Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.01.2007

20:49 Uhr

Demographiefeste Personalpolitik

Männlich, jung, gesucht?

VonAnja Müller

„Stell dir vor, es gibt Arbeit, und keiner geht hin.“ So malen Demographen das düstere Szenario für die Zukunft. Echter Arbeitskräftemangel drohe schon in zehn Jahren, und zwar von der Chefetage bis zur Werkbank, warnen Experten angesichts geburtenschwacher Jahrgänge und Alterung der Bevölkerung. Ihr Rat: Unternehmen sollten schon heute gegensteuern und ihre Personalpolitik auf die Herausforderung ausrichten.

Arbeitskräftemangel: Experten rechnen damit bereits in zehn Jahren.

Arbeitskräftemangel: Experten rechnen damit bereits in zehn Jahren.

DÜSSELDORF. Das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn rechnet damit, dass 2015 bereits 300 000 Fach- und Führungskräfte fehlen werden, die jünger als 50 Jahre alt sind. Das Mannheim Research Institute for the Economics of Aging (MEA) fand heraus, dass der Anteil der über 55-Jährigen Arbeitnehmer bis zum Jahr 2035 von zwölf auf fast 25 Prozent aller Arbeitnehmer steigen wird.

Unternehmen müssten aus Sicht der Forscher vor allem drei Gruppen fördern, die bislang im Management und in der Belegschaft vernachlässigt werden: Ältere, Frauen und Ausländer. „Männlich, jung, gesucht“, lautet bei vielen Firmen derzeit das Motto. Schon heute verzichten Unternehmen „auf die Hälfte der Talente“, moniert der Personalberater Heiner Thorborg. Er meint die Frauen, die in Führungsetagen kaum zu finden sind. Bei Daimler-Chrysler etwa sind nur 9,4 Prozent der Führungskräfte Frauen. „Wollen die Unternehmen im internationalen Wettbewerb bestehen, brauchen sie die Frauen“, ist Thorborg überzeugt.

Auch Ausländer sind in den Unternehmen unterrepräsentiert. Bei den allermeisten Firmen haben weniger als zehn Prozent der Belegschaft einen fremden Pass, fand der Bundesverband der Deutschen Industrie heraus. Das gilt laut IZA auch bei den Führungskräften.

Die Erkenntnis zur Neuorientierung in den deutschen Unternehmen wächst – einige Konzerne gehen das Personalthema unter dem Schlagwort „Diversity Management“ strategisch an. Bei BMW oder Lufthansa arbeiten Referenten und Teams zum Thema demographischer Wandel, der Autobauer Ford leistet sich sogar einen „Diversity Manager“. Auch Henkel-Manager Kasper Rorsted will mehr für die gesunde Mischung der Belegschaft tun (siehe Interview) – er ist derzeit Mitglied der Geschäftsführung von Henkel und wird 2008 den Chefposten des Konzerns übernehmen.

In US-Firmen sind Personalkonzepte schon lange üblich, mit denen möglichst viele gesellschaftliche Gruppen in der Belegschaft des Unternehmens abgebildet werden sollen. Diversity Management sei in rund 90 Prozent der 500 führenden US-Unternehmen fest verankert, erläutert die renommierte Diversity-Expertin Anita Rowe.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×