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08.02.2015

18:48 Uhr

Der moderne Mann

Endstation Stadion

Wer vor Gender-Kram und Quotendebatten flüchten will, der ging früher in die Eckkneipe. Heute wird Männlichkeit fast nur noch im Fußballstadion zelebriert, denkt Herr K. - und geht mit seinem Sohn zum Heimspiel.

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an:  herr.k@handelsblatt.com

Herr K. – der moderne Mann

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an: herr.k@handelsblatt.com

Manchmal hat Herr K. einfach genug von Gender-Kram, Gleichstellungs-Debatten und den Anti-Diskriminierungs-Workshops seiner Firma. Nicht, dass man ihn noch vom Sinn solcher Veranstaltungen überzeugen müsste. Er ist ja keiner dieser Dinosaurier wie Koslowski, für den selbst Frau Dr. Schwielow aus dem Vorstand noch eine „Schnecke“ ist. Nein, nein, das hat schon alles seine Richtigkeit mit der Förderung. Aber es gibt doch Momente, wo er mal eine Auszeit braucht. So als Mann.

Früher ist man in solchen Momenten in seine Eckkneipe gegangen, wo immer schon ein Bekannter überm Tresen hing. Das kennt Herr K. aber nur noch von seinem Vater und aus den „Simpsons“. Stammtische, Eckkneipen, Trinkhallen - all diese gastronomischen Traditionen scheinen doch sehr an Zuspruch verloren zu haben - auch angesichts der sich rapide wandelnden Rollenbilder. Der Nachwuchs ist heute eher in den abgeschrabbten Sesseln von Starbucks zu finden zwischen einem Eimer Lattemacchiatomitsahne und kostenlosem WLAN. Geredet wird da nicht mehr viel, aber okay, da wird auch der deutsche Stammtisch im Nachhinein nostalgisch verklärt. Dort reichte meist: „Und, wie is'?“ „Muss ja.“

Jedenfalls schnappte sich Herr K. zum Beginn der aktuellen Rückrunde der Fußballbundesliga nun seinen sechsjährigen Sohn und fuhr mit ihm zu einem Heimspiel des nächstgelegenen Spitzen-Klubs, um mal wieder eine gewisse urbane Härte und Authentizität zu tanken. Schon der Stau vor dem Stadion war sehr authentisch, ähnlich wie der stark angetrunkene achtköpfige Mob, der auf dem gigantischen Parkplatz ausgerechnet neben ihnen aus einem alten Van gepresst wurde und Dixi-Klos gar nicht erst suchte. Das Dumme war vielleicht, dass es ausweislich ihrer bunten Schals auch noch Anhänger der gegnerischen Mannschaft waren.

Herrn K.s gesamtes mediatorisches Geschick war vonnöten, um die Situation dann auch nicht entschärfen zu können. Aber er und sein Sohn konnten schlicht schneller rennen, und beim Spiel selbst war die Stimmung dann weitaus angenehmer ... nun ja, bis zum Führungstreffer der Gäste. Es war der Augenblick, in dem seine neuen Parkplatz-Bekannten drei Tribünenreihen weiter oben Herrn K. wiedererkannten, worauf es noch mal sehr authentisch wurde. Pommes flogen mit und ohne Mayo durch die Luft. Leuchtraketen explodierten. Weitere Fans mit einem eher überschaubaren Verständnis für Konfliktlösungsmechanismen mischten sich ein. Nach einer kurzen familieninternen Diskussion fanden Herr K. wie sein Sohn, dass man ja schon sehr lebhafte 67 Spielminuten gesehen habe. Vielleicht hätten sie sich die Nummer ihres Parkplatzes merken sollen, aber so waren sie immerhin zwei weitere Stunden an der frischen Luft.

„Kann ich nächsten Samstag wieder mit Ann-Sophie zum Malkurs?“, fragte sein Sohn, als sie endlich zu Hause waren. „Kann ich mit?“, wollte Herr K. fast fragen, ließ es dann aber doch.

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern.

Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

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