientenrechte besser organisiert. Ein Überblick über staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr) und die unterschiedlichen Ansätze in den Gesundheitssystemen der Ländern.
Ausgaben in Deutschland pro Kopf: 4218 Dollar

Österreich

Staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr): 4289 Dollar

Fortschrittlicher Ansatz: Ein Fonds für Arzthaftungsgeschädigte zahlt, wenn die Kausalität zwischen Schaden und Fehler nicht komplett nachweisbar ist.

Frankreich

Staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr): 3978 Dollar

Fortschrittlicher Ansatz: Nicht nur Fehler, sondern auch die Verhinderung einer Heilungschance führt bereits zu einer Arzthaftung.

Niederlande

Staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr): 4914 Dollar

Fortschrittlicher Ansatz: Rigorose und landesweit einheitliche Hygienevorschriften senken die Zahl der Toten durch Krankenhauskeime.

Großbritannien

Staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr): 3487 Dollar

Fortschrittlicher Ansatz: Höhere Veröffentlichungspflichten der Kliniken, die zudem für jedermann zugänglich und verständlich sein müssen.

Schweden

Staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr): 3722 Dollar

Fortschrittlicher Ansatz: Die Beweislast bei einem Fehler liegt nicht allein beim Patienten, sondern die Haftpflichtversicherung des Arztes hat eine Ermittlungspflicht.

Schweiz

Staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr): 5144 Dollar

Fortschrittlicher Ansatz: Ärzten droht keine Klage, wenn sie Todkranken auf deren Wunsch beim Suizid mit einem Betäubungsmittel beistehen. In Deutschland werden sie oft gegen ihren Willen weiterbehandelt.

USA

Staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr): 7960 Dollar

Fortschrittlicher Ansatz: Die Vorschriften zum Risikomanagement und zur Fehlerauswertung sind wegen der hohen Schadensersatzzahlungen sehr streng. Krankenhäuser werden im Extremfall von Staat komplett geschlossen.

Japan

Staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr): 2878 Dollar

Fortschrittlicher Ansatz: Das Gericht fällt Urteile zum Schadensersatz auf Basis der Aussagen der beiden Beteiligten, ohne externen Sachverständigen. In Deutschland ist der Sachverständige nötig, aber oft nicht ausreichend geschult.

Korian war bereits vor der Curanum-Übernahme in diesem Jahr in Deutschland als Betreiber der Phoenix-Seniorenheime aktiv. Der deutsche Gesundheitsmarkt ist der größte in Europa und dürfte in den kommenden Jahrzehnten wegen der alternden Bevölkerung wachsen. Für Frankreich erwarten Statistiker, dass die Zahl der über 60-Jährigen bis 2050 auf 23,6 Millionen steigt. Im vergangenen Jahr waren es 15,6 Millionen.

Korian-Aktionäre zeigten sich von den Plänen nicht begeistert: Das Papier sank bis zum Nachmittag um 2,4 Prozent. Dagegen zogen Medica-Aktien um 4,2 Prozent an.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×