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08.07.2013

12:48 Uhr

Das Geschäft mit dem Geruch

Wenn der Zug nach Rosenholz duftet

VonJulia Hortig

Bergamotte in der Volksbank, Moschus bei Abercrombie: Mit Düften steigern Unternehmen die Kauflaune der Kunden – und übertreiben es manchmal. Auch bei der Deutschen Bahn könnte eine Duftwolke Einzug erhalten.

Geruchsprobe: Düfte können das Wohlbefinden beeinflussen und den Umsatz ankurbeln. picture alliance / dpapicture-alliance/ dpa

Geruchsprobe: Düfte können das Wohlbefinden beeinflussen und den Umsatz ankurbeln.

DüsseldorfWer die Volksbank in Hamm betritt, wird unauffällig umschmeichelt: Ein kaum wahrnehmbarer, zitronig-frischer, blumiger Hauch liegt in der Luft und verteilt sich sanft in der Lobby, den Beratungszimmern oder den Besprechungsräumen. Der Duft ist eine Mischung aus Bergamotte, gemischt mit Jasmin, grünem Tee und Moschus – und alles andere als ein Zufall. Als „frisch und zurückhaltend“ beschreibt Robert Müller-Grünow den Geruch, den er zusammen mit der Volksbank Hamm entwickelt hat.

Der Geschäftsführer der Firma Scentcommunication in Köln entwirft bereits seit 16 Jahren Duftkonzepte im Kundenauftrag. Er sagt, dass es Finanzdienstleistern nicht einfach nur darum gehe, dass die Räume einen anderen Geruch hätten. Der kaum wahrnehmbare Duft soll den Kunden ein besseres Gefühl geben, sie sollen sich wohlfühlen, ohne vom Geruch belästigt zu werden.

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Nicht nur Banken, vor allem Modehäuser, Hotels und Automarken setzen ihre Hoffnungen auf einen „Corporate Scent“. Von der Hotelfiliale in New York bis zum Parkhaus in Marseille – künstliche Düfte haben öffentliche und private Räume erobert. Schätzungen zufolge macht die Duftmarketing-Branche hohe zweistellige bis niedrige dreistellige Millionenumsätze pro Jahr. Genaue Daten zur Größe des Marktes gibt es nicht, da es keine klare Abgrenzung gibt: Das Eau de Toilette zählt nicht dazu, aber das Duftbäumchen im Gebrauchtwagen? Der Duftspender im WC? Oder doch nur von Firmen eingesetztes Odeur?

Fest steht: Die Verbreitung künstlicher Düfte nimmt zu. Der Autobauer Mercedes hat in seiner neuen S-Klasse ein eigenes Beduftungssystem eingebaut – ein Leasing-Wagen mit dieser Ausstattungsvariante schlägt mit fünf Euro mehr im Monat zu Buche. Wer sich in ein so ausgestattetes Fahrzeug setzt, kann sich – je nach Stimmung – einen passenden Duft dazu aussuchen. Vier Gerüche stehen dem Fahrer zur Auswahl: etwa der eher zitronig-dezente Duft „Freeside Mood“ oder „Nightlife Mood“ mit Holznoten. Das ideale Hilsmittel, um eine Smogwolke in Peking zu ertragen.

Müller-Grünow beobachtet den Dufteinsatz in der Autobranche mit Interesse: Gerade bei Autos seien diese Ansätze besonders spannend, da es hier oft kein konkret wiedererkennbares Geruchsprofil gebe: „Klar riechen Autos. Aber immer anders. Verschiedene Bauteile erzeugen verschiedene Gerüche, die gleiche Marke kann von Modell zu Modell anders riechen. Es gibt kein klares Geruchsprofil.“

Kommentare (7)

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Republikaner

08.07.2013, 14:15 Uhr

Das HB machts den großen Parteien nach: Pille Palle Themen ganz groß aufgemacht und dort, wo die Kacke am dampfen ist, wird geflissentlich ausgeblendet. Traurig!

Etlke

08.07.2013, 14:23 Uhr

Und was passiert mit den Tausenden, die auf Düfte allergisch sind ???

Düfte einzuatmen führt bei denen, zu denen ich gehöre, wie zu einem Asthmaanfall. Keine Luft mehr, husten, usw...

Sie sollten lieber die Züge reinigen - den Teppichboden voller umgekippten Getränken und Schmutz z. B. - als Duftstoffe zu sprühen.

Wolfsfreund

08.07.2013, 15:28 Uhr

"Der kaum wahrnehmbare Duft soll den Kunden ein besseres Gefühl geben, sie sollen sich wohlfühlen, ohne vom Geruch belästigt zu werden."
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Kaum wahrnehmbar!? Was haben die Leute denn für Nasen? Nur zum Brille halten? Ich würde da fluchtartig den Laden verlassen. Ich rieche je nach Windrichtung jemanden, der z.B. Rasierwasser benutzt, noch aus über 100 m Entfernung und einen Raucher noch, wenn er schon längst weg ist. Ich rieche es sogar, wenn sich unterwegs in der Natur die Pflanzenwelt oder Bodenbedeckung ändert oder wenn Rehe oder Wildschweine in der Umgebung sind. Zwangsbeduftung ist für mich ein No Go und ein Kaufhaus, wo man eine Parfümabteilung durchqueren muß, um ins Ladeninnere zu kommen, pure Folter für jemanden mit ausgeprägtem Geruchssinn: Auf gut deutsch, es stinkt bestialisch! Schlimmer sind nur noch billig, aber reichlich parfümierte Zeitgenossen in öffentlichen Verkehrsmitteln.

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