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04.11.2016

13:36 Uhr

Der moderne Mann

Die Büro-Zukunft ist mauve

Weiß war gestern, heute ist Mauve. Oder gleich ganz quietschbunt. Die Belegschaft soll schließlich „relaxed“ sein, „extrem relaxed“. Herr K. ist nicht überzeugt – verkauft den modernen „Working Space“ aber trotzdem.

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an:  herr.k@handelsblatt.com

Herr K. – der moderne Mann

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an: herr.k@handelsblatt.com

Alles unterliegt Moden: Anzugschnitte, Todesanzeigen, Shampoo-Geschmacksrichtungen (wo ist eigentlich das Apfel-Shampoo hin, das Deutschland einst beherrschte?). Selbst das Büro bleibt von Veränderungen nicht verschont. Ganz früher war es eher als Wohnraum gestaltet mit Holzvertäfelungen bei den Führungskräften und Diddlmaus-Sticker am Computer weiter unten. Bis vor wenigen Jahren dominierten dann nüchterne Stahlrohrmöbel, die vor allem die nüchterne Effizienz ihrer Nutzer unter Beweis stellen sollten. Mittlerweile aber regiert eine farbliche Mischung aus Ikea-Bällebad und Teletubbie-Sommerfest. Das Büro soll offenbar irgendwie menschlich werden.

Wer das entschieden hat, weiß Herr K. auch nicht. Innenarchitekten sind ja keine Fashion-Stars. Trotzdem war sich eine internationale Design-Polizei oder wenigstens der Weltverband der Arbeitssoziologen offenbar irgendwann einig, dass die Büros hochindustrialisierter Wirtschaftsnationen nun auszusehen haben wie Waldorf-Kindergärten.

Der moderne Mann: Bitte biegen Sie jetzt rechts ab!

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Irgendwann werden Maschinen unsere Jobs übernehmen, das weiß auch Herr K. Doch wenn er im Auto unterwegs ist, merkt er, dass es bis dahin noch ein langer Weg ist. Vor allem sein Navigationsgerät ist noch nicht so weit.

Vielleicht reichte ein Blick in die lustigen Kantinen von Google oder Facebook. Herrn K.s eigene Firmenleitung ließ sich von einem oberschwäbischen Maschinenbauer inspirieren, der seine gesamte Verwaltung in sanften Pastellfarben bemalt hatte. „Mauve ist das neue Weiß“, hatte der Personalchef ihnen erklärt und dabei kein einziges Mal lachen müssen. Die Farben hätten einen „enorm relaxenden Einfluss auf die Belegschaft“. Das war schon insofern interessant, als es sich bei der Firma um die Tochter eines internationalen Rüstungskonzerns handelt. Wahrscheinlich ließen sich auf Pezzibällen in zartem Rosé selbst Geschütztürme besser verkaufen.

Als Resultat der Betriebsbesichtigung hat Herr K. nun die Aufgabe, seine Abteilung von den Vorzügen eines modernen „Working Space“ zu überzeugen. Der Umbau ist schon beschlossen. Und was soll man sagen: Herr K. hält die Rede seines Lebens. In pastosen (Pastell-)Farben malt er eine großartige Zukunft in wundervollen Büro-Landschaften.

Er schafft es sogar, die geplanten Großraumbüros als Notwendigkeit zu verkaufen. „Nur so ist moderne Kommunikation möglich, liebe Kollegen. Interdisziplinärer Workflow. Kurze Entscheidungswege. Flache Hierarchie.“ Selbst der Betriebsrat wollte dieser Zukunft nicht weiter im Weg stehen, als Herr K. auch noch die computergenerierten Bilder der geplanten „Chill-out-Zones“ präsentierte.

Er war froh, als er danach die Tür seiner Einzelwabe hinter sich schließen konnte, die er auch künftig haben würde. Dabei war Herr K. immer noch ein bisschen von sich selbst begeistert. Er hatte sich glatt selbst geglaubt.

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern. Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

Die besten Kolumnen vom modernen Mann sind im Gabal Verlag erschienen (14,90 Euro) – samt neuen Texten und allen Hintergründen rund um Herrn K. Hier können Sie das Buch zur Kolumne bestellen: kaufhaus.handelsblatt.com/herrk.

Von

Kommentare (4)

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Frau Annette Bollmohr

04.11.2016, 17:16 Uhr

"(wo ist eigentlich das Apfel-Shampoo hin, das Deutschland einst beherrschte?)"

Sie meinen das "Respond Grüner Apfel Shampoo" von Ende der 70er Jahre?

Gab's dieses Jahr als Sonderausgabe der Hausmarke "Balea" in den dm-Drogeriemärkten (€ 0,65).

Hab' mich gut eingedeckt damit. Hoffentlich kommt's bald wieder. Riecht gut.

Account gelöscht!

04.11.2016, 17:41 Uhr

Wer braucht denn " Online-Dating-Portale " wenn es Muckibuden zum Eisen biegen für uns Männer und für die Ladys den Knack-Po zum trainieren gibt ?

Wenn ich Lust habe auf Spielbank, dann mache ich das ja auch nicht Online am PC. Sondern ziehe mir einen eleganten Smoking an, fahre nach Wiesbaden und verbinde das Ganze mit einem Besuch im Gourmetrestaurant Ente und einer Übernachtung im Nassauer Hof.

Account gelöscht!

04.11.2016, 17:48 Uhr

Bin nur 2x im Jahr in der Domstadt. Im Frühjahr zur FIBO, da der Kolibri als Sportwissenschaftlerin nach dem Uniabschluss als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten wird, und wir uns dort weitergehende Expertise holen. Und im Sommer zu den Kölner Lichter wegen des geilen Feuerwerks am Rhein. Außerdem hatte ich mal dort eine City-Immobilie im Townhaus-Stil, die ich aber dieses Jahr verkauft habe.

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