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21.09.2014

10:14 Uhr

Der moderne Mann

Senior-Consultant-Key-Account-Irgendwas

Wieso sind Bärte wieder in? Braucht man als Manager einen Twitter-Account? Und welche Meinung zur Ukraine passt in die Kantine? Herr K. widmet sich den letzten großen Fragen, mit denen der moderne Mann konfrontiert ist.

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an:  herr.k@handelsblatt.com

Herr K. – der moderne Mann

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an: herr.k@handelsblatt.com

Der Mann, von dem in dieser neuen Kolumne künftig die Rede sein soll, heißt vollständig Stefan Klausen-Meier und ist im mittleren Management eines größeren Unternehmens tätig, dessen Name hier nichts zur Sache tut - anders als sein eigener. Er kam als Klausen zur Welt, ein Name, der ihm nicht sonderlich am Herzen lag. Deshalb und weil er ein moderner Mann ist, der sich zudem nicht mit seiner Frau anlegen wollte, übernahm er auch deren Nachnamen. Aber weil Stefan Klausen-Meier wirklich zu umständlich klingt und er selbst auf Effizienz und Optimierung aus ist, sei er hier künftig schlicht Herr K. genannt.

Herr K. ist Mitte 40, verheiratet, hat zwei Kinder und es längst aufgegeben, seiner Frau erklären zu wollen, was er so macht tagein, tagaus. „Er ist Senior-Consultant-Key-Account-Irgendwas“, hat sie einmal angeschickert bei einer Party einer anderen, wildfremden Ehefrau erklärt. Er fand das durchaus lustig, hat aber seither auch keinen Versuch der Richtigstellung mehr unternommen. Das hat nichts mit mangelnder Liebe zu seiner Frau zu tun, eher im Gegenteil, wenngleich wir über Liebe vielleicht doch erst philosophieren sollten, wenn wir uns hier in dieser Kolumne ein bisschen besser kennen.

Ob Herr K. nun im Versicherungsgewerbe, Handel oder Maschinenbau arbeitet, ist jedenfalls wurst. Dinge ähneln sich. Bei seinem letzten Familientreffen waren all diese Branchen vertreten, und die Prioritätenliste der Gesprächsthemen sah in jeder Sofaecke gleich aus: 1. Das Handy versklavt uns! 2. Wer lässt sich als Nächstes scheiden? 3. Dem Georg haben sie neulich drei Bypässe gelegt - drei! Mit 47! 4. bis 10. Mein Chef ist ein Irrer! Womit wir beim Thema wären.

Die aktuelle Position von Herrn K. auf der Karriereleiter könnte man am einfachsten umschreiben mit: Er hat weit weniger Kollegen über als unter sich. Wenn beim Sommerurlaub im Robinson Club jemand am lustigen Zwangs-Gemeinschafts-Achtertisch fragt, was er denn so mache (weil man es seinen schlabbrigen Marc-O'Polo-Bermudas nun mal nicht ansehen kann), sagt er bisweilen: „So kurz unter Vorstand.“ Das gibt seinem Leben Halt und Sinn in einer Welt, die doch sehr komplex geworden ist.

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern.

Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com

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