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30.11.2014

08:04 Uhr

Der moderne Mann

Jung bleiben ab Ende 30?

Wenn Herr K. in den Spiegel schaut, sieht er leider nicht allzu häufig den attraktiven Mittvierziger, für den er sich hält. Sport müsste man machen. Aber welchen? Auf einmal hat er eine zeitgeistige Idee.

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an:  herr.k@handelsblatt.com

Herr K. – der moderne Mann

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an: herr.k@handelsblatt.com

Wenn er morgens in den Badezimmerspiegel schaut, lernt Herr K. immer wieder jemand Neuen kennen. Der attraktive Mittvierziger, für den er sich hält, ist leider nicht allzu häufig dabei. Er sollte mehr Sport treiben. Aber ganz ehrlich: Ihm fällt kein Hobby ein, bei dem ein Mann ab Ende 30 noch seine Würde wahren könnte. Im Badezimmerspiegel hält er seinem eigenen Blick stand und fängt an zu grübeln.

Für Golf fühlt sich Herr K. noch zu jung. Soll er sich also eine Harley kaufen, eine Lederjacke überwerfen und am Wochenende durch den Harz sprottern? Neulich geriet er beim Familienausflug in ein sogenanntes „Biker-Treffen“, das so wild war wie barrierefreies Wohnen. Früher gingen Senioren in den Schwäbischen Albverein, heute setzen sie sich auf eine Road King Classic mit 1690 Kubik und elektronischer Bremskraftverteilung. Herr K. ist durchaus sachkundig, aber auch geheilt, seit er mal von einer der Maschinen lebendig begraben wurde. Der Verkäufer hatte ihn aufsitzen lassen, und das Letzte, woran Herr K. sich erinnert, war das Wegschnappen des Ständers.

Dann noch lieber Fahrradfahren, was bei Typen seines Alters aber auch zu einem dubiosen Extremismus geführt hat: Erwachsene Männer stülpen sich quietschige Elastan-Trikots und -Höschen über, die sie bisweilen aussehen lassen wie regenbogen-schillernde Knackwürste. Dann quälen sie sich auf High-End-Rädern im Gegenwert eines gebrauchten Kleinwagens durch übel beleumundete Stadtrandbezirke. Herr K. betrachtet sich im Badezimmerspiegel. Seine Frau klopft an die Tür. „Bin gleich fertig.“

Einmal musste sie ihn drei Straßen weiter aufgabeln mit einem Bänderriss. Herr K. war beim Joggen eingeknickt, was für Männer wie ihn nicht nur modisch ein ähnliches Fiasko bedeuten kann wie Radfahren, nur eben ohne Rad.

Fitnessstudio ist leider nicht besser. Herr K. ahnt, dass diese hippen Locations überhaupt nur deshalb so boomen, weil eine ganze Generation Männer im ... äh ... besten Alter wie er dort Ein-Jahres-Verträge abschließt und nach dem dritten Besuch wieder zu Hause bleibt: Beim ersten fand er sich mit der Bandscheiben-Fibel seines Orthopäden zwischen den Anabolika-Bullen in der Gewichtheber-Abteilung wieder. Hobbit traf Hulk und seine Freunde. Beim zweiten Mal rutschte er keuchend vom Laufband. Beim dritten Besuch geriet er in einen Fatburner-Kurs zwischen 20 junge Frauen, die seine Töchter hätten sein können.

Sport ohne Sport, das wär's. Und auf einmal hat er die Idee, wie er zeitgeistig, dynamisch und selbstreflexiv rüberkommt, ohne auch nur einen Hauch von Arbeit investieren zu müssen. Er reißt die Badezimmertür auf und ruft seiner Frau entgegen: „Hast du 'ne Ahnung, wo man diese Dinger kriegt, die alles messen - von Puls bis Blutzuckerspiegel? So ein Fitness-Armband?“ Schlagartig fühlt er sich zehn Jahre jünger.

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern.

Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

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