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13.01.2017

16:42 Uhr

Der moderne Mann

Neujahrsvorsätze eines Selbstoptimierers

VonHerr K.

Herr K. ist Selbstoptimierer – und meint deshalb, kaum noch etwas in seinem Leben verbessern zu können. Doch bei einem modernen Gesellschaftsspiel gerät Herr K. an seine Grenzen und droht zu scheitern.

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an:  herr.k@handelsblatt.com

Herr K. – der moderne Mann

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an: herr.k@handelsblatt.com

Das Jahr beginnt durchwachsen für Herrn K., der partout nicht weiß, welchen guten Vorsätzen er sich für 2017 verschreiben soll. „Gute Vorsätze sind voll Neunziger“, sagt seine 16-jährige Tochter in ihrer unnachahmlich pointierten Art, ohne den Blick von ihrem Handy zu heben. Und natürlich hat sie recht. Was sollen Selbstoptimierer wie Herr K. denn noch verbessern? Er trinkt nicht, raucht nicht und ernährt sich cholesterinarm und teilzeitvegetarisch. Außerdem finanziert er mit seinen Monatsbeiträgen den Zweit-Range-Rover eines Fitnessstudio-Geschäftsführers.

Nun sitzt Herr K. mit seinen beiden Kindern am Esszimmertisch und versucht, die Regeln eines Gesellschaftsspiels zu verstehen, das laut Packungsbeilage für bis zu acht Mitspieler „+8“ geeignet ist. Er tut das nicht, weil er von der familienfördernden Wirkung des Spiels überzeugt ist. Seine Frau hat sich vielmehr fürs neue Jahr fest vorgenommen, dass ER mehr Zeit mit den Kindern verbringt.

Herr K.: Wann ist ein Mann ein Mann?

Herr K.

Wann ist ein Mann ein Mann?

Schon seit zwei Jahren erscheinen im Handelsblatt wöchentlich die Kolumnen von Herrn K. – dem modernen Mann. Höchste Zeit, dass die Kunstfigur ihren Schöpfer befragt – zu Geldanlagen, Grill-Typen und jammernden Männern.

Also brütet er jetzt über Seite 17 der Gebrauchsanweisung, wo es heißt: „Wenn die Felder ‚Ganimed‘ und ‚Oktopus‘ bereits von gegnerischen Trollen (im Snap-Modus) besetzt sind, kannst du mit der Wählscheibe versuchen, die Navigator-Ebene mit einem Hypersprung über das Sensorfeld 2 zu challengen. Bitte lies dazu Kapitel 3, Abs. 2 und die Moves des Erweiterungs-Kits 1 genau durch.“

Er fragt seine Frau: „Sag mal, hast du mir zu Weihnachten neben den tollen Unterhosen auch das Erweiterungs-Kit 1 geschenkt?“ Sie antwortet: „Für die Schlüpper gibt’s Erweiterungen?“, worauf Herr K. sich für 2017 gern vornehmen würde, keinerlei moderne Gesellschaftsspiele mehr ins Haus zu lassen. Vor allem keine, die schon auf der Schachtel damit protzen, irgendeinen „Deutschen Spielgut-Preis“ gewonnen zu haben. Welche kranken Hirne denken sich so was aus? Die Spiele und die Preise dazu? Verkrachte Sonderpädagogen?

Für Halma oder „Fang den Hut“ brauchte man früher keine großen Erklärungen. Man setzte sich hin und spielte. Das war aber auch in der gleichen Ära, als man einen Fernseher noch einfach so einstöpselte, ohne auf HD Twin Triple Tuner, DLNA-Client und interpolierte Bildwiederholfrequenz Rücksicht nehmen zu müssen. Möglicherweise erfinden die Gleichen, die tagsüber TV-Gebrauchsanweisungen schreiben, abends lustige Brettspiele? Jedenfalls war das letzte, das Herr K. und seine Familie verstanden haben, die „Siedler von Catan“.

„Für dieses Jahr nehme ich mir zumindest vor, dieses Spiel zu verstehen und den neuen Fernseher ohne Hilfe eines diplomierten IT-Technikers anzuschließen“, murmelt Herr K. „Wenn ich nur wüsste, wie die Trolle auf Level 3 gebeamt werden können.“ Seine Tochter rollt mit den Augen. Sein sechsjähriger Sohn fragt, ob er mal raus darf zu seinen Kumpels. „Was wollt ihr denn machen?“, fragt Herr K. Der Junge antwortet: „Na ja... spielen.“

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern. Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

Die besten Kolumnen vom modernen Mann sind im Gabal Verlag erschienen (14,90 Euro) – samt neuen Texten und allen Hintergründen rund um Herrn K. Hier können Sie das Buch zur Kolumne bestellen: kaufhaus.handelsblatt.com/herrk.

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