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20.11.2015

17:12 Uhr

Der moderne Mann

Läuft bei dir, du Smombie!

VonHerr K.

Mit Jugendwörtern wie „Läuft bei dir“ und „Smombie“ will Herr K. bei seinen Kindern punkten. Doch irgendwie klappt das doch nicht so, wie er es sich vorstellt. Auch wenn Herr K. es versucht, so lässig kann er nicht sein.

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an:  herr.k@handelsblatt.com

Herr K. – der moderne Mann

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an: herr.k@handelsblatt.com

Es gibt untrügliche Indizien dafür, dass man allmählich älter wird. Wenn man zum Beispiel immer öfter bei sogenannten Oldie-Sendern hängenbleibt, die Hits aus den 80ern spielen. Wenn man LeFloid für den Namen eines neuen Parfüms hält oder von Tinder nicht einmal weiß, dass es existiert.

Vielleicht ist das so eine Art Naturgesetz. Vielleicht hat das Gros der Menschen irgendwann einfach keine Lust mehr, dem jeweils neuesten Trend noch hinterherzuhecheln. Außer natürlich Leute wie Dieter Bohlen oder Lothar Matthäus, die sich schon dadurch auf dem Laufenden halten, dass ihre Lebensabschnittsgefährtinnen immer jünger werden.

Dass auch Herr K. nicht mehr zu den coolsten Trendscouts zählen darf, merkt er beim Abendessen, als er seine 16-jährige, auf dem Handy daddelnde Tochter mit einer gewissen Lässigkeit bitten will: "Kannst du das Ding mal weglegen, du Smombie?!"

Erschütternderweise tut sie es sogar, schaut ihren Vater aber an, als hätte der nicht mehr alle Latten am Zaun: "Wie hast du mich gerade genannt?" Herr K. zögert: "Na ja, also... ,Smombie’. Das ist doch das Jugendwort des Jahres. Kombination aus Smartphone und Zombie für Leute, die...." - "... wie Untote den ganzen Tag auf ihre Handys starren?", ergänzt sie.

"Genau." Herr K. ist jetzt sehr erleichtert. Sie starrt ihn wieder lange an. Erst dann lacht sie los: "Ey, das hab ich noch nie gehört, so ein bescheuertes Wort. Und außerdem dachte ich bisher eigentlich, dass ich hier für Jugendsprache zuständig wäre." Sie lacht immer noch.

"Welche alten Säcke denken sich eigentlich so einen Quatsch aus?", schiebt sie hinterher, sicher nicht als Frage gemeint, obwohl Herr K. jetzt gern geantwortet hätte: eine Jury des außerordentlich renommierten Langenscheidt-Verlags.

Im selben Moment wird ihm die Absurdität klar. Langenscheidt = Pädagogik = Gegenteil von Jugend. Da könnte man auch Cindy aus Marzahn um Stylingtipps bitten oder Pegida um Falafel-Rezepte.

Es sind eigentlich immer die Alten, die den Schuss noch nicht gehört haben, aber Regeln hüten wollen, die sich längst geändert haben. Das war beim ADAC so und beim DFB und bei Volkswagen sowieso ... sehr etablierte Herren, die sich gegenseitig was vormachen ... und sei es nur, dass sie noch Bescheid wüssten, was abgeht. Wobei "abgeht" wahrscheinlich schon Jugendsprache war, als Herr K. noch jung war.

"Aber das letzte Jugendwort des Jahres war ,Läuft bei dir’, und das kanntest du sogar", versucht er einen letzten, schlappen Konter. "Klar", antwortet seine Tochter. "Exakt bis zu dem Moment, als ihr Erwachsenen es benutzt habt."

"Also ich hab’ dieses ,Smombie’ zwar auch noch nie gehört, find’s aber lustig", sagt sein sechsjähriger Sohn. Es ist seine Form von Trost. Morgen wird er seinen Freunden von "Smombie" erzählen. Er wird es raffiniert einleiten: "Kennt ihr schon das Elternwort des Jahres?"

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern.

Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

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