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19.07.2000

13:09 Uhr

Der "gläserne" Mitarbeiter

Wissen managen mit System

VonUte Latzke

Die Unternehmen verfügen über Unmengen von Informationen in Datenbanken, Dokumentensystemen, Archiven und schließlich in den „Köpfen“ der Mitarbeiter. Die Frage ist nur, wie kann man diese Mine nutzbringend ausheben?

DÜSSELDORF. IBM hat vorgemacht, wie es laufen könnte: Die Entwickler der IT-Abteilungen kommunizieren via Newsgroups und diverse elektronische Foren; extra dafür abgestellte Mitarbeiter betreuen diese Systeme als Wissensredakteure. FAQ werden angelegt, über die gefragte Themen zu allgemein zugänglichem Wissen werden.

Die transline Gruppe betreut internationale Übersetzungsprojekte und organisiert den direkten Kontakt zwischen ihren Töchtern, deren Mitarbeitern im Ausland und den dortigen Niederlassungen der deutschen Kunden. Die globale Kommunikation beginnt nicht nur beim Übersetzungvorgang, sondern schon beim Recherchieren und Erstellen von Dokumentationen in der Ausgangssprache. Die zur transline Gruppe gehörende doculine Verlags-GmbH, Reutlingen, klärt mit den Kunden, was bei der Dokumentationserstellung im Hinblick auf die globale Kommunikation zu beachten ist und übernimmt auch die übersetzungsgerechte und kulturneutrale Erstellung von Produkt- und Verfahrensdokumentationen. Dabei kommt ein globales Intranet zum Einsatz, über das rund einhundert feste und über 2000 freie Mitarbeiter kommunizieren und ihr Wissen austauschen. Dabei greift das Unternehmen auf EDV gestütztes Workflow-Management, Datenbank gestützte Übersetzer-Arbeitsplätze und Database Publishing zurück.

Das Personal- und Wissensmanagement-System von Meta4!, Madrid, soll den Wissensaustausch im Unternehmen vorantreiben. Mit der Software KnowNet wird ganz schnell transparent, über welches Mitarbeiterpotenzial ein Unternehmen verfügt: Die Mitarbeiter legen ihr Profil an, das über ihre Funktion, Fähigkeiten, Kenntnisse und Spezialgebiete Auskunft gibt. Für die Pflege ihres Profils und dessen Aktualisierung – z.B. mit Links über abgeschlossene und laufende Projekte – sind sie selber verantwortlich. Diese Wissensprofile müssen unternehmensweit abrufbar sein, sonst ist nicht erkennbar, welches Know-how und Mitarbeiterpotenzial tatsächlich vorhanden sind oder wo noch Bedarf besteht. Solche Systeme – auch „Yellow Pages“ genannt – finden immer mehr Verbreitung. Sie stoßen allerdings zum Teil auch auf Widerstand bei den Mitarbeitern, denn die Profile schaffen Transparenz, dokumentieren sie schließlich was jemand kann, aber eben auch, was er nicht kann.

Der "gläserne" Mitarbeiter

Wissensmanagement ist sicherlich sinnvoll und unabdingbar. Häufig widerstrebt es den Mitarbeitern aus unterschiedlichen Gründen, ihr Wissen und damit auch sich selbst transparent zu machen. Wissen abgeben, es für das Unternehmen und alle Mitarbeiter verfügbar zu machen, oder am Wissen der anderen Mitarbeiter zu partizipieren, um selber etwas Neues zu lernen – das fällt vielen Menschen schwer. Wie also könnte man den Menschen die Skepsis gegenüber Wissensmanagement respektive die Angst nehmen, ein gläserner Mitarbeiter zu werden?

„Durch Motivation“, so Wolfgang Sturz, Herausgeber von wissensmanagement. „Im Zusammenhang von WM wird zwar häufig von Anreizsystemen gesprochen, die funktionieren meines Erachtens aber nur bedingt. Jedem Mitarbeiter muss verdeutlich werden, dass er nur dann Wissen erlangt, wenn er auch Wissen abgibt. Irgendwann sieht er ein, dass das Wissen, das er weitergegeben und jenes, das er erhalten hat, `zwei Wissen` erzeugt, also dass beide nun über „Mehr-Wissen“ verfügen. Wissen ist ein Gut, das man verschenken und gleichzeitig behalten kann, zumal man sich durch die Weitergabe erneut mit dem Wissen auseinandersetzt und es festigt. Erkennt der Mitarbeiter, dass er durch den Wissensaustausch seine Arbeit besser und schneller erledigen kann, wird Wissensmanagement unabhängig von Prozeduren und EDV-Systemen zum Selbstläufer.“

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