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09.03.2006

09:25 Uhr

Der erste Prozess lief sechs Monate

König Kurt und der Millionenschatz

VonJan Keuchel

Wäre diese Geschichte ein Märchen, sie würde viel freundlicher klingen. Leicht und beschwingt würde sie auf- und abhüpfen, Freud und Leid in kindgerechte Worte kleiden, und am Schluss wären alle glücklich bis an ihr Lebensende.

Oberbürgermeister Kurt Machens: Im ersten Verfahren wurde er freigesprochen, jetzt läuft die Revision in Karlsruhe.

Oberbürgermeister Kurt Machens: Im ersten Verfahren wurde er freigesprochen, jetzt läuft die Revision in Karlsruhe.

HILDESHEIM. Das Zeug dazu hat diese Geschichte, denn sie erzählt von einem König, von reichen Händlern, von einer Schlacht um einen geheimen Schatz, es gibt Intrigen am Hofe und einen unerwarteten Sieg.

Doch diese Geschichte ist kein Märchen, sie ist wirklich passiert, Mitten in Deutschland. Und deshalb muss sich Kurt Machens, 51, der Oberbürgermeister von Hildesheim, heute vor dem Bundesgerichtshof verantworten. Weil der auch als "König Kurt" bekannte Machens Geld bei reichen Händlern einsammelte - und die Staatsanwaltschaft Hannover ihn deshalb für bestechlich hält.

Wir schreiben das Jahr 1999, ein Mann ist auf Reisen. Einer der sofort erkannt wird an dem silbernen, sauber gezogenen Scheitel. Vor dem Hildesheimer Rathaus stoppt seine Limousine. Hier, in der Domstadt, will Walther Leisler Kiep aus seinem neuen Werk lesen. Der Titel: "Was bleibt, ist große Zuversicht".

Doch der frühere Schatzmeister der CDU wird nicht von allen Bürgern freundlich empfangen. Die CDU-Spendenaffäre, in die er verwickelt ist, macht ihm zu schaffen. Er wird angerempelt und angepöbelt. Zum Glück springt ihm ein jüngerer Parteifreund zur Seite. "Für Herrn Kiep gilt die Unschuldsvermutung", ruft der Mann, "solange das Verfahren nicht abgeschlossen ist."

Es ist Kurt Machens, der da in die Bresche springt. Wegen seines Aussehens nennt ihn die Presse gern den "Omar Sharif von Hildesheim". Weil er einen buschigen Schnauz trägt, weil der Wirbel in seinem vollen grauen Haar es vorne kunstvoll und keck zu einer kleinen, wogenden Welle türmt. Seit 1991 ist der Chirurg erster Mann der Stadt. Was er damals allerdings nicht ahnt: Der Treueschwur, den er Kiep leistet, wird einmal auch für ihn große Bedeutung haben. Weil Geld eben doch stinkt.

"Pecunia non olet" - bei Rainer Gundlach, Oberstaatsanwalt in Hannover, weckt dieser Satz zurzeit unangenehme Erinnerungen. Der römische Kaiser Vespasian soll ihn seinem Sohn entgegengeschleudert haben, als der sich über die Toilettensteuer des Vaters lustig machte. Doch der Kaiser hatte keine Berührungsängste. Geld, so sein Credo, stinkt nicht.

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