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07.06.2013

06:57 Uhr

Dax-Chefs im Rhetorik-Check

Knapper Sieg im Rednerring

VonClaudia Obmann

ExklusivDie Chefs der 30 größten deutschen Aktiengesellschaften haben auf der Hauptversammlung zu ihren Anteilseignen gesprochen. Unser Redner-Ranking präsentiert eine neue Nummer eins – und weitere Überraschungen.

Ende April sprach BASF-Chef Kurt Bock zu den Aktionären. Er schaffte es auf den ersten Rang des Rhetorik-Rankings. dpa

Ende April sprach BASF-Chef Kurt Bock zu den Aktionären. Er schaffte es auf den ersten Rang des Rhetorik-Rankings.

DüsseldorfDas war knapp: BASF-Chef Kurt Bock ist der neue Spitzenredner im Kreis der 30 DAX-Vorstandsvorsitzenden. Mit einem Zehntel Punkt Vorsprung in Sachen Verständlichkeit löste der studierte Betriebswirt in dieser Hauptversammlungssaison Telekom-Vorstandschef René Obermann als redegewandtesten Top-Manager Deutschlands ab.

Den Chef des Chemie-Multis hatte niemand als ernsthaften Konkurrenten auf dem Schirm, denn bei seiner Rede-Premiere im letzten Jahr hatte er es im exklusiven Rhetorik-Ranking des Handelsblatts und der Uni Hohenheim gerade mal auf Platz 18 geschafft. Doch schon zur diesjährigen Hauptversammlungs-Halbzeit, nachdem die ersten 15 Konzernlenker ihre Ansprache an die Aktionäre gehalten hatten, erwies sich Bock, der Schnellsprecher aus Ostwestfalen, als Favorit auf einen der Top-Plätze.

Kurt Bock hat sich diesmal sehr viel besser als bei seinem Rede-Debut auf sein Publikum eingestellt. Von der Wortwahl bis zum Satzbau, von der Redestruktur bis zum Vortragstempo - sein 34-minütiger Auftritt im Mannheimer Kongresscentrum Rosengarten stimmte: Kurz und knackig bekräftigte er  Umsatz- und Wachstums-Prognosen und versprach den Aktionären erneut, „die Dividende jedes Jahr zu erhöhen oder zumindest konstant zu halten“. Wie er das mit Innovationen und Investitionen rund um Pflanzenschutz, Kunststoff und Energie schaffen will, erläuterte er ebenfalls klipp und klar.

Flankiert wurde sein Vortrag gerade mal von einem Dutzend Folien auf der Großleinwand hinter ihm. Sein Tonfall verschärfte sich, als er über die teure Energiewende sprach, und anmahnte, dass es für die deutschen Industrieunternehmen nicht noch schwerer werde dürfe, international konkurrenzfähig zu bleiben. Die Investoren applaudierten zufrieden. Nicht wenige waren nach Bocks Rede erleichtert, weil zuvor mehrere europäische Chemiekonzerne vor einem schwachen Jahresauftakt gewarnt hatten. 

Die besten Redner 2013

Platz 10

Martin Winterkorn, Volkswagen

Platz 9

Reinhard Ploss, Infineon

Platz 8

Elmar Degenhart, Continental

Platz 7

Ulf Schneider, Fresenius

Platz 6

Dieter Zetsche, Daimler

Platz 5

Johannes Teyssen, Eon

Platz 4

Norbert Reithofer, BMW

Platz 3

Peter Terium, RWE

Platz 2

Deutsche Telekom, René Obermann

Platz 1

Kurt Bock, BASF

Quelle

Rhetorik-Ranking von Handelsblatt und Universität Hohenheim (Detail-Ergebnisse hier)

Ein gelungener Auftritt also. „Bock hat nur wenig Fachchinesisch verwendet, dafür aber lebendige Beispiele gebracht. Das Publikum spürte, dass die Veranstaltung für ihn kein lästiger Pflichttermin ist“, sagt Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider über die solide Leistung der neuen Nummer eins.

Das Computerprogramm des Hohenheimer Kommunikationswissenschaftlers ermittelt jedes Jahr, wie verständlich die Reden der Vorstandschefs der größten börsennotierten Unternehmen ausfallen. Es prüft jeweils Satzbau, Fremdwortanteil, Abstraktheitsgrad, Wort- und Satzlängen und bewertet dann jede Rede auf einer Verständlichkeitsskala. Diese reicht von Null - der Vortrag ist etwa so unverständlich für den Durchschnittsbürger wie eine Doktorarbeit - bis 10. Das entspricht dem besonders hohen Verständlichkeitsgrad von Radionachrichten. Diese „A-Note“ bewertet wie im Tanzsport die „Pflicht“. Ergänzend dazu hat Brettschneider eine Checkliste entwickelt, mit der der Stil eines Redners bewertet wird. In der „Kür“ können die Redner in zwei Teilbereichen „Relevanz und Aufbau“ sowie „Präsentationsform“ insgesamt 100 Punkte für ihre B-Note holen.

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