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15.03.2013

13:46 Uhr

Dehoga-Zahlen

Hotels profitieren vom Städtereisen-Boom

Das Gastgewerbe verzeichnet ein Umsatzplus von 2,8 Prozent. Dabei kommt der Trend hin zu Deutschlandtourismus den Hoteliers zugute. Caterer wachsen enorm, Restaurants und Kneipen dagegen schwächeln.

Zimmermädchen macht Bett in einem Kölner Hotel. dpa

Zimmermädchen macht Bett in einem Kölner Hotel.

BerlinDeutschlands Hoteliers und Gastronomen sind mit einem leichten Umsatzplus ins Jahr gestartet. Die Branche setzte im Januar 2,8 Prozent mehr um als vor Jahresfrist und schaffte damit das größte Plus seit August. Bereinigt um Preissteigerungen blieb aber nur ein Plus von 0,3 Prozent. Der Branchenverband Dehoga sprach am Freitag von einem gutem Auftakt. "Die Menschen lassen sich die Lust am Ausgehen trotz wirtschaftlicher Krisenmeldungen nicht vermiesen", sagte Dehoga-Präsident Ernst Fischer. Als positive Überraschung bezeichnete er, dass der Januar-Umsatz nominal um 0,3 Prozent über dem traditionell starken Monat Dezember mit dem Weihnachtsgeschäft lag.

Die größten Bettenburgen der Welt

Starwood

Zum Hotelbetreiber Starwood gehören neben Meridien auch die Marken Sheraton, Westin und Four Points. In 1100 Hotels warten 315.000 Zimmer auf Gäste.

Choice

In den 6100 Hotels von Marken wie Comfort, Quality und Clarion werden den Gasten 490.000 Zimmer angeboten.

Hilton

Zu Hilton gehört neben den Hilton Hotels selbst auch die Marken Conrad und Waldorf-Astoria. In 3000 Häusern bietet der Konzern 500.000 Zimmer.

Accor

Der Hotelbetreiber Accor ist Deutschlands Nummer eins. In der Bundesrepublik gibt es 330 Hotels, 3.516 sind es weltweit. In diesen Hotels stehen 450.000 Zimmer zum Übernachten bereit. Zum Konzern gehören außer Novotel auch ibis, Mercure, Softitel und Formule 1.

Wyndham

Es hat zwar nicht die meisten Zimmer zur Verfügung, dafür aber mit 7200 Hotels die mit Abstand meisten Gebäude. Zu dem Hotelbetreiber gehören unter anderem Days Inn, Ramada und Howard Johnson.

Marriott

Mit 640.000 Zimmern ist Marriott der zweitgrößte Hotelbetreiber der Welt. Auf Marken wie Marriott, Renaissance und das berühmte Ritz-Carlton verteilen sich 3700 Hotels.

IHG

Zur IHG gehören neben InterContinental auch die Marken Holiday Inn und Crowne Plaza. In 4500 Hotels stehen Besuchern rund 660.000 Zimmer zur Verfügung. Damit ist IHG der größte Hotelbetreiber weltweit.

Das Gastgewerbe hatte 2012 seinen Umsatz um 2,2 Prozent gesteigert und damit das dritte Jahr in Folge Wachstum verbucht. Der Dehoga peilt für 2013 ein Plus von 1,8 Prozent an. Sorgenkind der Branche ist die Gastronomie, die den anderen Sparten - gemessen am Umsatz - hinterherhinkt. Die Restaurants und Kneipen konnten ihre nominalen Erlöse auch im Januar nur unterdurchschnittlich um 2,2 Prozent steigern, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das größte Plus schafften Caterer und sonstige Verpflegungsdienstleister mit 4,3 Prozent.

Die verrücktesten Übernachtungsmöglichkeiten

Gefängnis

Im ehemaligen Untersuchungsgefängnis in Kassel konnten Gäste bis Ende 2012 ihre Nächte verbringen. Draußen auf den Mauern windet sich Stacheldraht, drinnen reiht sich auf den mit Linoleum ausgelegten Gängen eine Zelle an die nächste: eng, mit brüchigen Fliesenböden und Neonröhrenbeleuchtung. Duschen gibt es nur auf dem Flur. „Die Leute nehmen das super gut an", sagt Betreiber Gotthard Fels. „Und über 90 Prozent sagen hinterher: Das war eine tolle Erfahrung."

Indoor-Camping

Auf Natur kommt es den Gästen des Indoor-Campingplatzes in Berlin-Neukölln gerade nicht an. Der „Hüttenpalast" ist in die rustikalen Gemäuer einer ehemaligen Möbelfabrik gebaut. Jeweils drei individuell gestaltete Wohnwagen und -hütten stehen in dem lichtdurchfluteten Raum im Halbkreis beieinander. Die Einrichtung wurde im Mai 2011 eröffnet. Auf dem Gelände solle vor allem das Gefühl von Geborgenheit und Zusammenhalt, wie es dies auch auf anderen Campingplätzen gibt, vermittelt werden, sagte Gründerin und Inhaberin Sabine Lorenzen. Eine Nacht im Wohnwagen kostet 65 Euro für zwei Personen.

Amtsgericht

In den Zellen des alten Amtsgerichts im nordrhein-westfälischen Petershagen übernachten pro Saison bis zu 700 Gäste. Stilecht wird dort in metallenen Doppelstockbetten geschlafen und wer will, kann sich sogar einen gestreiften Sträflingsanzug leihen. Die Nacht kostet 25 Euro pro Person.

Eisenbahnwaggons

Auch in Brandenburg können Gäste an ungewöhnliche Orten schlafen. So verbringen Touristen in einem ehemaligen Hafengelände nahe Groß Neuendorf ihre Nächte in umgebauten Eisenbahnwaggons.

Hausboot

In Brandenburg sind auch schwimmende Ferienhäuser auf der Havel oder in der künstlichen Seenlandschaft der Lausitz gefragt.

Kanalrohr

Doch es gibt noch einfachere Schlafstellen: Wer schon immer mal in einem Kanalisationsrohr träumen wollte, kann dies in Bottrop erleben. Das Parkhotel bietet seit 2011 Schlafplätze in fünf Rohren, die auf dem ehemaligen Gelände einer Kläranlage aufgestellt sind. „Anfänglich hatten wir gedacht, dass vor allem Radfahrer kommen würden, die eine günstige Übernachtungsmöglichkeit suchen", sagt Gregor Evers, der für das Hotel der Arbeitsförderungsgesellschaft Gafög zuständig ist. Doch es habe sich herausgestellt, dass der Kreis der Interessenten viel größer sei.

Die Schlafplätze werden von Besuchern aller Altersklassen gebucht. Auch Rentner hätten schon in den Kanalrohren genächtigt. „Sie haben sich Klappstühle mitgebracht, sich abends vor ihre Rohre gesetzt und einen Wein getrunken", berichtet „Hotel-Chef" Evers.

Weinfass

Auch im übrigen Deutschland gibt es zahlreiche außergewöhnliche Betten. In der Nähe des hessischen Rüdesheim, im Hotel „Lindenwirt“, können Touristen bereits seit Anfang der 1970er Jahre in Weinfässern schlafen. Die Innenausstattung ist spartanisch, immerhin hat das Doppelzimmer sogar Dusche und WC. Der Preis ist mit 39 Euro die Nacht in der Hochsaison überschaubar. Ob die Weinprobe inklusive ist?

Ziegenstall

Mit Schlafstätten mitten in der Natur bietet der Wildwald „Vosswinkel“ nahe Menden im Sauerland außergewöhnliche Übernachtungsorte an. Dazu gehört ein Ziegenstall, in dem bis zu 15 Personen Platz finden – samt Zicklein. Wer's luftiger mag, kann die Nacht in einem Hochsitz verbringen.

Baumhaus

In Deutschlands erstem Baumhaushotel in Neißeaue, Deutschlands östlichster Gemeinde direkt an der Grenze zu Polen können die Besucher zwischen acht Baumhäusern als Übernachtungsmöglichkeit wählen. Das Herz des Hotels ist eine Feierplattform, von wo aus die Wipfelstege zu den Baumhäusern führen.

Die „Kulturinsel Einsiedel“ verspricht einen wunderschönen Blick über das Neißetal bis über die polnische Grenze hinaus, den man auch beim morgendlichen Besuch der Höhendusche inklusive Freilufttrocknung genießen könne. Im Baumstammlokal gibt es morgens ein Frühstücksbüffet.

Hotels legten um 3,6 Prozent zu und profitieren vom Geschäft mit Konferenzen und Städtereisen. "Der Deutschlandtourismus wächst", betonte Fischer. Im Januar sei die Zahl der Übernachtungen um zwei Prozent auf knapp 22 Millionen gestiegen. Die gesamten Übernachtungen kletterten 2012 um vier Prozent auf den Rekordwert von 407 Millionen Euro.

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Das Gastgewerbe sieht sich laut Fischer als Jobmotor des Mittelstandes. Denn die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Branche sei von Dezember 2011 zum Dezember 2012 um rund 30.000 oder 3,5 Prozent gestiegen. In der Gesamtwirtschaft habe es nur ein Plus von 1,2 Prozent gegeben.

Von

rtr

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