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01.07.2012

18:31 Uhr

„Der Mann lügt“

Ecclestone weist Bestechungsvorwürfe zurück

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone will von der ihm vorgeworfenen Bestechung nichts wissen. Stattdessen bezichtigte er den Ex-Bankvorstand Gribkowsky der Lüge. An einen Rücktritt denkt der 81-Jährige erst recht nicht.

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone. dpa

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone.

MünchenNach dem Urteil des Münchner Landgerichts im Schmiergeld-Prozess um den Verkauf der Formel-1-Anteile der Bayerischen Landesbank hat Bernie Ecclestone den Vorwurf der Bestechung zurückgewiesen. Er habe den Ex-Bankvorstand Gerhard Gribkowsky nicht bestochen, sagte der Formel-1-Chef dem Magazin "Focus". "Das Gericht hat getan, was es tun musste, und Gerhard Gribkowsky geglaubt, aber der Mann lügt."

Das einzige, was stimme, sei, dass er Gribkowsky zehn Millionen Pfund gezahlt habe, räumte Ecclestone ein. „Damit er mit dem Blödsinn aufhört, mir permanent Andeutungen zu machen, wie er mich bei den britischen Steuerbehörden hinhängen kann“, sagte Ecclestone, der das Geld dem damaligen BayernLB-Vorstand im Zuge des Verkaufs der Formel 1 2006 an die Investmentfirma CVC gezahlt hatte. Mittlerweile haben ihn die britischen Finanzbehörden aber bereits kontaktiert.

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Das Geld habe er Gribkowsky gezahlt, weil er wie immer zwischen Chance, Risiko und Ärger abgewogen habe. Ein mögliches jahrelanges Verfahren durch die Steuerbehörden hätte ihn Zeit und Geld gekostet, erklärte Ecclestone, der es vom Buben aus einfachen Verhältnissen mit früh ausgeprägtem Geschäftssinn zum Multi-Milliardär gebracht hat.

Für den Geschäftsführer der Königsklasse des Motorsports kommt indes auch ein Rücktritt nicht infrage: „Seit 40 Jahren vertrauen die Hersteller und Vermarkter weltweit meiner Person. Das spricht doch für mich.“

Ecclestone sieht derweil auch keinerlei Gründe für Unternehmen, ihr Engagement in der Formel 1 wegen der Vorfälle zu überdenken, wie es jüngst Transparency International gefordert hatte: „Nein, denn ich habe mir nichts vorzuwerfen.“ Es gebe keine korrupten Praktiken in der Formel 1, betonte er.

Die BayernLB und die Formel 1

Höhepunkt der New Economy

Es war der Höhepunkt der New Economy, als das Medienunternehmen EM.TV im Jahr 2000 bei der Formel 1 einstieg. Kurz zuvor hatte EM.TV um die Gebrüder Thomas und Florian Haffa in einem ähnlich spektakulären Deal die Rechte an der „Muppets Show“ erworben.

Kirch und Kredite bei der BayernLB

Mit im Boot bei der Formel 1 war auch damals schon Bernie Ecclestone, Zampano des PS-Spektakels, mit seiner Familienstiftung. Nur wenig später ging es mit EM.TV bergab. Die Kirch-Gruppe des damaligen Medienzaren Leo Kirch kam zu Hilfe, erhielt im Gegenzug den Anteil an dem Rennzirkus und stockte ihn noch auf. Dafür musste Kirch Kredite aufnehmen, unter anderem bei der BayernLB.

Gribkowsky wird Motorsport-Verantwortlicher

Die Kirch-Gruppe meldete dann 2002 Insolvenz an. Dadurch wurde die Landesbank aus München unerwartet zum Anteilseigner der Formel 1 und der damalige Risikovorstand Gerhard Gribkowsky zum Motorsport- Verantwortlichen. In der Folgezeit entwickelte sich ein Streit mit den Autokonzernen, denen die tonangebende - und profitable - Rolle Ecclestones und seiner Verbündeten ein Dorn im Auge war. Auch eine Übernahme der Formel 1 durch einen oder mehrere Hersteller oder eine Konkurrenzveranstaltung standen zur Debatte.

Anteilsverkauf an CVC

Vier Jahre später verkaufte Gribkowsky die BayernLB-Anteile an den Finanzinvestor CVC Capital Partners und die Wogen glätteten sich. Das Unternehmen zählt zu den weltweit größten der Private-Equity-Branche und hat europäische Wurzeln. Hauptsitze sind Luxemburg und London.

Ecclestone verkaufte

Der Finanzinvestor übernahm die Formel-1-Mehrheit durch den Erwerb der Anteile der BayernLB und von Ecclestone selbst beziehungsweise seiner Familie. Dies geschah indirekt über die neu gegründete CVC-Tochter Alpha Prema, an der Ecclestone wiederum auch selbst beteiligt ist. Der heute 82-Jährige blieb auch bei diesem Deal Chef der Formel 1. Gribkowsky rückte in den Aufsichtsrat von Alpha Prema.

In dem Münchner Urteil wird der 81-Jährige als Bestecher von Gribkowsky darstellt. Das Gericht hatte Gribkowskys am vergangenen Mittwoch zu achteinhalb Jahren verurteilt. Der Prozess könnte nun zu einer Anklage des Briten Ecclestone in München führen.

Der geständige Gribkowsky hat nach Auffassung des Gerichts von Ecclestone 44 Millionen Dollar (heute knapp 35 Millionen Euro) Schmiergeld erhalten, weil er den Verkauf der Formel-1-Anteile der BayernLB in Ecclestones Sinn im Jahr 2005 an den Finanzinvestor CVC für 839 Millionen Dollar auf den Weg brachte. Die Bank hatte als Gläubiger die Formel-1-Anteile nach der Pleite des Medienmoguls Leo Kirch erhalten, Gribkowsky sollte die Beteiligung an der Rennserie dann wieder zu Geld machen.

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Oberstaatsanwalt Christoph Rodler hatte gesagt, der Prozess habe eindeutig gezeigt, dass die Zahlungen Ecclestones an Gribkowsky Bestechungsgelder waren. Ecclestone sei damit, anders als von ihm zeitweise dargestellt, nicht Opfer von einer Erpressung durch Gribkowsky, "sondern Mittäter einer Bestechung".

Von

afp

Kommentare (8)

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nonprofit

01.07.2012, 19:45 Uhr

Bei dem fragwürdigen Rennen, an dem Barricello in der letzten Runde den eigentlich sicheren Sieg an Schuhmacher abgeben musste, habe ich noch während des Überholvorgangs die Kiste abgeschaltet und seitdem diesem Affenzirkus keine Minute Aufmerksamkeit mehr geschenkt

Mazi

01.07.2012, 19:51 Uhr

Das einfachste ist doch, dass Ecclestone sich stellt und vor Gericht Klartext spricht.

Wenn er nichts zu befürchten hat, weshalb macht er es nicht einfach. Dann ist doch alles geredet.

Account gelöscht!

01.07.2012, 20:31 Uhr


Einfach wegsperren - aber bitte nicht in Deutschland, da hier die Haftanstalten zu human sind.

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