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18.01.2015

10:56 Uhr

Der moderne Mann

Die dunkle Seite der Taxi-Revolution

Herr K. hat genug von schlecht gelaunten Taxifahrern mit ihren Holzkugelmatten. Warum nicht mal eine kleine Revolution wagen - und den neuen amerikanischen Taxidienst Uber ausprobieren?

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an:  herr.k@handelsblatt.com

Herr K. – der moderne Mann

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an: herr.k@handelsblatt.com

Herr K. sitzt im Einzelzimmer eines Mittelklasse-Hotels, in dem die Tagungsräume „Bismarck“ und „Brandenburg“ heißen, und ist bereit für die Revolution. Er ist zwar nicht unbedingt der Mann für den großen politischen Umsturz. In seinem Alter mit Mitte 40 fühlt man sich schon irgendwie wild, wenn man mal die Grünen wählt oder nachts um zwei in einem ehemaligen Zonenrandgebiet eine rote Ampel ignoriert. Aber mit Deutschlands Taxifahrern hat er es wirklich satt.

Es sind unausgeschlafene Kettenraucher auf den Holzkugelmatten ranziger Kunstleder-Daimler, übelstlaunige Frührentner, die zu spät kommen und nur kreativ werden, wenn es darum geht, einen raffinierten Umweg zu finden. Herr K. überlegt, ob er jetzt irgendein böses Klischee ausgelassen hat.

In der Bundeshauptstadt kann von Glück sagen, wer keine „Berliner Schnauze“ erwischt, sondern einen Fahrer mit facettenreichem Migrationshintergrund, der wenigstens Angst um seine Lizenz hat. In München beschimpfen sie andere Verkehrsteilnehmer gern auf Bayerisch, was die Fahrt nicht angenehmer, allenfalls rustikaler macht. In Düsseldorf ... ach, lassen wir das.

Herr K. sitzt im Hotelzimmer und hat die Revolution in der Hand. Auf seinem Smartphone downloaded er die App von Uber. Das ist dieser neue amerikanische Taxidienst, der jetzt die ganze Nahverkehrs-Welt aufrollen will wie - sagen wir - Putin die Krim. Laien fahren Laien, was den Profis natürlich nicht gefällt mit ihren festen Tarifen - und Holzkugelmatten.

Herr K. mag Uber, schon weil die deutschen Taxifahrer es derart bedrohlich finden, dass sie seither Protest-Sternfahrten organisieren, die Uber nur bekannter machen. Gleich wird er das erste Mal in seinem Leben aktiv, ... mit einem Klick. Weil er Kunde ist - und der Kunde König.

Dann wird endlich Schluss sein mit diesem Quasi-Monopol der schlechten Laune und hohen Preise. Okay, für mittlere Führungskräfte wie Herrn K. ist das Geld nicht unbedingt entscheidend. Aber er ahnt, dass man als Uber-User auch in der Firma dynamischer wirkt. Herr K. entdeckt sein Uber-Ich, sozusagen. Uber ist cool und an den Finanzmärkten gefühlte 2,5 Squillionen wert, obwohl es jüngst mal wieder dumm auffiel: Uber hatte Kundendaten so raffiniert ausgewertet, dass sich daraus One-Night-Stands der Fahrgäste ablesen ließen.

Da muss Herr K. keine Angst haben. Pfeif auf Datenschutz! Uber wird den Taximarkt zertrampeln wie Apple vorher den Musikmarkt oder Amazon das Buchgeschäft. Kreative Zerstörung. Keine Gefangenen machen. Survival of the fittest. Alles wegfegen. Das Alte. Das Behäbige. Die müden Vertreter des Establishments. Leute wie Herrn K. eben.

Er sitzt auf seinem gepackten Rollkoffer und starrt auf sein Handy. Dann lässt er die Rezeption ein Taxi bestellen. Der Empfang ist ein wenig irritiert - weil der Gast auch noch um „eines mit Holzkugelmatten“ bittet.

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern.

Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

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