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11.11.2016

14:15 Uhr

Der moderne Mann

Irgendwas mit Refugees

VonHerr K.

Die Firma von Herrn K. möchte bewusster werden. Kann da ein Hilfsprojekt mit Kindern, Frauen oder mit niedlichen Tieren helfen? Oder irgendwas mit Flüchtlingen? Fest steht: Für Herrn K. war Bewusstsein früher einfacher.

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an:  herr.k@handelsblatt.com

Herr K. – der moderne Mann

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an: herr.k@handelsblatt.com

Die Firma von Herrn K. möchte bewusster werden. Alle sind jetzt sehr bewusst. Verantwortungsbewusst. Umweltbewusst. Gesundheitsbewusst. Spätestens seit H & M eine Klamottenreihe „Conscious“ nennt, weiß man als Führungskraft im mittleren Management, wo der Ethik-Hammer hängt. Ein Projekt muss her. „Irgendwas Soziales“, hatte Frau Doktor Schwielow erklärt, die im Vorstand als Chief Sustainability Officer fungiert. Deshalb sitzt Herr K. jetzt mit Teilen seines Teams in Konferenzraum X2-201-R und brainstormt.

Bewusstsein war früher einfacher: Man veranstaltete an Weihnachten eine Tombola und überließ Frau Hitzlsbrunner aus dem Betriebsrat die Spenden-Verteilung. Ein paar Wochen später stand im Intranet, dass 214,28 Euro an die Stadtteil-Aidshilfe „Rainbow“ oder das Kinderhospiz „Sternschnuppe“ gingen.

Herr K. hat sich manchmal gefragt, was die Adressaten mit 214,28 Euro machen. Gibt’s bei denen ähnliche Meetings von Sozialpädagogen, und der Ulf schlägt der Ingeborg und dem Sören vor, neuen Bastel-Mais zu kaufen? Oder der Sören sagt: „Och nee, komm ey, lass mal für’n Tischtenniskeller nutzen.“

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Irgendwann werden Maschinen unsere Jobs übernehmen, das weiß auch Herr K. Doch wenn er im Auto unterwegs ist, merkt er, dass es bis dahin noch ein langer Weg ist. Vor allem sein Navigationsgerät ist noch nicht so weit.

Koslowski aus dem Controlling meldet sich zu Wort: „Eine Benefiz-Gala mit Anna Netrebko werden wir uns nicht leisten können.“ „Geht ja auch nicht um Kurzfrist-Action, mehr so Nachhaltigkeit“, antwortet Herr K. „Nachhaltigkeit klingt nach Krötenzaun und unbezahlten Sonntagsdiensten. Das könnt ihr mit mir vergessen“, murrt Koslowski.

„Und was mit Flüchtlingen?“, fragt Lasse, der Vertreter der Generation Y in Herrn K.s Team. „Mit Hashtag #IrgendwerForRefugees.“ Die anderen schweigen. Vor einem Jahr wären Flüchtlinge ideal gewesen. „Die Stimmung hat sich leicht gedreht im Land, findet ihr nicht?!“, murmelt Herr K. und lenkt ab: „Selbst Estée Lauder hat mittlerweile eine Kampagne namens ‚Bewusstsein für Brustkrebs‘ ins Leben gerufen. In der Art muss uns doch selbst was einfallen, was nicht viel kostet, aber sensibel wirkt.“ Herr K. denkt an ein Hilfsprojekt mit Kindern, Frauen oder wenigstens niedlichen Tieren, die vom Aussterben bedroht sind.

„Vielleicht ein Austausch-Programm mit Näherinnen aus Bangladesch“, überlegt Frau Stibbenbrook aus der Rechtsabteilung. Zu viel Elend! „Ein Zivilcourage-Preis für Frauen? Wieso denn jetzt so eine Gender-Sülze“, grient Koslowski. „Lasst uns doch eine Elefanten-Patenschaft übernehmen. Können ja weiblich sein, die Viecher.“

Er isst die Vanillekipferl aus der Weihnachts-Keksmischung auf dem Tisch leer. Die Klimaanlage summt. So schlecht ist das Kinderhospiz ja auch nicht.

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern. Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

Die besten Kolumnen vom modernen Mann sind im Gabal Verlag erschienen (14,90 Euro) – samt neuen Texten und allen Hintergründen rund um Herrn K. Hier können Sie das Buch zur Kolumne bestellen: kaufhaus.handelsblatt.com/herrk.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

11.11.2016, 16:47 Uhr

"Frau Annette Bollmohr
Als gäbe es nicht mehr als genug Sinnvolleres zu tun, und zwar für jeden."

Wie zum Beispiel aber auch jeden Artikel zu kommentieren.....

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