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26.01.2011

14:00 Uhr

Davos

Zauberberg der Langsamkeit

VonTorsten Riecke

Einmal im Jahr verwandelt sich Davos in ein Kongresszentrum. Dann passt sich das Idyll dem hohen Tempo der Macher und Manager an. Wer die Ruhe und Gelassenheit der Schweizer Bergwelt wiederentdecken will, muss hinauf auf die Schatzalp fahren.

In Davos geht es in diesen Tagen hektisch zu - fast überall zumindest. Quelle: dapd

In Davos geht es in diesen Tagen hektisch zu - fast überall zumindest.

DavosUnruhig schaut Michael Mack auf die Uhr. Der Chef des Düngemittelkonzerns Syngenta möchte das Gespräch beenden und zurück ins Kongresszentrum. Die nächste Veranstaltung des World Economic Forum(WEF) wartet bereits. Auch bei Paul Achleitner geht es Schlag auf Schlag. Der Allianz-Vorstand empfängt die ersten Gäste zum Frühstück um acht Uhr.

Nach 45 Minuten sind die Kaffeetassen noch halbvoll, doch Achleitner erhebt sich. Die nächsten Besucher stehen schon vor der Tür im vornehmen Hotel Belvédère. Straff durchorganisiert hat auch Brian Moynihan seine Agenda in Davos. Damit der Chef der Bank of America die 30 Minuten mit seinen europäischen Gästen optimal nutzt, redet er etwas schneller. Drei Beispiele vom WEF 2010. In diesem Jahr wird es nicht weniger hektisch zugehen.

Als WEF-Gründer Klaus Schwab vor 41 Jahren die Idee hatte, die globale Elite nach Davos einzuladen, schwebte ihm ein Brainstorming in intimer Atmosphäre vor. Ein Rückzug in die Schweizer Berge, um seine Gedanken und dadurch neue geistige Kraft zu sammeln. Ganz so wie Hans Castorp, der Held in Thomas Manns Jahrhundertroman "Der Zauberberg". Castorp kam ursprünglich nur für drei Wochen nach Davos, um seinen lungenkranken Vetter zu besuchen. Über seine Gespräche über Politik, Philosophie und die Wirrungen des Lebens vergaß er die Zeit und blieb sieben Jahre.

Dass heute jemand der rund 2500 WEF-Teilnehmer die Zeit vergisst, ist die große Ausnahme. Davos ist längst zu einem weiteren Geschäftstermin im Kalender der Lenker von Wirtschaft und Politik geworden. "Viele Manager verhalten sich hier genauso wie im Büro", sagt Hans Peter Michel, der als Davoser Landammann quasi der Gastgeber des Elitegipfels ist.

Urbane Geschäftigkeit passt eigentlich nicht so recht zum Image des einst abgeschiedenen Bergortes. Erst die kleine rote Rhätische Bahn, die sich in gut anderthalb Stunden mit einer Spurweite von einem Meter von Landquart durch die Berge hinauf zur höchstgelegenen Stadt Europas schlängelt, hat Davos auf 1560 Meter Höhe zu einer Bergmetropole gemacht. Seitdem versuchen die Tourismusmanager einen Spagat zwischen Kongressstadt und Bergidyll.

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