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18.01.2007

13:11 Uhr

Daniel Vasella

Super-Dans große Show

VonOliver Stock

Es passierte einige Monaten vor Daniel Vasellas zehnjährigem Dienstjubiläum bei Novartis. Er trat vor die Investoren, sollte über neue Wirkstoffe und Zukäufe reden, aber alles starrte auf seinen Bart. Der smarte Vasella trägt Bart! Die Zeitungen schreiben Seiten darüber – es ist, als hätte sich Mick Jagger eine Glatze rasiert. Der Chef des größten Schweizer Pharmaunternehmens als Popstar?

In den USA wird Daniel Vasella "Super-Dan" genannt. Foto: dpa

In den USA wird Daniel Vasella "Super-Dan" genannt. Foto: dpa

BASEL. „Das ist nicht kommentierungswürdig“, sagt er selber später. Trotzdem ist der Bart inzwischen wieder ab und wird damit heute als Thema bei der Präsentation des Jahresergebnisses von Wichtigerem verdrängt: Der Aktienkurs des Pharmariesen hat im vergangenen Jahr eher enttäuscht. Jetzt schaut alles darauf, was Novartis in seiner Forschungspipeline hat. Überzeugt der 53-Jährige, „kann die Party losgehen“, sagt ein Börsenhändler in Zürich. Vasellas Ruf als Star der Managerszene wäre gefestigt, als „Super-Dan“, wie er in den USA genannt wird, wenn er sich mal wieder mit schwerer BMW und in Lederkluft ablichten lässt.

Bart und BMW – die Attribute zeigen einen Mann, der sich ungern an dem orientiert, was andere von ihm erwarten. Bei der Psychoanalyse wird der Patient ermutigt, alles auszusprechen, was ihm durch den Kopf geht, um unbewusste Gedanken zu enthüllen. Vasella ist studierter Psychoanalytiker. Mit 34 Jahren hängte er seine Arztkarriere an den Nagel und machte sich auf den Weg, das zu werden, was er heute ist. Ihm habe die Psychoanalyse die Freiheit gegeben, „so zu sein, wie ich bin, statt mich so zu verhalten, wie ich es meiner Meinung oder der Meinung anderer nach tun sollte“, sagt er.

Mit 24 lässt sich Vasella das erste Mal auf Gespräche mit einem Psychoanalytiker ein. Hinter ihm liegen Jugendtage, die von Verlusten geprägt sind. Mit acht Jahren erkrankt er an Tuberkulose und lebt ein Jahr in einem Sanatorium, fern der Familie. Als er zehn ist, stirbt seine Schwester an Krebs. Früh verliert er seinen Vater. Sein Wunsch, Arzt und Psychoanalytiker zu werden, dürfte mit diesen Erfahrungen zusammenhängen.

„Ich wollte unbedingt viel in kurzer Zeit machen“

Sie bewirken auch seinen Entschluss, in die Wirtschaft zu gehen. „Ich war mir bewusst, dass das Leben schnell vorbei sein kann, und ich wollte unbedingt viel in kurzer Zeit machen.“ Mit diesen Gedanken steigt er bei der Pharma-Tochter des Schweizer Sandoz-Konzerns ein. Der Onkel seiner Frau sitzt in der Geschäftsleitung, was ihm die zweite Karriere erleichtert haben dürfte.

Zunächst arbeitet er in den USA, wo er dem Antikrebsmittel Sandostatin zum Erfolg verhilft. Dann, 1996, wird er Chef von Novartis, jenem Konzern, der aus der Fusion von Sandoz und Ciba-Geigy hervorgeht. Er lässt sich gut bezahlen und hält die Diskussion über sein Gehalt ebenso entspannt aus wie die über seinen Bart. Nach der Vereinigung hat der fusionierte Konzern 12 500 Angestellte weniger als vorher. „In der Wirtschaftswelt geht es darum, wie man den Konkurrenten schlagen kann“, glaubt Vasella.

Die, die damals skeptisch waren, erkennen heute, dass Vasella einen schlagkräftigen Konzern geformt hat. Seine Amtszeit hat der Verwaltungsrat, dem er ebenfalls vorsitzt, auf unbestimmte Zeit verlängert.

„Übernahmen sind gut. Sie stören die Routine im positiven Sinn“, heißt seine Devise in der Baseler Konzernzentrale. Die heutige Pressekonferenz dürfte also spannend werden.



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