Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.05.2012

09:36 Uhr

David Ebersman

Die mysteriöse Rolle von Facebooks Finanzvorstand

VonAxel Postinett

David Ebersman wollte das Äußerste aus dem Börsengang holen, aber er hat das Rad zu weit gedreht. Der Finanzvorstand von Facebook steht im Zentrum der Insidergerüchte. Jetzt könnte sein Job auf dem Spiel stehen.

Sehr beliebt ist Facebook an der Börse nicht. David Ebersman trägt Mitschuld. AFP

Sehr beliebt ist Facebook an der Börse nicht. David Ebersman trägt Mitschuld.

San FranciscoEs wäre sein Tag gewesen. Über ein Jahr lang hat er im Hintergrund die Fäden gezogen, den drittgrößten Börsengang der US-Geschichte vorbereitet, zäh mit Investoren und Banken verhandelt. Als die Facebook-Aktie am 18. Mai unter weltweiter Beachtung an der Technologiebörse Nasdaq eingeführt wurde, wollte David Ebersman sein Meisterstück abliefern. Aber es kam anders.

Heute steht der Finanzvorstand des Social Network Facebook zwar im Rampenlicht. Aber nicht so, wie er es geplant hatte. Auf einmal muss Ebersman die Frage beantworten, warum aus dem Jahrhundertereignis ein Jahrhundertflop geworden ist. Nach nur drei Tagen liegt das Papier 18 Prozent unter seinem Ausgabepreis, häufen sich die Sammelklagen von Anlegern, ermittelt die Börsenaufsicht und stehen üble Insidergerüchte im Raum. Im Zentrum steht Ebersman.

Das alles passt so gar nicht zu dem Bild des stillen Zahlenmenschen, der eine steile Karriere vorweisen kann. 1969 geboren und in New York zur Schule gegangen, begann der Absolvent der Brown University seine Karriere als Analyst bei Oppenheimer & Co. 1994 ging er zu dem Biotechunternehmen Genentech.

Facebook in Zahlen

Transparenz dank Börsengang

Facebook war lange verschwiegen, wenn es um die Geschäftszahlen ging. Das hat sich mit dem Börsengang im Mai 2012 geändert – nun muss das Unternehmen die Börsianer genau informieren. Die Dokumente offenbaren zudem einen Blick in die ersten Jahre des Sozialen Netzwerks. Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick.

Schon früh profitabel

In den ersten Jahren verlor Facebook zwar Geld – wie fast alle Startups. Doch schon 2009 erreichte das Unternehmen mit einem Gewinn von 229 Millionen Dollar die schwarzen Zahlen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr machte Facebook 7,9 Milliarden Dollar Umsatz aus Werbung und Online-Spielen und verdienten 1,5 Milliarden Dollar Gewinn. Damit hängt das Netzwerk Internet-Urgesteine wie AOL und Yahoo längst ab.

Werbung als wichtigste Geldquelle

Facebook macht sein Geld vor allem mit Werbung. Zuletzt lag der Anteil bei rund 90 Prozent. Der Rest resultiert vor allem daraus, dass Facebook an den Einnahmen aus Online-Spielen beteiligt wird. Im ersten Quartal 2014 schnellte der Umsatz um 72 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar hoch, der Gewinn verdreifachte sich auf 642 Millionen Dollar.

Beispielloses Wachstum

Facebook hat ein beispielloses Wachstum hinter sich: Binnen zehn Jahren ist die Zahl der aktiven Nutzer auf 1,28 Milliarden gewachsen, das entspricht grob der Hälfte der globalen Internet-Population.

Zuckerberg hat die Kontrolle

Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg hat Facebook auch nach dem Börsengang fest im Griff. Er hält Aktien der Klasse B, die zehn Stimmen haben, während Anleger beim Börsengang nur A-Klasse-Aktien mit einer Stimme bekommen haben.

Dominant in aller Welt

Fast die ganze Welt ist blau: In beinahe allen Ländern ist Facebook das größte Soziale Netzwerk – nennenswerte Ausnahmen sind Russland und China, wo lokale Unternehmen dominieren.

Keine Chance für StudiVZ

Auch wenn StudiVZ lange vorne lag, ist Facebook in Deutschland inzwischen die unangefochtene Nummer 1. Nach jüngsten Schätzungen des Portals allfacebook.com hat Facebook hierzulande 27 Millionen aktive Mitglieder.

Riese Datenmengen

Facebook ist ein Daten-Riese: Das Soziale Netzwerk verarbeitet (nach Zahlen aus dem August) jeden Tag mehr als 500 Terabyte. Einen großen Teil machen die 300 Millionen Bilder aus, die die Nutzer hochladen.

Bereits mit 36 Jahren wurde er dort Finanzvorstand. "Viele Analysten, mich inbegriffen, dachten ,Was ist nur los mit Genentech, dass die einen 36-Jährigen zum CFO machen'", zitiert das "Fortune-Magazin" Mark Schoenbaum, Analyst bei ISI-Group. "Aber 30 Sekunden, nachdem er bei unserem ersten Treffen den Mund aufgemacht hatte, da sagte ich mir: Ich verstehe. Er kommt einfach brillant rüber."

So verdiente sich Ebersman Respekt an der Wall Street. Nach der Übernahme von Genentech durch Roche im Jahr 2009 stand Mark Zuckerberg vor seiner Tür. Er hatte seinen CFO gefeuert und suchte Ersatz. Ebersman reizte die Vorstellung, die holzgetäfelte Chefetage eines Großkonzerns gegen den Charme eines rapide wachsenden Internetunternehmens zu tauschen, und sagte zu.

Wer vom Facebook-Börsengang profitiert

Mark Zuckerberg

Der Chef und Gründer von Facebook besitzt knapp 534 Millionen Aktien. Dieser Anteil von 28 Prozent ist etwa 28 Milliarden Dollar wert. Damit wäre der 27-Jährige der viertreichste Amerikaner. Nach einer Aufstellung der Zeitschrift „Forbes“ sind dann nur Microsoft -Gründer Bill Gates, der legendäre Investor Warren Buffett und Oracle -Chef Larry Ellison wohlhabender als Zuckerberg.

Risikokapitalgeber

Jim Breyer und seine Risikokapitalfirma Accel Partners besitzen zusammen etwa elf Prozent der Facebook-Anteile, die nun etwa 11,4 Milliarden Dollar wert sein dürften. Accel stieg bei Facebook im Jahr 2005 ein, als das Unternehmen mit 100 Millionen Dollar bewertet wurde. Das Unternehmen investierte damals 12,7 Millionen Dollar.

Einzelinvestoren

Weitere wichtige Eigner sind die russische Gesellschaft DST Global mit sieben Prozent, Goldman Sachs mit 3,5 Prozent, der Investor Peter Thiel mit zwei Prozent und die Firma T. Rowe Price mit einem Prozent. Der Internetpionier Marc Andreessen und seine Beteiligungsfirma Andreessen Horowitz besitzen einen kleinen Teil von Facebook.

Die Rendite der Eigner hängt davon ab, wann sie die Anteile kauften. Investor Thiel dürfte prozentual den größten Gewinn gemacht haben: Er stieg schon im Jahr 2004 ein und investierte damals 500.000 Dollar.

Mitbegründer

Facebook-Mitbegründer Dustin Moskovitz besitzt etwa sieben Prozent des Unternehmens. Ein weiterer Mitbegründer, Eduardo Saverin, hielt früher einen geschätzten Anteil von fünf Prozent, taucht aber in der Liste der wichtigsten Aktionäre nicht mehr auf. Saverin hat wahrscheinlich einen großen Teil seiner Aktien verkauft.

Angestellte

Auch für viele der 3200 Facebook-Angestellten dürfte sich der Börsengang auszahlen, weil ihre Arbeit auch mit Aktienoptionen vergütet wird. Autohäuser, Immobilienmakler und Luxushändler im Silicon Valley reiben sich schon die Hände. Manche Facebook-Mitarbeiter wollen ins All fliegen. Andere planen archäologische Expeditionen zu Maya-Ruinen.

Familienmitglieder

Aus dem Antrag für den Börsengang geht hervor, dass auch Verwandte von wichtigen Facebook-Managern großzügig mit Aktien bedacht wurden. So unterstützte Zuckerbergs Vater Edward die noch junge Firma in den Jahren 2004 und 2005 mit Geld und bekam eine Option zum Kauf von zwei Millionen Aktien. Die Frist zur Ausübung ließ er aber verstreichen. Im Dezember 2009 erhielt Edward Zuckerberg aber schließlich zwei Millionen Anteilsscheine von Facebook.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

pappus

25.05.2012, 10:41 Uhr

auch interessant:

http://www.blacklistednews.com/Facebook_Co-Founder_Saverin_Gives_Up_U.S._Citizenship_Before_IPO/19429/0/38/38/Y/M.html

Account gelöscht!

25.05.2012, 13:24 Uhr

Der 38 USD Schuss geht zu 100% nach hinten los. Die negativen Meldungen über den Börsengang von Facebook führen dazu, dass die Nutzer vermehrt darüber informiert werden, was mit ihren Daten geschieht und wie man die Werbung am besten ausblendet (NoScript, AdBlock, ...). Zudem ist jetzt spätestens auch dem Kleinanleger bewusst, was "Gewinn pro Aktie" ist und welche Werte in etwa vernünftig sind.
Man stelle sich die Meldungen vor, hätte FB die Anzahl der Aktien erhöht und zu $34 verkauft.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×