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11.01.2015

10:25 Uhr

Der moderne Mann

Letztes Refugium echter Kerle

Sonntagsmorgens besucht Herr K. den letzten Ort, an dem echte Männer noch unter sich sind: die Brötchenschlange beim Bäcker. Doch warum sehen all diese Alphamännchen eigentlich so aus wie ihr eigener Nachwuchs?

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an:  herr.k@handelsblatt.com

Herr K. – der moderne Mann

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an: herr.k@handelsblatt.com

Jugendlichkeit ist keine Frage des Alters, findet Herr K. und macht sich jeden Sonntagmor gen auf zur letzten Gang seines Stadtviertels, oder sagen wir besser: seiner „Hood“. Lena Meyer-Landrut hat den Begriff mal genutzt. Seither glaubt Herr K., dass junge Menschen damit ihre direkte Nachbarschaft meinen. Und auch wenn seine 16-jährige Tochter die Augen rollt, wenn er Frau Meyer-Landrut erwähnt, bleibt sie für ihn doch der Inbegriff juveniler Dynamik. Ähnlich dynamisch wie der Kreis, in den Herr K. sich dann in aller Herrgottsfrühe einreiht: grau melierte Typen in Hoodies und Steppjacken von Duvetica oder Parkas von Canada Goose, kunstvoll eingerissenen Jeans und Turnschuhen von Converse.

Das Durchschnittsalter in der Warteschlange vor der Bäckerei seines Vertrauens liegt zwar bei 51, aber meist finden sich die echten Kerle hier sonntagmorgens sogar in der gleichen Reihenfolge wieder: Anberger etwa, Erbe eines Hidden Champions im Bereich recyclebarer Alu-Konserven, steht meist ganz vorn, wenn Herr K. dazustößt, oder kommt ihm schon mit seiner Brötchentüte entgegen. Dazwischen Vorstände von SDax-Anwärtern, Juristen, Chefärzte, Architekten und Werber, deren Name in dem ihrer Agentur auftaucht. Zur Begrüßung tippen sie manchmal Faust an Faust wie echte Gangsta-Rapper.

Die Männerquote in dieser Warteschlange liegt bei knallharten 95 Prozent. Die einzige Frau ist Dr. Senffts peruanisches "Au-pair-Mädchen", das seit fünf Jahren nicht nur dessen vier Kinder und seinen dementen Vater betreut, sondern auch noch als Köchin, Einkaufshilfe und Putzfrau fungiert. Sie hat derart viel um die Ohren, dass Dr. Senfft sie nicht noch mit Steuerfragen oder Details deutscher Mindestlöhne belästigen möchte. Jedenfalls steht sie natürlich jeden Morgen hier an. Die Männer finden dagegen schon ihre eigene Bereitschaft, sich hier einmal wöchentlich für die häusliche Gemeinschaft zu opfern, ähnlich lässig wie ihren Freizeit-Dress. Ihre Frauen würden um diese Uhrzeit nicht mal den Hund rausschicken. Insofern handelt es sich um eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.

Und sehen sie outfittechnisch nicht fast aus wie ihr Nachwuchs? Die Baseballkappen verdecken auf elegante Art das lichter werdende Haupthaar. Die randlosen Brillen kann man altbacken nennen, muss man aber nicht. Und die schweren Uhren an den Handgelenken könnten ja Fälschungen sein, die man beim letzten Party-Trip nach Lloret de Mar erstanden hat. Auf ihren Smartphones tippen sie mittlerweile genauso geschickt herum, auch wenn die Herren keine WhatsApp-Gruppe pflegen, sondern nur Termine. Es sind Alphawölfe, Feldherren, Krieger, Jäger und Sammler, Könige der Welt ... hier inkognito und casual. Warum nur muss Anberger - typisch Erbe und ganz vorn in der Schlange - alles kaputt machen, wenn er jetzt fragt, ob's die Dinkel-Hafer-Taler auch etwas weniger dunkel gebacken gibt. Herr K. denkt nur: „Du Mädchen!“

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern.

Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

Kommentare (1)

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Herr Christian Kerscher

12.01.2015, 16:32 Uhr

Tja wenn wir sonst keine Probleme haben ? Ein selten Blöder Bericht....Meiner Meinung nach.

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