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12.07.2015

12:35 Uhr

Der moderne Mann

Was anziehen zur „Jahrhunderthitze“?

VonHerr K.

Endlich ist die Sonne so richtig da, doch für Herrn K. ist das ein großes Problem. Welche Kleidung ist die beste bei Hitze? Seine Kollegen können die Hüllen fallen lassen, aber was ist für eine Führungskraft erlaubt?

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an:  herr.k@handelsblatt.com

Herr K. – der moderne Mann

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an: herr.k@handelsblatt.com

Herr K. steht frühmorgens vor seinem Kleiderschrank und schwitzt. Oder sagen wir besser: Er ist transpirations-affin. Im Hörfunk haben sie eine „Jahrhunderthitze“ angekündigt mit Temperaturen bis zu 40 Grad. Wird so was eigentlich immer noch „im Schatten“ gemessen? Und wenn ja, in welchem Schatten bitte?

Herr K. starrt mit glasigen Augen auf seine Anzugbügel und spürt Schweißperlen über seinen Rücken rollen. Es ist noch nicht mal sieben Uhr. Was zieht man an solchen Tagen an, wenn man sich als männliche Führungskraft mittleren Alters nicht zum Abteilungs-Kasperle machen will?

Es heißt gern, die Outfit-Frage treibe vor allem Frauen um. Aber deren Vorteil im Berufsleben ist: Sie können Röcke tragen, luftige Blusen, großbedruckte Wallawalla-Sommerkleider oder einen bunten Träger-Salat über den Schultern – völlig wurst. Auch wenn die Outfits nicht immer hundertprozentig mit ihren Besitzerinnen korrespondieren, würde niemand Kritik üben.

Selbst Koslowski ist in dieser Beziehung ein scheues Reh und knufft Herrn K. allenfalls mal in der Kantine an: „Haben Sie die Schmidt gesehen? In Mallorca-Leggings und Batik-Top wie ’ne Weißwurst in Bunt. Dagegen ist Christopher Street Day Totensonntag.“

Männer haben es outfittechnisch schwerer. Klar, wenn er „Kreativer“ wäre – Herr K. steht immer noch vor seinem Kleiderschrank, gluckst vor sich hin und malt mit den Fingern die Anführungszeichen um „Kreativer“ in die Luft. Wenn er also zum Beispiel in einer Werbeagentur arbeitete, könnte er sich wie ein „GQ“-Model dekorieren, was dann zum Beispiel heißen würde: Cargo-Shorts in Neonfarbe zu geflochtenen Slippern samt Axl-Rose-Kopftuch. Herr K. ist nun mal nicht kreativ. Aber er möchte sich auch nicht innerhalb weniger Minuten in eine mobile Tropfsteinhöhle verwandeln.

Dabei lauern heute überall Dresscodes, die nur bedingt nachvollziehbar sind. „Black Tie“, „White Tie“, gar keine Tie wie heute eigentlich üblich, wenn man nicht einen Multi-Milliarden-Konzern führt oder am Flughafen Kreditkarten vertickt. Auch „Casual“ bedeutet ja nicht, dass man wie ein abgewrackter kanadischer Holzfäller erscheinen darf. Da gibt es zudem noch die Varianten „Business Casual“ und „Smart Casual“… Herr K. hasst es. Viele Männer, die er kennt, hassen es. Das geht schon beim Einkaufen los. Männer betreten ein Herrenoberbekleidungsgeschäft und verlassen es nach maximal 20 Minuten mit zwei Anzügen, drei Hemden und einem Paar Schuhe. Frauen sind den gesamten Nachmittag unterwegs und sagen am Ende fröhlich, dass sie nichts gefunden haben.

Herr K. starrt in seinen Kleiderschrank, als seine Frau ihm en passant in den Rücken murmelt: „Jammer nicht rum! Und jetzt nimm die sandfarbene Baumwollhose und ein weißes Hemd ohne Manschettenknöpfe, dann kannst du’s auch hochkrempeln. Und kein Unterhemd.“ Herr K. wusste es doch: Frauen haben’s viel leichter … sogar mit den Herrenklamotten.

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern.

Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

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