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01.01.2013

12:03 Uhr

Das bleibt 2013

„Wir müssen das Vertrauen wieder herstellen“

VonLukas Bay, Martin Dowideit, Christof Kerkmann

Bei der Deutschen Bank kämpft Co-Chef Anshu Jain um Ruhm und Ehre, Nokia könnte ein Comeback gelingen und bei Thyssen-Krupp bleibt kaum ein Stein auf dem anderen. Diese Unternehmen werden 2013 für Schlagzeilen sorgen.

Viele Baustellen in Großkonzernen bleiben auch 2013 bestehen. dpa

Viele Baustellen in Großkonzernen bleiben auch 2013 bestehen.

DüsseldorfDie Handelsblatt-Online-Redaktion hat eine subjektive Auswahl getroffen, welche Firmen 2013 reichlich Schlagzeilen liefern dürften.

Gewinnt die Deutsche Bank Vertrauen zurück?

„Die größte Herausforderung ist, den Vertrag mit der Gesellschaft zu erneuern“, sagte Anshu Jain, Co-Chef der Deutschen Bank, kurz vor dem Jahreswechsel dem Handelsblatt. „Wir müssen das Vertrauen in uns wiederherstellen.“ Damit wird Deutschlands größte Bank in diesem Jahr tatsächlich alle Hände voll zu tun haben. Denn sie schleppt etliche Päckchen mit ins neue Jahr.

So hat die Bank den Prozess gegen die Erben des Kirch'schen Medienimperiums im Dezember verloren, in diesem Jahr werden Gutachter den zu zahlenden Schadenersatz festlegen. Es könnte eine Milliardensumme werden. In gleicher Größenordnung liegt eventuell auch die Summe, die von dem Institut in der Libor-Affäre zu begleichen sein wird.

Die Schweizer Großbank UBS hatte für illegale Zinsmanipulationen des wichtigen Referenzsatzes auf Zahlungen in Höhe von 1,16 Milliarden Euro mit US-, britischen und Schweizer Behörden verständigt. Bei anderen Instituten war es ein dreistelliger Millionenbetrag, für die Deutsche Bank steht der Zahltag noch bevor.

Juristische Baustellen der Deutschen Bank

Viele Risiken

Geldwäsche, Steuerhinterziehung, versuchte Strafvereitelung – die Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Deutschen Bank bis in den Vorstand wiegen schwer. Die laufenden Ermittlungen zum Handel mit Luftverschmutzungsrechten sind nicht die einzige juristische Baustelle des größten deutschen Geldhauses. In den ersten neun Monaten 2012 legte der Dax-Konzern 750 Millionen Euro für juristische Risiken zur Seite. Insgesamt schätzt der Konzern seine Rechtsrisiken nach jüngsten Angaben auf 2,5 Milliarden Euro. Ein Überblick.

Emissionsrechte

Das Geschäft mit Zertifikaten zum Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) ist millionenschwer. Seit Jahren ist die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft Umsatzsteuerbetrügern auf der Spur, die den deutschen Fiskus um hunderte Millionen schädigten. Schon 2010 gab es in diesem Zusammenhang eine Razzia bei der Deutschen Bank. Im Dezember 2011 wurden sechs Männer einer internationalen Bande verurteilt, mit denen Deutsche-Bank-Mitarbeiter kooperiert haben sollen. In dem Prozess vor dem Landgericht Frankfurt musste sich die Deutsche Bank vorhalten lassen, den grenzüberschreitenden CO2-Zertifikatehandel erst so richtig in Schwung gebracht zu haben. Die Bank hatte seinerzeit betont, es gebe bisher „keine Hinweise auf eine Verstrickung der Mitarbeiter der Bank“. Am Mittwoch durchsuchten Fahnder erneut Geschäftsräume des Instituts. Gegen fünf Mitarbeiter erging Haftbefehl wegen des Verdachts auf Geldwäsche und versuchte Strafvereitelung, die Zahl der Verdächtigen erhöhte sich auf 25. Die Ermittlungen zum Umsatzsteuerbetrug richten sich auch gegen Konzernchef Jürgen Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause, weil sie die Umsatzsteuererklärung 2009 der Bank unterzeichneten.

Libor

Über Jahre sollen Großbanken den Referenzzins manipuliert haben, um höhere Gewinne zu erzielen. Dass einzelne Mitarbeiter des Dax-Konzerns in den Jahren 2006/2007 an den Tricksereien beteiligt waren, daran gibt es auch nach Angaben der Bank keine Zweifel. Zwei Deutsche-Bank-Mitarbeiter wurden gefeuert. Das Institut schließt nach internen Untersuchungen aber aus, dass das höhere Management an Manipulationen beteiligt war. In die Kritik geraten war der seit Juni amtierende Co-Chef Anshu Jain, der seit Jahren das Investmentbanking verantwortet. Ende November musste sich Rechtsvorstand Stephan Leithner im Bundestags-Finanzausschuss unangenehme Fragen gefallen lassen. Die „London Interbank Offered Rate“ (Libor) gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken gegenseitig Geld leihen. Der Zins dient als Maßstab für Geldgeschäfte in Billionenhöhe.

Kirch

Im Dauerclinch um die Pleite des Medienimperiums des inzwischen gestorbenen Leo Kirch droht der Bank eine möglicherweise teure Niederlage. Das Münchner Oberlandesgericht (OLG) verurteilte die Bank zu Schadenersatz. Die Höhe ist noch offen und soll von Gutachtern ermittelt werden. Der damalige Konzern-Chefs Rolf Breuer hatte Anfang 2002 in einem Interview Kirchs Kreditwürdigkeit angezweifelt. Wochen danach brach der Kirch-Konzern zusammen. Kirch machte Breuer und die Bank zeitlebens dafür verantwortlich. Dessen Erben fordern in dem Münchner Verfahren gut zwei Milliarden Euro Schadenersatz. Breuer nennt das Interview heute einen „Unfall“, einen Vergleich lehnte die Bank ab.

USA

Dort landet die Bank wegen Geschäften aus den Zeiten vor der Finanzkrise 2007/2008 immer wieder vor dem Kadi. Oft geht es um windige Hypothekengeschäfte. So soll das Institut Investoren mit Verbriefungsgeschäften übers Ohr gehauen haben. Im Mai schaffte das Geldhaus durch Zahlung von 202 Millionen US-Dollar eine Klage wegen zwielichtiger Geschäfte der US-Tochter MortgageIT aus der Welt.

Stand: 13. Dezember 2012, Quelle: dpa

Im Investment-Banking baut das Geldhaus Stellen ab, die Postbank wird ebenso wie die ehemalige Privatbank Sal. Oppenheim enger mit der Mutter in Frankfurt verzahnt, denn Sparen ist das Schlagwort des Jahres 2013. Und an der Reputationsfront gibt es einiges zu tun, nicht erst seitdem bei einer großen Razzia Dutzende Polizisten die Konzernzentrale wegen vermutetem Umsatzsteuerbetrug durchkämmten. Und schließlich plagt sich das Institut noch mit Beschuldigungen herum, in der Finanzkrise bestimmte Derivate zu positiv bewertet zu haben – mit dem schönen Nebeneffekt, dadurch nicht Staatshilfe nötig gehabt zu haben.

Dunkle Wolken über der Frankfurter Skyline: Deutsche Bank und Commerzbank hatten ein schwieriges Jahr. Kommen sie 2013 aus den Schlagzeilen? dpa

Dunkle Wolken über der Frankfurter Skyline: Deutsche Bank und Commerzbank hatten ein schwieriges Jahr. Kommen sie 2013 aus den Schlagzeilen?

Commerzbank hofft auf Stabilität durch überarbeitete Strategie

Ein Versprechen hat Commerzbank-Vorstandschef Martin Blessing gegeben. Die Zahl der Filialen des Hauses soll nicht weiter sinken, als es nach der Fusion mit der Dresdner Bank sowieso geplant war. Dass weitere Kürzungen für möglich gehalten werden, hängt damit zusammen, dass die ursprünglichen Ziele der „Roadmap 2012“ bei weitem verfehlt wurden. Die Bank befindet sich daher weiterhin im Dauerumbau. Bei den Filialen soll sich das dadurch bemerkbar gemacht werden, dass sich die Standorte künftig unterscheiden: Nicht jede Filiale wird alle Dienstleistungen anbieten.

Das sind die größten Banken Deutschlands

Platz 12

2011 ist das letzte Jahr, für das die WestLB ihre Jahresbilanz bekannt gab. Die Bank, die zum Großteil dem Land Nordrhein-Westfalen, der NRW.Bank und den Sparkassenverbänden des Rheinlands und Westfalen-Lippe gehörte, ist mittlerweile zerschlagen. Die Zertifikategeschäfte übernahm die Helaba.

Bilanzsumme (2011): 167,90 Milliarden Euro

Platz 11

Die Postbank gehört mittlerweile zur Deutschen Bank und betreut mit rund 19.000 Angestellten fast 14 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 192,00 Milliarden Euro

Platz 10

Die Eurohypo AG ist eine Tochter der Commerzbank  - und ein Milliardengrab. Zehn Jahre nach der Gründung wird die Hypothekenbank nun zerschlagen. Die Eurohypo AG ist nach der WestLB die zweite deutsche Bank, die die Krise nicht überlebt hat. Jedoch ist ihre Bilanzsumme noch um einiges größer als die der Landesbank.

Bilanzsumme (2011): 203,00 Milliarden Euro

Platz 9

Auch die NordLB schaffte es nur mit Staatsmitteln, die Bankenkrise zu überstehen. Die EU-Bankenaufsicht verordnete der Bank der Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ihr Eigenkapitalpolster gehörig aufzustocken.

Bilanzsumme (2011): 227,60 Milliarden Euro

Platz 8

Die BayernLB machte in den vergangenen Wochen mit einem Streit mit der EU-Kommission Schlagzeilen. Die in der Krise taumelnde Bank muss dem Land Bayern fünf Milliarden Euro an Krisenhilfen zurückzahlen.

Bilanzsumme (2011): 309,10 Milliarden Euro

Platz 7

Auch die Hypo Real Estate überlebte die Krise nur knapp: Die Immobilienbank wurde verstaatlicht und lagerte ihre Altlasten in eine Bad Bank aus. Bis 2015 muss die Hypo Real Estate jedoch wieder privatisiert werden, entschied die EU.

Bilanzsumme (2011): 236,60 Milliarden Euro

Platz 6

Die LBBW ist mit einer Bilanzsumme von über 370 Milliarden Euro die größte deutsche Landesbank. Das Geldinstitut gehört fast vollständig dem Land Baden-Württemberg, dem Sparkassenverband des Landes und der Stadt Stuttgart.

Bilanzsumme (2011): 373,10 Milliarden Euro

Platz 5

Die deutsche Unicredit Bank AG, besser bekannt unter ihrem Markennamen Hypovereinsbank, ist ein Tochterunternehmen der größten italienischen Bank, Unicredit. Die italienische Großbank hat gerade eine Umstrukturierung angekündigt: Die Tochtergesellschaften und damit auch die Hypovereinsbank sollen mehr Autonomie bekommen.

Bilanzsumme (2011): 395,70 Milliarden Euro

Platz 4

Zur DZ Bank AG gehören neben der Volksbanken Raiffeisenbanken auch die Bausparkasse Schwäbisch Hall oder die R+V Versicherung. Die DZ Bank AG ist das Zentralinstitut für insgesamt 900 Genossenschaftsbanken mit rund 30 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 405,90 Milliarden Euro

Platz 3

Die Kreditanstalt für Wideraufbau (KfW) ist die deutsche Förderungsbank unter Aufsicht des Finanzministeriums. Sie gibt Kredite an Existenzgründer und Firmen im Rahmen von Förderprogrammen der Bundesregierung und ist für die Finanzierung von Infrastrukturvorhaben zuständig.

Bilanzsumme(2011): 494,80 Milliarden Euro

Platz 2

Die Commerzbank belegt mit einer Bilanzsumme von über 600 Milliarden Euro Platz zwei unter den größten deutschen Banken. Die Bank ist in 52 Ländern vertreten und betreut nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Privat- und eine Millionen Firmenkunden in der ganzen Welt.

Bilanzsumme(2011): 661,80 Milliarden Euro

Platz 1

Die international erfolgreiche Deutsche Bank nimmt unangefochten den ersten Platz der größten deutschen Banken ein. Ihre Bilanzsumme ist rund 3,5 mal so groß wie die der Commerzbank. Die Bank beschäftigt über 100.000 Mitarbeiter – knapp 50.000 davon in Deutschland.

Bilanzsumme (2011): 2164,10 Milliarden Euro

Für den Staat als größten Einzelaktionär heißt es derweil, weiter Geduld zu haben. Denn die Commerzbank plant nicht, alsbald die Staatshilfen zurückzuzahlen. Dafür ist einfach nicht genug Geld da – immerhin sollen aber fällige Zinsen beglichen werden. Die Aktionäre gehen 2013 aber ein weiteres Mal leer aus.

Viel Hoffnung setzt Blessing in die Neuordnung des Privatkundengeschäfts.Doch in diesem Jahr soll zunächst ein Verlust in Kauf genommen werden. Von Juli bis September hatte es einen Überschuss von 41 Millionen Euro gegeben. Bis 2016 soll ein Jahresüberschuss von 500 Millionen Euro drin sein. Der Grundstein muss dafür in diesem Jahr gelegt werden.

Kommentare (7)

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An_Interested_Reader

01.01.2013, 14:44 Uhr

ThyssenKrupp is hardly on a good way to achieve a cultural change so long as the two responsible for the corporate culture are in a position to influence the Tone From The Top. How can a company trumpet that it has released 50 employees (claimed to be managers) yet not name, shame and explain what these 50 did to get the sack. Until faces, positions and infractions are detailled, the matter is as abstract and short lived as the lessons learned from the TK. Anti corruption and cartel elearning training given to employees starting around 2005. Until we see that the board names, shames, and sues individuals for recovery of damages, it seems like The Lesson for the troops becomes "if you can make money for the company do it, profit from it, but if you get caught - unless you are a board-member - you will get a quiet and anonymous exit", and all else remains only more of the same politics and rhetoric at and from Die Firma.

BellaFigura

01.01.2013, 15:02 Uhr

Wir müssen das Vertrauen wiederherstellen !! Klasse Aussage.
Das ist nur notwendig, wenn man es vorher verspielt hat.Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

01.01.2013, 15:14 Uhr

„Die größte Herausforderung ist, den Vertrag mit der Gesellschaft zu erneuern“, sagte Anshu Jain

Also, ich könnte mir eine, aber auch wirklich nur eine einzige Möglichkeit vorstellen, das Vertrauen wieder herzustellen:
Die Verantwortlichen gehen ins Gefängnis. Staat und Justiz müssen der Bevölkerung zeigen, dass Recht und Ordnung auch für das Management der Deutschen Bank gilt. Wenn Ackermann und Fitschen im Knast sind, können wir weitersehen.

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