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19.12.2016

17:14 Uhr

Cyrus Mistry

Ehemaliger Tata-Chef gibt überraschend den Kampf um seine Posten auf

Der Führungsstreit bei einem der schillerndsten indischen Konzerne kommt zu einem plötzlichen Ende. Zwei Monate kämpfte der ehemalige Tata-Chef Cyrus Mistry um seine Posten. Nun scheint er genug zu haben.

Nach einem zweimonatigen Gezerre um die Führungsposten mehrere Tochterfirmen von Tata gibt Ex-Chef Cyrus Mistry plötzlich auf. Reuters

Tata-Sitz in Mumbai

Nach einem zweimonatigen Gezerre um die Führungsposten mehrere Tochterfirmen von Tata gibt Ex-Chef Cyrus Mistry plötzlich auf.

MumbaiDer Führungsstreit beim indischen Großkonzern Tata scheint nach fast zweimonatiger Schlammschlacht beigelegt zu sein. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Muttergesellschaft Tata Sons, Cyrus Mistry, deutete am Montagabend (Ortszeit) überraschend an, sich auch aus der Führung aller börsennotierten Tochterfirmen zurückzuziehen.

Mistry hatte erst Ende 2012 die Nachfolge des Firmenpatriarchs Ratan Tata bei dem 148 Jahre alten Unternehmen angetreten, als dieser sich nach zwei Jahrzehnten von der Konzernspitze zurückgezogen hatte. Am 24. Oktober wurde Mistry überraschend wieder aus der Führung von Tata Sons entfernt und vorläufig durch Ratan Tata ersetzt.

Um Mistry auch aus der Führungsebene der zahlreichen Tochterfirmen zu entfernen, hatte Tata seitdem reihenweise außerordentliche Aktionärsversammlungen einberufen. Obwohl Mistry die Abstimmungen verlor, kämpfte er weiter und lieferte sich auch verbal eine Schlammschlacht mit seinem Vorgänger.

Er warf Ratan Tata unter anderem vor, über die Hintergründe seiner Entlassung zu lügen und die Aktionäre zu manipulieren. Tata habe sich geweigert, Kontrolle über seine Firmen abzugeben und so die Autorität der neuen Führung untergraben. Ein Sprecher des Unternehmens sagte, Mistry habe versucht, der Muttergesellschaft Tata Sons Einfluss auf ihre Beteiligungen zu entziehen und stattdessen selbst mehr Kontrolle über die Gruppe zu gewinnen.

Geschichte des Tata-Imperiums

Gründung

Die Anfänge des Mischkonzerns reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück: Jamsetji Nusserwanji Tata gründete 1868 eine Handelsfirma. Der damals 29-Jährige war zuvor in der Bank seines Vaters tätig. Schnell expandierte er in anderen Branchen – so eröffnete Tata 1877 eine Textilfabrik, 1903 das heute legendäre Taj-Mahal-Hotel in Bombay. Der Gründer starb 1904 in Deutschland.

Rasche Expansion

Dorab Tata, der ältere Sohn des Gründers, übernahm 1904 die Führung des Unternehmens. Er ließ die erste Eisen- und Stahlfabrik in Indien bauen. 1915 begann die hydroelektrische Stromerzeugung mit einem Kraftwerk bei Bombay. Bis zu seinem Tod 1932 drang die Unternehmensgruppe auch in neue Geschäftsfelder wie die Produktion von Seife und Waschmittel vor.

Das Kongloremat wächst

Einige Jahre führte Nowroji Saklatwala die Gruppe – der einzige in der langen Geschichte des Unternehmens, der nicht den Namen Tata trug. Im folgte 1983 JRD Tata, der 53 Jahre im Amt blieb. Er expandierte in zahlreiche neue Branchen wie Chemie, Auto, Tee, Unternehmensberatung und Industrie – allerdings größtenteils innerhalb Indiens. Außerdem baute er eine Fluglinie auf, die allerdings später verstaatlicht wurde. 1993 starb der umtriebige Unternehmer.

Der Konzern wird global

Ratan Tata machte den indischen Riesen zu einem internationalen Konzern – vor allem dank vieler Zukäufe. Die Gruppe kaufte die führende britische Teemarke Tetley, beteiligte sich am südkoreanischen Lkw-Bauer Daewoo Commercial Vehicle und übernahm diverse Stahlhersteller in aller Welt. 2008 gingen auch die britischen Traditionsmarken Jaguar und Land Rover an die Inder.

In einer Videobotschaft an die Aktionäre sagte Mistry über seinen plötzlichen Rückzug aus dem Machtkampf: „Für 50 Jahre hat meine Familie das Unternehmen gestützt und beschützt. Den Tatas hat mein Sturz nichts eingebracht. Ich werde mich aus dem Forum der außerordentlichen Aktionärsversammlungen zurückziehen und auf eine größere Plattform gehen, wo das Gesetz noch gilt.“

Die Beteiligungsgesellschaft Tata Sons, die einen Großteil der Aktien der einzelnen Unternehmen der Tata-Gruppe hält, gehört zu den größten Privatkonzernen Indiens. Der multinationale Mischkonzern hat weltweit mehr als 660.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr Umsätze von mehr als 100 Milliarden Dollar. Mistrys Familienunternehmen, die Shapoorji Pallonji Group, ist mit 18,5 Prozent an Tata Sons beteiligt.

Von

dpa

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