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29.09.2012

11:25 Uhr

Daimlers erste Vorstandsfrau

Christine Hohmann-Dennhardt: Allein unter Männern

Frühere SPD-Spitzenkraft, ehemalige Bundesverfassungsrichterin – und eine Frau. Christine Hohmann-Dennhardt ist im Vorstand des Autobauers Daimler in vielerlei Hinsicht eine Exotin.

Christine Hohmann-Dennhardt hat der Korruption den Kampf angesagt. dpa

Christine Hohmann-Dennhardt hat der Korruption den Kampf angesagt.

StuttgartWenn sie die Stimme erhebt, dann schauen entweder alle auf sie. Oder niemand. Christine Hohmann-Dennhardt ist die erste Frau im Daimler-Vorstand – und seit anderthalb Jahren die einzige. „Entweder sind Sie ein Solitär, den man irgendwann im Eifer des Gefechts mal nicht beachtet“, sagt die 62-Jährige über ihre Arbeit in dem Gremium. „Oder Sie sind ein Solitär, auf den alle erst einmal schauen, wenn er die Stimme erhebt.“

Alle Blicke, die auf ihr ruhen – diese Situation war für Hohmann-Dennhardt vor ihrer Zeit bei dem Autobauer gang und gäbe. Hessische Justizministerin, Ministerin für Wissenschaft und Kunst und schließlich Richterin am Bundesverfassungsgericht – die promovierte Juristin und frühere SPD-Politikerin stand während ihrer Karriere schon häufig in der Öffentlichkeit.

Wenn sie damals von Kapitalrenditen oder der Streichung von Arbeitsplätzen sprach, tat sie das allerdings nicht als Mitglied eines Konzerns, sondern eher als Kritikerin. Einst trat sie sogar für die „Reaktivierung des Sozialstaats“ ein.

Und nun also Daimler. Als Bundesverfassungsrichterin wandte Hohmann-Dennhardt sich gegen den sogenannten Großen Lauschangriff. Bei dem Autokonzern betreut sie ausgerechnet ein Hinweisgebersystem, bei dem Mitarbeiter Fehlverhalten ihrer Kollegen melden können. Eine Wende um 180 Grad?

Hohmann-Dennhardt sieht das anders. „Ich hatte nicht geplant, in die Wirtschaft zu gehen“, räumt sie ein. Aber: „Ich habe mich in meinem Berufsleben intensiv mit rechtlichen Steuerungssystemen beschäftigt“, erklärt sie. „Als mich Dieter Zetsche gefragt hat, ob ich diese Aufgabe bei Daimler übernehmen würde, habe ich gedacht: Das ist eine Chance zu sehen, wie funktioniert eine solche Steuerung in einem Unternehmen.“

Letztlich ist die zweifache Mutter ihren Überzeugungen auch bei Daimler treugeblieben, wie sie erklärt. Sie sorge dafür, dass Profit „auf anständige Art und Weise“ erwirtschaftet werde.

Hohmann-Dennhardt ist für den Bereich Integrität und Recht zuständig. Sie wacht quasi darüber, dass alle Mitarbeiter und Geschäftspartner sich an die Spielregeln des Unternehmens halten. Vorausgegangen war ein Rechtsstreit um jahrelange Schmiergeldzahlen bei Daimler.

Braune Haare, Pagenschnitt, Kostüm, perfektes Make-up. Die 62-Jährige wirkt feminin und zugleich doch wie eine, die wenn nötig die Ellbogen ausfahren kann. Mit der eingangs beschriebenen Situation allein unter Männern könne sie umgehen, betont sie. „Ich kenne sie lange – und ich habe kein Problem damit“.

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