Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.01.2009

12:08 Uhr

Unternehmen

Der alte Mann und die Schiffe

VonHolger Alich

Mit ein paar Fähren begann er, heute gehört Jacques Saadé eine der größten Reedereien der Welt. Die Krise? Betrifft seine CMA CGM nicht. Sagt er. Wenn er sich da mal nicht täuscht.

MARSEILLE

Das Mittelmeer schimmert blau, auf seiner glänzenden Oberfläche ziehen Frachter vorbei, die meisten versehen mit sechs Buchstaben, die im Reedereigeschäft jeder kennt: CMA CGM. Direkt unter dem Fenster des Chefbüros, zehn Stockwerke tiefer, wird gerade eine Fähre beladen. Ein paar hundert Meter weiter heben Kräne bunte Container aus einem Transportschiff. Irgendwo gen Horizon kreuzt ein Segelschiff unter dem grauen Winterhimmel.

Jacques Saadé hat keinen Blick für das Panorama. Der Gründer und Eigentümer der Reederei CMA CGM kommt herein ist noch so richtig in Fahrt. Gerade hat er das wöchentliche Meeting mit seinen 40 wichtigsten Führungskräften beendet. „Wenn die Betreiber des Suez-Kanals nicht bald mal ihre Preise senken, schicke ich meine Schiffe eben ums Kap der guten Hoffnung!“, poltert er. Um sich zu versichern, drückt Saadé ein paar Knöpfe auf seiner Telefonanlage: „Eine Durchfahrt kostet uns doch 600000 Dollar, nicht wahr?“ – „Ja, Herr Präsident“, schnarrt eine männliche Stimme aus dem Lautsprecher. „Da sehen Sie es: 1,2 Millionen Dollar hin und zurück, das muss billiger werden.“

Die Herren des Suez-Kanal dürften den Ärger des Jacques Saadé überaus ernst nehmen. Schließlich ist der gebürtige Libanese mit dem französischem Pass Herr über 400 Container-Schiffe, von denen die größten 13000 Standardcontainer fassen. Mit einem Gesamttransportvolumen von fast einer Million dieser Stahlboxen führt er die drittgrößte Reederei der Welt. Die deutsche Hapag-Lloyd rangiert an fünfter Stelle.

Doch ausgerechnet jetzt, wo der 71-Jährige seinem Sohn Rodolphe und seine Tochter Tanya mehr Verantwortung im Konzern überträgt, um ihnen eines Tages die Kontrolle ganz zu überlassen, muss Saadé seinen Konzern durch einen schweren Sturm steuern. Die Weltwirtschaftskrise lässt die Nachfrage nach Seefrachtkapazitäten einbrechen. Zugleich tuckern bald Hunderte neue Schiffe auf den Markt und vergrößern so das Angebot. Der Preiskampf tobt.

Doch Jacques Saadé tut so, als ob das seinem Imperium alles nicht anhaben kann, als ruhe die CMA CGM wie eine Insel im Auge des Orkans. Doch ganz so einfach liegen die Dinge auf den Weltmeeren wohl nicht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×