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26.02.2013

12:00 Uhr

DAK-Gesundheitsreport

Nichts geht mehr

VonDana Heide

Noch nie waren so viele Deutsche unfähig zu arbeiten, weil sie psychisch krank sind. Liegt das am gestiegenen Druck in den Unternehmen oder daran, dass Ärzte immer häufiger die Diagnose Depression stellen?

Akte eines Patienten mit Verdacht auf Depression: Die Krankenkassen vermelden eine steigende Anzahl von psychisch erkrankten Arbeitnehmern. dpa

Akte eines Patienten mit Verdacht auf Depression: Die Krankenkassen vermelden eine steigende Anzahl von psychisch erkrankten Arbeitnehmern.

Düsseldorf Es ist ein trauriger Rekord: Laut dem heute veröffentlichten Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK ist die Anzahl der Fälle von Arbeitsunfähigkeit wegen psychischer Erkrankungen in den vergangenen 15 Jahren um 131 Prozent gestiegen. Während 1997 zwei Prozent, also etwa jeder fünfzigste Erwerbstätige pro Jahr wegen einer psychischen Erkrankung mindestens einmal krank geschrieben war, sei die Betroffenenquote inzwischen auf 4,5 Prozent gestiegen, heißt es in dem Bericht. Demnach hatte 2012 etwa jeder 22. Erwerbstätige eine oder mehrere Arbeitsunfähigkeiten aufgrund einer psychischen Diagnose.

Auch ein Bericht der Krankenkasse AOK hatte im August einen Anstieg der psychischen Erkrankungen als Grund für Arbeitsunfähigkeit bei seinen Mitgliedern beobachtet. Seit 1994 sei die Zahl der psychischen Erkrankungen um 120 Prozent angestiegen, heißt es in der Studie.

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Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uni Leipzig, über den Unterschied zwischen Burnout und Depression und wie man mit psychischen Krankheiten umgehen sollte.

Vor allem Frauen waren laut den Zahlen der DAK betroffen. Während unter den Männern 3,3 Prozent im Jahr 2012 eine Arbeitsunfähigkeit wegen einer psychischen Diagnose hatten, betrug die Betroffenenquote bei den Frauen 5,9 Prozent.

Die häufigste psychische Erkrankung, die zu Arbeitsunfähigkeit führt, sind Depressionen. Experten warnen jedoch davor, aus den Statistiken zu schlussfolgern, dass Depressionen im Allgemeinen zugenommen haben.

„Es gibt deutschlandweit in der Bevölkerung keine Zunahme an Fällen von Depressionen. Es gibt nur eine Zunahme in den Statistiken“ sagt Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig.

Symptome einer Depression

Müdigkeit

Deutliche Geschlechtsunterschiede finden sich bei der sogenannten unipolaren Depression, von der Frauen doppelt so häufig betroffen sind wie Männer. Diese Form ist gekennzeichnet durch Symptome wie verminderten Antrieb oder gesteigerte Müdigkeit, ...

Depressive Stimmung

... depressive Stimmung in einem ungewöhnlichen Ausmaß, die fast jeden Tag mindestens über zwei Wochen hinweg auftritt, ...

Keinerlei Freude

...Verlust an Interessen, keinerlei Freude mehr an Tätigkeiten, die einem früher mal Spaß und Befriedigung gebracht haben, ...

Selbstvertrauen

...Verlust des Selbstvertrauens und des Selbstwertgefühls sowie Selbstvorwürfe und Selbstzweifel,...

Konzentration

...Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen, Appetitverlust oder gesteigerter Appetit.

(Quelle: Ursula Nuber, "Wer bin ich ohne dich?", Campus-Verlag)

Das sei eine positive Entwicklung, denn es zeige, dass immer mehr Menschen mit ihrer Erkrankung auch zum Arzt gehen und die Erkrankung dann auf der anderen Seite auch richtig diagnostiziert wird.

Das zeige auch eine andere Statistik: In den vergangenen 30 Jahren habe sich die Zahl der Suizide nahezu halbiert. Während sich vor 30 Jahren noch 18.000 Menschen pro Jahr in Deutschland das Leben nahmen, sind es heute noch 10.000.

Kommentare (18)

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mini-me

26.02.2013, 12:30 Uhr

Im eigenen Interesse sind wohl hier die Chefs gefragt. Diese müssen sich offener und aufgeschlossener dem Arbeitnehmer gegenüber zeigen sowie ein offenes Ohr für Probleme haben und dem Mobbing von Arbeitnehmern untereinander den Kampf ansagen.

Gast

26.02.2013, 12:31 Uhr

Wir haben doch Vollbeschäftigung. Die höchste Zahl an Leuten seit Jahrzehten sind zufrieden in einer festen Anstellung, mit einem Gehalt von dem es sich gut leben lässt.
Steuereinnahmen haben ein Rekord-Hoch erreicht, also ist Geld für so wichtige, öffentliche Projekte wie Stuttgart 21 Griechenland und Zypern überhaupt kein Problem mehr.
Die Konsumfreude steigt und Billigprodukte haben hohe Qualität, also kann jeder mit nur ein wenig Geld den Traum eines erfüllten Lebens führen.
Schlechte Arbeitsbedingungen werden aufgedeckt und sofort politisch beiseite geschafft, also geht es auch denen wieder gut, die bislang eine schlechte Behandlung ertragen mussten.
Dutzende, ja Hunderte Studien von namenlosen Institutionen, aber stets von renommierten Auftraggebern aufgelegt, belegen doch eindeutig, täglich aufs Neue, wie gut es uns in Deutschland geht.

AxelSiegler

26.02.2013, 12:53 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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