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08.01.2012

11:14 Uhr

Demografischer Wandel

Jenseits des Jugendwahns

VonDana Heide, Christian Müßgens

Nur wenige Unternehmen schaffen es bisher, auf ältere Kunden einzugehen. Dabei kaufen Konsumenten im Rentenalter heute schon weltweit Waren im Wert von sechs Billionen Euro. Und die Wachstumsraten sind enorm.

Eine Seniorin beim Einkaufen. dpa

Eine Seniorin beim Einkaufen.

DüsseldorfWer im Supermarkt schlecht sehen kann, ist aufgeschmissen. Die Preise sind klein, die Zutatenlisten noch kleiner abgebildet, die Mengenangaben meist selbst für gesunde Menschen schwer zu erkennen. Wer dann noch wackelig auf den Beinen ist und mit dem Tempo der Kassiererin am Laufband nicht mithalten kann, für den wird der Einkauf zum Sport. Und er verliert die Lust am Konsum.

Derzeit geht es vielen älteren Menschen jenseits der 60 Jahre so. Zahlreiche Untersuchungen zeigen: Noch immer haben sich die meisten Unternehmen nicht auf die wachsende Konsumentengruppe der Senioren eingestellt. Dabei repräsentieren ältere Kunden mittlerweile bis zu 30 Prozent der Kaufkraft. Im vergangenen Jahr kauften sie weltweit Produkte im Wert von knapp sechs Billionen Euro. Bis 2020 wird sich diese Summe fast verdoppeln, auf elf Billionen Euro.

Die Verschlafenheit vieler Unternehmen verwundert umso mehr, wenn man eine aktuelle Untersuchung von A.T. Kearny betrachtet. Die Unternehmensberatung befragte 3000 über 60-Jährige in 23 Ländern nach ihren Kaufgewohnheiten. Dabei kam heraus, dass Senioren bei Produkten zwar sehr auf die Qualität achten. Dafür sind sie aber auch eher als junge Konsumenten bereit, höhere Preise zu zahlen. Eine interessante, aber bisher vernachlässigte Kundengruppe also.

„Generell gibt es durch alle Branchen hinweg Nachholbedarf“, sagt Josef Hilbert, Leiter des Forschungsschwerpunktes Gesundheitswirtschaft und Lebensqualität an der Fachhochschule Gelsenkirchen und Mitherausgeber des „Jahrbuches Seniorenwirtschaft 2011“. Fast komplett schlafen zum Beispiel noch der Lebensmitteleinzelhandel und die Hotellerie. Auch die Bekleidungsindustrie verzichtet weitgehend auf die ältere Kundschaft. Abgesehen von ein paar wenigen Exoten haben die großen Textilhändler das Potenzial der älteren Kundschaft noch nicht erfasst, da sind sich Experten einig.

Kommentare (5)

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babsack69

08.01.2012, 11:42 Uhr

Marketing.Wie erzeuge ich Bedürfnisse für Waren,die ich nicht
vermißt habe,bis ich sie nicht kannte.
Wie sähe diese Welt wohl aus,wenn man nur Dinge herstellte,die gebraucht werden,die nicht mehr schädigten(Umwelt wie Konsument)als nützen?
Ist der Marketingfachmann etwas besseres,als der Drogendealer,nur weil seine Ware nicht verboten ist,aber dennoch Suchtpotential und Gesundheitsgefährdung enthält?
Wäre eine Menschheit denkbar,dessen Individuen existieren können,ohne ihre Mitmenschen zu versklaven oder zu übervorteilen?Müssen wir so sein,weil wir nicht anders können,oder könnten wir schon,wenn wir den inneren Schweinehund besiegten?

Jupiter

08.01.2012, 12:05 Uhr

Das Wirtschaftssystem würde zusammen brechen, wenn nur ein geringer Teil der Menschheit das "wahre Leben" erkennen würde. Der größte Teil der Menschheit existiert, aber lebt nicht.

Alte

08.01.2012, 13:27 Uhr

So ein kindisches Zeug wie von babsack69 und Jupiter können nur Wohlstandsmenschen schreiben. Was das Tempo an den Kassen betrifft, ist das eine deutsche Krankheit, gibt es in anderen Ländern nicht.! Aber.... Schuld daran sind eben meist die Kunden, vorwiegend ältere, die keine Zeit haben, warum?

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