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16.06.2017

16:00 Uhr

Der Moderne Mann

Alexa – Wozu gibt's dich?

VonHerr K.

Herr K. stellt sich die Zukunft vor: Überall großes Geschrei und Maschinen, die ihre User nicht verstehen. Sprachsteuerung sieht er skeptisch oder liegt es vielleicht an ihm? Über die Euphorie um künstliche Intelligenz.

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an:  herr.k@handelsblatt.com

Herr K. – der moderne Mann

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an: herr.k@handelsblatt.com

Apple, Microsoft, Google ... alle wollen neuerdings, dass Herr K. Sprachsteuerung toll findet. „Es ist das ganz große Ding“, sagt sein Kollege Berger, der schon „Alexa“ von Amazon zu Hause hat. Das Gerät versteht ihn zwar noch nicht, aber das seien Kinderkrankheiten. „Sie lernt ja dazu ... so ist das mit künstlicher Intelligenz.“ Es gehe um die Zukunft. Herr K. weiß nicht so recht.

Er versucht, sich diese Zukunft vorzustellen, kommt aber nicht weit. Allenfalls bis ins Jahr 2019 oder so: In Straßen, Bussen, Shoppingcentern oder vor Ticketautomaten – überall ist dann ein Mordsgeschrei, weil jeder gerade mit irgendeiner Maschine spricht, die aber Verständnisprobleme hat. Denn direkt daneben reden schon andere gerade auf Handy, Fahrrad oder Turnschuh ein, der dann auch schon vernetzt ist und sich selbst jederzeit bei Zalando neue Schnürsenkel bestellen kann, wenn mal einer reißt.

Und während Herr K. vielleicht gerade schreiend ein Kurzstrecken-Busticket lösen will, ruft die Computerstimme, denn auch sie muss den Lärm übertönen: „Turkmenistan ist mit dem Bobbycar nicht zu erreichen“ oder irgendwas anderes Sinnloses. Es wird dann nicht mehr lange dauern, bis die erste „Alexa“ auf der Couch eines Therapeuten liegt und emotionslos bilanziert: „Ich verstehe meinen User einfach nicht.“

Der moderne Mann: Business Casual

Der moderne Mann

Business Casual

Herr K. muss sich diesmal durch den Dschungel eines Führungskräftetreffens im Allgäu lotsen: Rudel, Alpha, Spa sind Programm. Von Firmenstrategie nicht die Bohne – dafür gibt es mehr zwischenmenschliches Wolfsgeheul.

Herr K. hat bereits erste Erfahrungen mit Sprachsteuerung gesammelt. Als er mal im Auto allein war, hat er es ausprobiert: „Musik ... Purple Rain ... laut.“ Es dauerte dann keine drei Minuten, bis sich die Scheibenwischanlage komplett verausgabt hatte. Prince war allerdings nicht zu hören, während Herr K. mit Müh und Not den Standstreifen der Autobahn erreichte. Ausgerechnet die Scheibenwischer waren nicht angesprungen.

Mit seinem Diensthandy könnte das bald ähnlich laufen. Wenn er fragt: „Wie ist das Wetter jetzt in Mülheim an der Ruhr?“, wird das Handy zurückschnarren: „Du solltest bei Geschlechtskrankheiten einen Arzt konsultieren. Ich habe deinen Arbeitgeber bereits informiert.“

Sicher liegt es an ihm. Er hat Computer noch nie verstanden. Warum sollte es denen künftig mit ihm also bessergehen?

„Lass bloß diese Alexas draußen“, warnt ausgerechnet Herrn K.s 16-jährige Tochter, die sonst jeden Internet-Quatsch euphorisch begrüßt: „Ist voll das ‚Big Brother‘. Schlimmer als die NSA.“ Herr K. fragt sie, wo sie das denn gelesen hat. „WhatsApp“, antwortet seine Tochter. Ja dann ...

„Stefan, bring mal den Müll raus“, sagt da seine Frau. Und erst als er draußen im Abendrot vor der Tonne steht, fällt ihm auf, wie real Sprachsteuerung längst ist. Vielleicht hält seine Frau ihn schon immer für eine künstliche Intelligenz?

Er wird sich auch so eine „Alexa“ kaufen. Weil er dann mitreden kann. Und weil er auch mal jemanden ein bisschen rumkommandieren möchte. Das ist ja nicht mal mehr im Büro erlaubt.

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist – beruflich wie privat – bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will die Antworten liefern. Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

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