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03.01.2017

10:46 Uhr

Der moderne Mann

Flammendes Inferno

VonHerr K.

Das Feuerwerk in der Silvesternacht hat sich für Herr K. zu einem harten Wettbewerb in der Nachbarschaft entwickelt – entsprechend hoffnungsvoll war der diesjährige Einkauf. Ein Inferno als Fingerzeig für die Politik?

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an:  herr.k@handelsblatt.com

Herr K. – der moderne Mann

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an: herr.k@handelsblatt.com

Herr K. ist von durchaus friedliebendem Wesen. Er bastelt in seiner knapp bemessenen Freizeit keine Rucksack-Sprengsätze und neigt nicht zu unbedachten Kriegserklärungen an die Adresse aufstrebender Schwellenländer. Ohnehin glaubt er an Straßenverkehrsordnung und Mülltrennung als Indizien eines zivilisatorischen Miteinanders. Aber einmal im Jahr dreht er durch. Dann nämlich, wenn seine Frau ihn kurz vor Silvester bittet: „Kauf doch mal schnell noch Feuerwerk.“

Keine zehn Minuten später stand er diesmal im ersten von schlussendlich fünf Supermärkten, um die notwendige Aufrüstung sicherzustellen. Und natürlich konnte er sich nicht entscheiden zwischen „Ironheart“ (103 Schuss in „ca. 115 Sek.“) und „Giga Shot“ (mit „ca. 35 Meter Effekthöhe“), weshalb er lieber beide nahm. Je zweifach, weil einer der Sprengsätze ja Funktionsstörungen aufweisen könnte. Die Reklame für das „imposante Sound-Inferno“ überzeugte ihn ebenso wie das Versprechen des Azubis: „Damit blasen Sie auch den IS weg, wenn’s ernst wird.“

Herr K.: Wann ist ein Mann ein Mann?

Herr K.

Wann ist ein Mann ein Mann?

Schon seit zwei Jahren erscheinen im Handelsblatt wöchentlich die Kolumnen von Herrn K. – dem modernen Mann. Höchste Zeit, dass die Kunstfigur ihren Schöpfer befragt – zu Geldanlagen, Grill-Typen und jammernden Männern.

Natürlich würde es ernst werden. Silvester ist kein Spaß. Die Konkurrenz in der Nachbarschaft schläft nicht. Im vergangenen Jahr musste Herr K. sich ausgerechnet einem promovierten Juristen geschlagen geben, der sich aus illegalen rumänischen Quellen eine Art Stalinorgel besorgt hatte, mit der man vor 200 Jahren noch mittelgroße Fürstentümer im Handstreich hätte unterjochen können.

Vielleicht gibt es sogar einen Zusammenhang zwischen Deutschlands Rolle als Welt-Diplomat im Reigen der Großmächte und der Perfektionierung hiesiger Pyrotechnik. Vielleicht müssen wir’s einfach auch mal krachen lassen, wir Kriegsdienstverweigerer und Willkommenskulturbeutel.

Mit der Flüchtlingsproblematik jedenfalls hat zum Beispiel die 500-Schuss-Batterie „Dawn of the Dead“ ausnahmsweise nichts zu tun, da ist sich Herr K. sicher. Das flammende Inferno ist kein Ausdruck nationaler Verunsicherung. Innovationen waren schlicht nötig in einem Business, das lange eher von laienhaften Effekten geprägt war.

Er erinnert sich an Zeiten, als er mit einem knirschigen Einweg-Feuerzeug versuchte, einzelne Raketen anzuzünden. Dann schossen die in die Höhe … man wartete … schaute in den Nachthimmel … und irgendwann machte es irgendwo ganz weit oben in der Stratosphäre … piff. Mehr nicht. Nur „piff“. Die optischen und akustischen Höhepunkte waren deutlich überschaubarer als etwa bei der vollautomatischen „World War Massive Attack“, mit der Herr K. an Silvester dann den Juristen aus der Nachbarschaft erledigte.

An Neujahr kehrten sie einträchtig nebeneinander die Reste ihrer nächtlichen Exzesse zusammen. Sie lächelten. Zivilisiert. Wohlbehalten zurückgestürzt aus luftigen „Effekthöhen“ auf den Boden der demokratischen Grundordnung. Der Jurist wird die Niederlage dennoch nicht auf sich sitzen lassen. Er kennt da jemanden, der jemanden kennt mit Kontakten zu einem nordkoreanischen Geschäftsmann.

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern. Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

Die besten Kolumnen vom modernen Mann sind im Gabal Verlag erschienen (14,90 Euro) – samt neuen Texten und allen Hintergründen rund um Herrn K. Hier können Sie das Buch zur Kolumne bestellen: kaufhaus.handelsblatt.com/herrk.

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